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Regensburg
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Gedenken

Regensburger erinnern an Pogromnacht

In der Nacht auf 10. November 1938 löschten Nazis viele Spuren jüdischen Lebens aus. Eine Mahnveranstaltung erinnerte daran.
Von Daniel Steffen, MZ

Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer forderte die Gäste auf, sich gegen den Hass zu stellen. Foto: Steffen

Regensburg.Vor exakt 79 Jahren setzten Nationalsozialisten die 1912 gebaute Synagoge in der Schäffnerstraße in Brand. Bei den Brandstiftern handelte es sich um SS- und SA-Kommandos sowie Fahrschüler der NSKK-Motorsportschule, die auf Befehl des Gauleiters Fritz Wächtler handelten. Ferner verhafteten SA- und SS-Mitglieder in jener Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 zahlreiche Bürger mit jüdischem Glauben und verwüsteten deren Geschäfte. Es folgte ein fast drei Kilometer langer „Auszug der Juden“, der sich vom Arnulfsplatz bis zur Maximilianstraße erstreckte. Diese Menschen wurden von Passanten geschlagen, bespuckt oder gar mit Steinen beworfen. Noch am selbigen Tag, dem 10. November 1938, ordnete der damalige Oberbürgermeister Otto Schottenheim den Abriss der Synagoge an, um die Spuren jüdischen Lebens in Regensburg zu beseitigen.

Um an diese Schreckenstaten des nationalsozialistischen Regimes zu erinnern, organisierte die Stadt in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde sowie weiteren kirchlichen und weltlichen Institutionen auch in diesem Jahr eine Gedenkveranstaltung. Rückblickend auf die Ereignisse von 1938, wertete Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer die Pogromnacht als „Auftakt zu einem widerwärtigen und unbegreiflichen Verbrechen“. Abscheulichkeiten, die „an das pure Böse glauben lassen“, seien gefolgt, betonte sie im Gebetsraum der Synagoge am Brixener Hof. Dort nahm die Gedenkveranstaltung ihren Auftakt. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger, baut auf eine bessere Zukunft der jüdischen Menschen in Regensburg. „Wir sehen es als gutes Omen, dass die neue Synagoge auf der Fundament der alten Synagoge steht“, betonte sie.

Schüler aus der 9. Klasse der Otto-Schwerdt-Mittelschule machten chronologisch auf die 1000-jährige Geschichte jüdischen Lebens in Regensburg aufmerksam. Endlich bekomme die Gemeinde wieder ein Gotteshaus, sagten auch sie. Mit einem Totengebet endete der Veranstaltungsteil in der Jüdischen Gemeinde – und die Besucher machten sich auf den Weg in die Neupfarrkirche.

Dort befassten sich regionale Autoren mit Texten über den Holocaust: Martin Stauder aus Regensburg las Passagen aus dem Buch „Schillingers Tod“ des polnischen KZ-Überlebenden Tadeusz Borowski vor. Der Landshuter Autor Gernot Häublein stellte seinen bislang noch unveröffentlichten Roman „Partei Nr. 109“ vor, der von der Pogromnacht im München handelt. Studenten der Universität Regensburg indes befassten sich in einem Rollenspiel mit den November-Ereignissen in Regensburg.

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