mz_logo

Regensburg
Montag, 22. Januar 2018 7

Weihnachten

Schenken in letzter Minute

Am Heiligabend kann man keinem trauen, da ist ein Geschenk in der Hinterhand gut. Von kleinen, großen und späten Geschenken.
Von Heinz Klein

  • Tausendfach gewünscht: Doch weiße Weihnacht gibt es heuer nur im Glas.Fotos: Heinz Klein
  • Als Last-Minute-Geschenk ein Klassiker: der exqusite Duft Foto: Klein

Regensburg.Was schenke ich nur? Eigentlich denken sich viele, dass diese Frage geschenkt ist. Man trifft heutzutage ja vielfach Geschenkestillhalteabkommen. Die bange Frage ist nur: Hält sich auch jeder dran? „Die Front bröckelt“, gesteht ein Regensburger, der deshalb soeben sicherheitshalber einen Kalender zum Verschenken gekauft hat. Wie bei allen Abrüstungsabkommen bräuchte es Inspektoren, die das überwachen. Aber an der Geschenke-Front gibt es keine Inspektoren. Also sind „Für-alle-Fälle-Geschenke in der Hinterhand“ nahezu ein Muss, sagt auch Geschenkesucher Wolfgang Nerb.

Was sich wohl viele Menschen zu Weihnachten wünschen, das sind weiße Weihnachten. Doch das Thema ist schon durch. „Gibt’s heuer nicht“, versprechen die Meteorologen. Bei Markus Josuweit gibt es aber doch weiße Weihnachten. Zumindest in einer Miniwelt. Schütteln muss man sie halt. Für 29,50 Euro schneit es dann, so oft man will.

In der Pfandleihe: Rein und raus

Lustige Gutscheinhalter halten selbst schwerste Schecks.

Gleich ein paar Schritte weiter am Christkindlmarkt steht eine Gruppe lustiger Männchen. Es sind Gutscheinhalter. „Man kann Gutscheine in jeder beliebigen Höhe reinstecken, die halten auch schwere Schecks aus“, lacht Hanna Barnickel.

Ach ja, das liebe Geld. Wo gibt es ein kleines Geschenk für den kleinen Geldbeutel? Bei Uli Böhm haben wir was gefunden: einen winzigen Maulwurf aus Holz für 4,80 Euro. Er gehört zur Arche Noah mit 36 Tieren samt Noah mit Frau und einem Regenbogen. Alles zusammen kostet aber auch 235 Euro.

Die Mannschaft der Arche Noah. Der Maulwurf kostet als kleines Geschenk 4,80 Euro. Foto: Klein

Wer keinen Maulwurf braucht, der findet vielleicht in der Regensburger Pfandleihe ein preiswertes Geschenk. Ringe aus 925-Sterlingsilber für zehn Euro. Georg Weigl hat jetzt alle Hände voll zu tun. „Viele kommen mit dem Weihnachtsgeld, um etwas wieder auszulösen“, sagt er. Andere kaufen günstige Geschenke. Jetzt geht aus der Pfandleihe viel raus, im Januar und Februar kommt wieder viel rein. Dann nimmt Georg Weigl Schmuck wieder in Zahlung.

Je später, umso teurer?

An diesem Samstag ist die letzte Chance für Last-Minute-Käufer. In der Verzweiflung, noch was Schönes zu finden, wächst die Bereitschaft, den Geldbeutel weiter zu öffnen. Klassisches Last-Minute-Geschenk für die Damen: Parfüm. In der Parfümerie Miller kann man ratlosen Männern dufte Tipps geben. Barbara Graf zeigt uns was wirklich Exquisites: Bond No. 9, Parfüm aus New York für 378,50 Euro. Doch nicht nur Männer kommen in der letzten Minute, sagt sie. Ganz im Sinne der Gender-Gerechtigkeit gibt es inzwischen auch Frauen, die auf Geschenksuche am letzten Drücker sind.

„Bücher sind auch gute Last-Minute-Geschenke“, sagt Daniela Dombromsky. Foto: Klein

„Auch Bücher sind Last-Minute-Geschenke“, sagt Daniela Dombrowsky und zeigt auf das prall gefüllte Abholregal. Wer am Freitag bestellte, bekommt es am Samstag noch. Gibt es denn einen Generaltipp für Bücher? Da muss die Spezialistin für Kinderbücher nicht lange überlegen. „Pax“ heißt die rührende Geschichte, die von der Freundschaft eines Jungen mit einem Fuchs erzählt. Ab elf bis ultimo spreizt sich die Altersangabe des Zielpublikums. Ulrich Dombrowsky hat für Erwachsene das Buch vom Hans im Glück in der Hand. Es erzählt mit faszinierenden Fotos vom einfachen Leben eines aus der Zeit gefallenen Kleinbauern.

Einfach ist an Weihnachten aber fast gar nichts. Nach der wichtigsten Frage „Was schenke ich? lautet die zweitwichtigste Frage: „Was koche ich?“ Im Feinkostparadies in der Ludwigstraße finden sich Häppchen, die Leckermäuler sogar trocken schlucken lassen. Den 30 Monate gereiften Pata-Negra-Schinken vom iberischen Schwein für 35,80 Euro je 100 Gramm beispielsweise. Herrlich schaut er ja schon aus…

Dmitry Horbach verschenkt Töne an Passanten. Foto. Klein

So geht das Rennen also weiter bis zum Ladenschluss – und darüber hinaus. Christbaumverkäufer Jakob Friedl hat am Haidplatz noch einen kleinen Wald vor sich und verspricht, auf Wunsch auch am 24. Dezember Christbäume auf dem Fahrradanhänger im Stadtgebiet auszuliefern.

In all dem Trubel sitzt Dmitry Horbach am Eck der Pfauengasse am Klavier und spielt Werke aus dem „Buch der Ruhe“ – mit einer Hingabe, die selbst Hochgeschwindigkeitsshopper bremst. Der Musiker aus Minsk verschenkt herrliche Töne an Passanten. Manchmal klingelt’s im Hut. Dann bekommt er was zurückgeschenkt. Wir sind ja gerade lieb zueinander.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht