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Regensburg
Donnerstag, 21. September 2017 19° 2

Hochschule

Sie studieren in Regensburg für Syrien

Viele Flüchtlinge belegen technische Fächer, um später ihre Heimat wieder aufbauen zu können. Sie brauchen viel Beratung.

47 Studienbewerber mit Fluchthintergrund absolvierten im Sommersemester einen studienvorbereiteten Deutschkurs an der OTH. Foto: Gregor Fischer/dpa

Regensburg.Der 26-jährige Syrer Weaam Almansour kommt aus einem Ort nördlich von Homs. Im Jahr 2015 ist er über die Balkanroute, inklusive Bootspassage von Griechenland aus, nach Deutschland gekommen. Nur sein Cousin hat ihn auf dem Weg begleitet. In Deutschland angekommen wurde er der Erstaufnahmeeinrichtung in Regensburg zugeteilt. Inzwischen hat er den Sprung aus der Flüchtlingsunterkunft in ein privates Ein-Zimmer-Appartement geschafft – und an die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Regensburg.

Im Sommersemester machten 47 Studienbewerber der OTH Regensburg mit Fluchthintergrund einen studienvorbereitenden Deutschkurs, wie die Hochschule mitteilte. Im Sommer legen Weaam Almansour und die anderen Teilnehmer die DSH-Prüfung ab, die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang.

Zum Wintersemester 2017/2018 will sich Almansour dann für den Bachelorstudiengang International Relations Management und Betriebswirtschaft bewerben. „Wenn ich das Studium schaffe und der Krieg aus ist, würde ich gerne zurück nach Syrien gehen“, sagt er. Genauso geht es seinem Landsmann Hamid Zatari. Der 21-Jährige aus Aleppo hat bereits mit dem Fachstudium begonnen, er ist im ersten Semester Bauingenieurwesen. „Wenn der Krieg vorbei ist, kann ich mit dem Studium helfen, mein Land wieder aufzubauen“, hofft er.

Mentoren geben hilfreiche Tipps

Bis dahin beschäftigen ihn allerdings noch ganz profane Dinge: Sein Bafög-Antrag ist noch nicht bewilligt. Und das Geld vom Jobcenter, auf das er bisher Anspruch gehabt hat, fließt nicht mehr, seit er immatrikuliert ist. Den finanziellen Engpass gilt es zu überbrücken. Einen festen Nebenjob hat er noch nicht. Aber Hamid Zatari ist zuversichtlich – zumindest hat er mittlerweile ein Zimmer in einer WG gefunden. Der Verein Campus Asyl hat ihm dabei geholfen. Über das Mentoringprogramm „First steps“ der OTH Regensburg bekommt er hilfreiche Tipps. Obwohl Hamid gut mit seinen Kommilitonen vernetzt ist, verbringt er die Freizeit fast ausschließlich mit Landsleuten. Er hat die gleiche Erfahrung wie Weaam Almansour gemacht: „Die Deutschen haben immer keine Zeit.“ Dem Akademischen Auslandsamt (AAA) der OTH sind die beiden syrischen Studenten extrem dankbar: „Anne Groll und die anderen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dort haben uns sehr viel geholfen.“

Dass für Geflüchtete der Einstieg ins Studium eine Herausforderung ist, bestätigt Anne Groll vom AAA: „Bei Geflüchteten ist eine intensivere Beratung notwendig als bei anderen Gruppen von internationalen Studierenden“, sagt sie. Als Grund nennt sie unter anderem die sehr begrenzten finanziellen Mittel, den unsicheren Aufenthaltsstatus sowie fluchtbedingte Traumata. Die Hilfe besteht nicht nur aus Beratung und Information, sondern ganz konkret auch aus finanzieller Unterstützung: Über das Programm „Integra“ hat das AAA für den Zeitraum bis zum März 2019 Fördermittel von rund 130 000 Euro eingeworben, mit denen die Deutschkursgebühren für Geflüchtete bezuschusst werden. Auch die Beratung im AAA durch Studierende mit arabischen Sprachkenntnissen konnte über ein DAAD-Programm verstärkt werden.

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Die Bürokratie ist kompliziert

Weaam Almansour und Hamid Zatari sprechen inzwischen gut Deutsch. „Nur Bayerisch ist sehr schwer“, sagt Hamid Zatari. Auch das deutsche Essen ist für die beiden Syrer gewöhnungsbedürftig. „Ich esse eigentlich nur arabisch“, sagt Hamid Zatari. Bei Weaam Almansour ist es weniger das Essen als die Bürokratie, die er als sehr kompliziert empfindet. Da er in seiner Heimat ein Jura-Studium abgeschlossen hat, machte er in Regensburg zunächst ein Praktikum in einer Rechtsanwaltskanzlei. Er stellte jedoch fest, dass er auf dem hiesigen Arbeitsmarkt kaum Chancen hatte. Nun versucht er an die wirtschaftswissenschaftlichen Fächer seines Studiums anzuknüpfen.

Das Engagement der OTH

  • Die Studenten:

    Ein Großteil der Geflüchteten mit Studieninteresse, die sich an der OTH Regensburg beraten lassen und hier studieren, kommt aus Syrien. 95 Prozent dieser Studieninteressenten sind männlich.

  • Die Angebote:

    Der Beratungsbedarf ist groß: Im Wintersemester 2016/2017 suchten mehr als 130 Personen mit Fluchthintergrund die Allgemeine Studienberatung sowie das Akademische Auslandsamt auf. An speziellen Informationsveranstaltungen dieser beiden Einrichtungen nahmen im Jahr 2016 rund 200 Personen teil. sind derzeit 47 Studienbewerber der OTH Regensburg mit Fluchthintergrund sind für die studienvorbereitenden Deutschkurse an der Universität Regensburg registriert, 26 davon im zweiten Semester. Im Fachstudium befinden sich rund 30 Personen mit Fluchthintergrund.

  • Neue Herausforderung:

    Mit dem Übertritt einer größeren Gruppe Geflüchteter ins Fachstudium sieht sich das Akademische Auslandsamt vor neue Herausforderungen gestellt: Neue Vor- und Brückenkurse (zum Beispiel Schulphysik) sollen eingerichtet werden, um einen erfolgreichen Studienstart zu ermöglichen.

„Es ist zu erwarten, dass viele den Sprung ins Fachstudium mit Beginn des Wintersemesters schaffen werden“, sagt Anne Groll. Was der Beraterin auffiel: 90 Prozent der Studieninteressenten mit Fluchthintergrund geben einen technischen Studiengang als Wunsch an, besonders häufig Maschinenbau und Bauingenieurwesen. Wie Hamid Zatari und Weaam Almansour wollen viele junge Syrer mit den hier erworbenen Kenntnissen später ihre Heimat wieder aufbauen.

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