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Justiz

Sex-Tat an Neujahr: Opfer sagt aus

Die 47-jährige Pflegerin war bei dem Überfall auf dem Weg zur Arbeit. Sie blieb vor Gericht dabei: Es war Vergewaltigung.
Von Marion von Boeselager, MZ

In der Kumpfmühler Straße passte der Täter die Frau ab und zog sie in einen Hauseingang. Foto: Franziska Heinrich

Regensburg.Am zweiten Prozesstag um einen sexuell motivierten Überfall in der Kumpfmühler Straße am Neujahrsmorgen hat die Geschädigte, eine 47-jährige Pflegerin aus Regensburg, vor dem Landgericht ihr Martyrium geschildert. Dem Angeklagten, einem 25-jährigen Flüchtling, wird Vergewaltigung und vorsätzliche Körperverletzung zur Last gelegt. Zum Prozessauftakt am Mittwoch hatte er gestanden, die Regensburgerin unter dem Slip „begrapscht und sexuell belästigt“ zu haben. Die Vergewaltigung bestritt er jedoch.

Sichtlich angespannt nahm die Regensburgerin, flankiert von ihrer Anwältin Claudia Schenk, am Donnerstag auf dem Zeugenstuhl vor der Strafkammer unter Vorsitz von Richter Georg Kimmerl Platz. Zuvor war der Angeklagte im rückwärtigen Bereich des Sitzungssaales platziert worden, um der Zeugin seinen Anblick zu ersparen.

„Ich bekam kaum noch Luft“

„Ich war auf dem Weg zur Arbeit“, begann die Regensburgerin. Es war 5.25 Uhr, der Morgen nach Silvester. „Ich gehe die Strecke seit sechs Jahren. Bisher hatte ich dabei keine Angst.“

Auf Höhe eines Unterwäschegeschäfts in Kumpfmühl habe sich ihr plötzlich ein Mann in den Weg gestellt. „Er sagte: ,hey, Baby,‘ und roch nach Alkohol.“ Sie wich ihm aus, sagte „Schleich dich!“ und ging zügig weiter. Doch der Unbekannte sei ihr gefolgt. „Plötzlich hat er mich von hinten gepackt. Er zog mich in einen Hauseingang.“ Dann habe er ihr Mund und Nase zugedrückt. „Ich bekam ganz schlecht Luft.“ Er sei auch in ihren Intimbereich eingedrungen, so die Zeugin. „Es hat gescheit weh getan. Ich hab geschrien. Gott sei Dank, dass mich jemand gehört hat.“ Eine Frau habe vom Fenster heruntergeschrien: „Ich hol die Polizei.“ „Erst da hat er von mir abgelassen.“

Der Unbekannte suchte das Weite. Sie selbst sei auf die andere Straßenseite gewechselt. Dort bot ihr eine andere Frau ihre Hilfe an und verständigte die Polizei. Der mutmaßliche Täter wurde noch am selben Tag gefasst. „Ich hab ihn auch wiedererkannt“, sagte die Zeugin. Die Regensburgerin erzählte den Beamten, was ihr zugestoßen war. Sie wurde im Josefskrankenhaus untersucht. Bis auf eine bei dem Überfall blutig gebissene Lippe waren aber keine Blessuren erkennbar.

„Ich will mich jetzt psychologisch behandeln lassen, damit ich die Angst in der Früh besser in Griff bekomme.“

Das Opfer

„Der Film lief immer wieder ab“

Krank geschrieben war die Pflegerin keinen einzigen Tag. „Die Arbeit hat mich abgelenkt.“ Ihr Arbeitgeber habe Bescheid gewusst.

Zu den Folgen des Überfalls befragt, erzählte die Pflegerin: „Ich konnte nicht mehr schlafen. In der ersten Zeit lief immer wieder der Film vor meinen Augen ab, wenn ich allein zu Hause war. Inzwischen ist es etwas besser.“ Doch leide sie immer noch an Panikattacken. Den langjährigen Weg zur Arbeit vermeide sie. „Ich will mich jetzt psychologisch behandeln lassen, damit ich die Angst in der Früh besser in Griff bekomme.“ Auch auf Nachfragen der Verteidigung blieb sie dabei, dass der Übergriff eine Vergewaltigung war. Rechtsanwalt Peter Hofmann hob hervor, sein Mandant habe der Geschädigten eine schriftliche Entschuldigung zukommen lassen. Deren Anwältin Claudia Schenk teilte jedoch mit, die Geschädigte wolle „eine Entschuldigung nicht annehmen.“ Die Sache sei „unentschuldbar.“

Der Asylbewerber streitet einen Teil der Vorwürfe ab. Foto: mov

Zuvor hatte Schenk beantragt, während der Vernehmung der Geschädigten die Öffentlichkeit auszuschließen und den Angeklagten aus dem Sitzungssaal zu entfernen. Beide Anträge hatte das Gericht jedoch nach Rücksprache mit dem BKH-Psychiater, der die 47-Jährige untersuchte, abgewiesen. Dort hatte sich die Patientin im Juli vorgestellt. Der Mediziner gab gegenüber dem Gericht an, die Patientin reagiere in bestimmten Situationen mit innerer Anspannung. Es gebe jedoch keine Anhaltspunkte für eine außergewöhnliche Belastungssituation.

Daher ließ die Kammer die Öffentlichkeit während der Vernehmung der Geschädigten zu. Das Interesse der Öffentlichkeit überwiege hier gegenüber den Belangen der Geschädigten.

Auch bestehe „keine dringende Gefahr für Gesundheitsschäden durch ihre Einvernahme in Anwesenheit des Angeklagten“, sagte der Vorsitzende Richter. Der angemessene Opferschutz könne auch dadurch gewährleistet werden, den Angeklagten weiter hinten im Sitzungssaal zu platzieren.

Die Nebenklagevertreterin will für ihre Mandantin ein Schmerzensgeld in fünfstelliger Höhe erstreiten. Dies werde der Angeklagte aber niemals bezahlen können, konterte die Verteidigung und beantragte, den Antrag abzulehnen.

Der Prozess dauert an.

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