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Regensburg
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Warnung

Schlugen „Tierhasser“ wieder zu?

Es sollen Giftköder gefunden worden sein – diesmal im Stadtwesten. Die Angst unter den Hundebesitzern ist weiterhin groß.
von Michael Sperger und Tim Guggenberger, MZ

Ist der Köder erstmal im Mund, hilft nur noch der Tierarzt. Gifte in Fleischstücken jagen Angst ein. Foto: Fotolia/DoraZett

Regensburg.Die Fußwege und Wiesen in Regensburg sind mit Laub bedeckt. Was darunter liegt, kann keiner sehen – auch nicht Erold Beyer. Es könnten wieder Giftköder darunter lauern – wie schon in der Vergangenheit. Der Hundehalter geht in der Dämmerung am späten Abend mit seinem Hund „Graf Lumpi“ im Roten-Brach-Weg Gassi. Er hält ihn nah an der Leine. „Ich passe bei meinem Hund immer auf, dass er nichts aufnimmt und frisst“, sagt Beyer.

Im Stadtgebiet Regensburg sollen tatsächlich Giftköder verteilt worden sein – mal wieder. Unter Hundeliebhabern sind derartige Köder eine allgegenwärtige Gefahr. Diesmal soll der Stadtwesten betroffen sein. „Im Gebiet zwischen Roter-Brach-Weg und Wernerwerkstraße legten Tierhasser Köder in Form von Fleischbrocken mit Knochen und Wurst“, schreibt Facebook-Userin Gabi in die Gruppe „Hunderudel Regensburg“. Hier tauschen sich über 2200 Hundebesitzer aus dem Raum Regensburg aus und geben Warnungen weiter.

Viele Reaktionen

Auf den Post werden viele Hundefreunde aufmerksam, teilen und kommentieren die Warnung fleißig. Auch Rebecca Kleinschmidt, Hundetrainerin in Regensburg, informiert auf ihrer Facebookseite. „Es ist wichtig, dass solche Warnungen publiziert werden, damit so wenig Schaden wie möglich entsteht“, sagt sie.

Interview

Hunde handeln nach Instinkt

Rebecca Kleinschmidt, Hundetrainerin aus Regensburg gab unserem Medienhaus zu den aktuellen Vorfällen ein Interview:

Davor warnt der Hundetrainer „Martin Rütter DOGS Regensburg“ auf seiner Facebookseite. „Achtung Giftköder“ ist dort zu lesen. Der Beitrag wurde bis gestern Abend von 153 besorgten Hundebesitzern geteilt. Doch keiner von ihnen hat sich bisher an die Polizei gewendet.

Bei der Polizeiinspektion Regensburg Süd ist bisher keine Anzeige eingegangen. „Der Polizeiinspektion Regensburg ist in letzter Zeit kein Fall bekannt“, erklärt Markus Reitmeier. Es ist keine Seltenheit, dass die Vorfälle ungemeldet bleiben. Grund ist wohl, dass solche Fälle nur selten aufgeklärt werden. „Auch wenn es oft schwierig ist, den Täter zu finden, lege ich jedem Hundebesitzer ans Herz, bei so einem Vorfall zur Polizei zu kommen“, sagt Reitmeier. Die Präparate können in einem Labor untersucht werden.

„Wären die Strafen höher, würde halb so viel passieren“, schimpft Beyer. Denn die Taten an Hunden werden wie Sachbeschädigung gewertet. Für viele Hundehalter ein Unding.

Rattengift im Stadtpark

Es wäre bei Weitem nicht der erste Vorfall in Regensburg. Im März 2016 war vergifteter Weizen im Stadtpark verteilt worden. Damals warnte sogar die Stadt Regensburg vor dem Rattengift im Park.

Lesen Sie die Meinung von MZ-Redakteur Heinz Klein zu dem Vorfall in seinem Kommentar.

Am Donauufer wurden immer wieder Würste, mit Rasierklingen gespickt, gefunden.

Auch in den vergangenen Monaten gab es Vorfälle: Erst vor drei Monaten fand im Landkreis Kelheim ein Hundebesitzer beim Gassigehen bei Peising eine präparierte Gifthaut. Anfang dieser Woche starb ein Hund im Kreis Schwandorf beinahe an Rattengift. Der Halter zeigte den Vorfall bei der Polizei an.

Auch der Regensburger Landkreis blieb nicht verschont. Vor drei Jahren war die Gemeinde Barbing betroffen. Ein Hund starb an den Folgen der Vergiftung. Warnhinweise auf den Informationstafeln der Dörfer waren die Maßnahme der Gemeinde. Die Motive der Täter bleiben ein Rätsel.

Drogen konsumiert

Auch auf andere Weise wurden Hunde eher unabsichtlich vergiftet. Ein Lappersdorfer muss seinen Hund nach einem Spaziergang in eine Klinik bringen: Das Tier zeigte Vergiftungserscheinungen. Der Hund hatte Cannabis aus einem Gefrierbeutel am Boden gefunden und gefressen.

Diana Reh von der Tierklinik Haslbach erklärt, wie sich Hundebesitzer beim Gassigehen verhalten sollen, um Vorfälle wie diese zu vermeiden. „Im Optimalfall sollen Hunde nur das essen, was ihr Besitzer ihnen gibt.“ Doch das sei nicht immer so einfach. „Falls den Haltern etwas komisches auffällt, sollten sie schnellstmöglich einen Tierarzt aufsuchen“, rät Reh. Es gäbe verschiedene Gifte. Bei Rattengift komme es zu Blutgerinnungsstörungen, bei anderen Giften eher zu Symptomen wie Durchfall oder Zittern. „Die Symptome sind erst spät ersichtlich. Am besten sollte man schnell einen Tierarzt aufsuchen“, rät Reh. Gerade Rattengift könne je nach Dosierung bei Hunden schwerwiegende Folge bis hin zum Tod haben.

Erold Beyer führt seinen Hund Graf Lumpi jetzt mit einem mulmigen Gefühl Gassi. Foto: Guggenberger

Für Beyer ist das schwer vorzustellen. „Graf Lumpi ist unser fünfter Hund und ich habe noch mit keinem Tier Probleme mit Giftködern gehabt“, erklärt der Reisebusfahrer. Die Angst ist aber auch bei ihm allgegenwärtig. „Es ist eine unschöne Vorstellung, dass genau hier unter dem Laub weitere Giftköder liegen könnten.“

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