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Pläne

RKK: Jetzt reden die Regensburger mit

Die roten Flatterbänder am Ernst-Reuter-Platz machen deutlich: Mutige Entwürfe der Bürger sind gefragt. Auch Kritik gibt’s.
Von Marion Koller, MZ

  • Nicht zu übersehen: Die roten Bänder künden von der Ideenwerkstatt, die noch bis Donnerstag läuft. Es geht um das Eingangstor zur Altstadt, vom Bahnhof bis zum Ernst-Reuter-Platz. Foto: mds
  • Der Bereich aus der Vogelperspektive Foto: Stadt Regensburg
  • Das Flatterband aus der Nähe Foto: mds
  • Sogar mit roten Lettern auf dem Pflaster macht die Stadt auf die Bürgerbeteiligung aufmerksam. Foto: Koller
  • Pfarrerin Christiane Weber arbeitet bei der Ideenwerkstatt mit. Foto: Koller
  • Gerhard Sperb von Faszination Altstadt hofft, dass das RKK am Ernst-Reuter-Platz kommt. Foto: Koller

Regensburg.Also, eines ist der Stadt gelungen: Sie hat die Regensburger darauf aufmerksam gemacht, dass zwischen Bahnhof und Ernst-Reuter-Platz etwas Wichtiges passiert. Rote Bänder mit der Aufforderung „Stadtraum gemeinsam gestalten“ flattern rund um den künftigen Standort des Kongresszentrums (RKK), des geplanten Zentralen Omnibusbahnhofs und die Alleebäume beim Peterskirchlein, die zum Teil in Gefahr sind.

Autofahrer stutzen, Passanten halten inne und auf Facebook diskutieren die Leute. „Was ist na bitte am Hauptbahnhof los? Hat da jemand zu viel Freizeit oder ist Greenpeace da? Die ganzen Bänder sind grad auch Verschwendung“, meint ein Regensburger. Ein anderer antwortet, indem er auf die Homepage der Stadt und die Kampagne „Stadtraum gemeinsam gestalten“ hinweist.

Heute und morgen Ideenwerkstätten

Die roten Bänder künden von den ersten Ideenwerkstätten, die noch bis Donnerstag im „Parkside“, Prüfeninger Straße 20, laufen. Los ging es am Dienstagnachmittag. Jeder Regensburger konnte vorbeikommen und entweder unter vier Augen mit einem der Fachleute von den beauftragten Planungsbüros sprechen oder eine Arbeitsgruppe mit anderen Bürgern gründen – zu einem der Themen: Regensburger Kultur- und Kongresszentrum, Zentraler Omnibusbahnhof und öffentlicher Personennahverkehr. Am Abend trug jeder seine Ideen vor großem Publikum vor. Kristina Kraus von der städtischen Pressestelle betonte: „Das ist ein offenes Ideenbüro. Man kann jederzeit kommen, so oft und so lange man will.“

In Pappboxen, die in der ganzen Stadt verteilt waren, hatten die beiden involvierten Kommunikationsagenturen, nonconform aus Wien und das Leipziger Büro für urbane Projekte, schon im Vorfeld Meinungen gesammelt. Anne Krämer von nonconform sagte, viele wünschten sich, dass das Areal zwischen Bahnhof, Ernst-Reuter-Platz und Maximilianstraße freundlicher wird. Andere seien zufrieden damit. Weitere Bürger würden dort mehr Sitzgelegenheiten begrüßen. Kommunikationsspezialistin Anne Krämer stellte fest: „Dieser Raum ist wichtig, er hat Potenzial. Wir versuchen, das bestmöglich auszuloten.“

Am Nachmittag breitete sich auf dem Boden des „Parkside“ ein riesiger Stadtplan mit abgebildeten Gebäuden aus – ein idealer Treffpunkt zum Zeigen und Debattieren, wie sich herausstellte. Pfarrerin Christiane Weber aus dem Stadtnorden deutete auf den Plan: Sie hält eine Radfahrerbrücke über die Gleise zwischen Galgenberg- und Kumpfmühler Brücke für dringend nötig. Ein großes Kultur- und Kongresszentrum auf dem Kepler-Areal am Ernst-Reuter-Platz findet sie sehr interessant. „Das wäre die Chance, bahnhofsnah große Tagungen abzuhalten.“ Das ehemalige Evangelische Krankenhaus könne in ein kleines Tagungshotel umgewandelt werden.

Lesen Sie auch: Kristina Kraus von der städtischen Pressestelle begleitet die Bürger-Workshops. Sie erklärt, worauf es im kreativen Prozess ankommt.

Direkter Fußweg vom Bahnhof zur Uni fehlt

Helmut Kangler ist neugierig, wie so viele heterogene Meinungen sortiert werden, „dass irgendwas rauskommt, vielleicht sogar was Gutes“. Er vermisst einen vernünftigen Südzugang zum Bahnhof und einen direkte Fußgängerverbindung vom Bahnhof zur Universität, ohne den Umweg über die Galgenbergstraße.

Gerhard Sperb, Vorstandsmitglied von Faszination Altstadt und Stadtmarketing, erhofft sich eine Aufwertung der Maximilianstraße. Der Eingang der einstigen Prachtmeile sei zwar mit geplantem Wasserspiel und „Römerrastplatz“ in trockenen Tüchern, doch wenn 2018 das Bayernmuseum eröffne, solle die Maxstraße die Touristen anders empfangen, fordert Sperb. „Mit kleinen Grüninseln könnte das leicht gemacht werden“, schlägt der Geschäftsmann vor.

Mehr über das RKK lesen Sie in unserem Spezial!

Ein Kongresszentrum am Ernst-Reuter-Platz begrüßen Sperb und auch Dr. Martin Kammerer von der Industrie- und Handelskammer. Denn die Gäste könnten die Altstadt zu Fuß erreichen. Sperb meint: „Mit dem Pfund müssen wir wuchern.“ Die Chance, den Bereich vom Bahnhof bis zur Maxstraße zu entwickeln, sei einmalig. Er solle offener und nachts sicherer werden. Kaufmann Sperb schwebt ein Boulevard zum Flanieren vor.

Mediziner und Uniprofessoren warteten auf ein RKK. „Wir haben eine tolle Universität, aber die wird sich nicht weiterentwickeln, wenn die Profs keine Tagung in Regensburg abhalten können“, befürchtet Sperb.

Der Architekt Bernhard Schwabl dagegen betrachtet gerade die RKK-Pläne sehr kritisch. Kongresszentrum und zentraler Busbahnhof in diesem Areal: „Das kann man so nicht lösen“, sagt er. Dort drängten sich schon heute Verkehr, Passanten, Veranstaltungsbesucher. Zwischen Bahnhof und Ernst-Reuter-Platz solle sich vielmehr eine Grünfläche erstrecken. Am Alten Eisstadion sei Platz für ein Kongresszentrum.

Am Mittwoch öffnet das Ideenbüro um 10 Uhr, ein Workshop mit Senioren fängt um 11.30 an.

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  • AW
    Anja Wendlandt
    22.03.2017 11:02

    Seltsam, dass unsere Uni-Professoren in Regensburg keine Tagungen abhalten können, wo doch das Kolpinghaus mit vielfältigen Möglichkeiten nur wenige Meter vom Ernst-Reuter-Platz entfernt ist!

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