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Serie

So arbeiten die Polizisten an der Grenze

Stefan Kaindl kontrolliert den Einreiseverkehr bei Kufstein. Dabei ging dem Regensburger schon ein Waffenhändler ins Netz.
Von Heike Haala, MZ

Arbeitsalltag als Polizist an der Grenze: Stefan Kaindl (r.) kontrolliert gerade die Papiere eines Autofahrers. Der Mann durfte ohne Beanstandungen weiterfahren. Fotos: Gröschel

Kufstein.Der Regensburger Polizeimeister Stefan Kaindl hält den Ausweis eines Autofahrers unter einen Handscanner. Sofort blinkt ein rotes Warnfenster auf dem Bildschirm des Computers in dem Büro der Polizei am deutsch-österreichischen Grenzübergang entlang der Autobahn A93 auf. Treffer. Kaindl hat einen richtig dicken Fisch an der Angel. Den Mann, dessen Ausweis er gerade kontrolliert, sucht die Polizei wegen illegalen Waffenhandels per Haftbefehl.

Stefan Kaindl bei der Selektion der Fahrzeuge.

Jetzt darf Kaindl nichts verkehrt machen, sonst entwischt ihm der Mann oder er bringt womöglich noch seine Kollegen in Gefahr. Aber Kaindl weiß, was zu tun ist. Das hat er während seiner dreijährigen Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei in Nabburg gelernt. Seit einem Jahr arbeitet er inzwischen als Polizeimeister in einer Einsatzhundertschaft und hat auch schon mehrere dreitägige Einsätze an der Grenze hinter sich gebracht.

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Deswegen informiert der junge Polizeimeister jetzt erst einmal seine Kollegen von der Bereitschafts- und der Bundespolizei an dem Grenzübergang. Alle wissen Bescheid, dass sie jetzt Vorsicht walten lassen müssen. Kaindl erklärt dem Mann als Nächstes, dass er nun verhaftet wird. Der lässt die Prozedur über sich ergehen. Allerdings fällt seine Begleiterin aus allen Wolken. Sie wusste nichts von den Machenschaften ihres Freundes. Die Frau beginnt zu weinen und zu schreien, als ihr klar wird, dass sie die Autofahrt nun ohne ihren Freund fortsetzen muss. Kaindls Kollegen müssen sie beruhigen.

Drei Tage dauert Kaindls Einsatz an der Grenze. Sein Arbeitsplatz sind dann ein kleiner Container, in dem eine Polizeiwache untergebracht ist, und ein halbrundes Zeltgebäude, in dem die Kontrollen stattfinden. Kaindl und seine Gruppe unterstützen hier die Bundespolizei bei den Grenzkontrollen.

Der Dienst an der Grenze

  • Die Organisation:

    Der Freistaat Bayern stellt der Bundespolizei seit Mitte Dezember 2016 eine Hundertschaft der Bayerischen Bereitschaftspolizei zur Unterstützung der Grenzkontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze zur Verfügung. Derzeit verrichtet die 4. Einsatzhundertschaft der Bayerischen Bereitschaftspolizei aus München ihren Dienst am Grenzübergang Kiefersfelden/Kufstein.

  • Die Schichten:

    Eingesetzt werden die Polizisten im Schichtdienst mit ihrer Gruppe. Sie besteht aus einem Gruppenführer und sieben Beamten aus der 4. Hundertschaft. Drei Tage am Stück haben die Polizisten Schichten von je acht Stunden, hinzukommen die An- und Abfahrt aus München, was etwa zwölf Stunden Arbeitszeit pro Tag entspricht. An der Grenze gibt es eine Schicht in der Früh, eine am Nachmittag und eine am Abend.

Beobachter an der Autobahn

Dazu werden je ein Beamter der Bundes- und der Bereitschaftspolizei entlang des Autobahnabschnitts vor dem Kontrollzelt positioniert. Diese Polizisten beobachten den Einreiseverkehr. Fällt ihnen ein Auto auf, das angeschaut werden soll, zeigen sie dem Fahrer an, dass er Schrittgeschwindigkeit fahren und in die Kontrollschleuse abbiegen soll. Dort beginnt die eigentliche Inspektion der Autofahrer: Die Polizisten überprüfen die Ausweise, die Autos oder die Ladung von Transportfahrzeugen, außerdem erfassen die Beamten diese Daten mit dem Computer.

Nicht bei jedem Kontrollvorgang landen Kaindl und seine Kollegen einen Volltreffer und können einen gesuchten Waffenhändler dingfest machen. Manchmal nimmt so eine Aktion auch eine andere Richtung. So wie die eines Kastenwagenfahrers, der eine Ladung mit Rollern und Fahrrädern geladen hatte. „Solche Fahrzeuge sind verdächtig, denn bei der Ladung könnte es sich um Diebesgut handeln, das über die Grenze geschafft werden soll“, sagt Kaindl. Deswegen haben die Beobachter ihn während Kaindls Einsatz auch in die Schleuse gelotst. „Diese Kontrolle hat ewig gedauert“, erinnert sich Kaindl an den Nachmittag, an dem er mit seinen Kollegen Fahrrad um Roller aus dem Transporter luden und inspizierten. Zu allem Überdruss begann es dann auch noch wie aus Kübeln zu schütten. Schließlich durfte der Mann, der die Kontrolle drei Stunden lang geduldig über sich ergehen ließ, mitsamt seiner Ladung weiterfahren. „Gute Fahrt“, wünschten ihm die Polizisten zum Abschied.

Eine Wagenladung voller Roller und Räder: Sie war verdächtig, letzen Endes aber in Ordnung.

Aber es gibt auch Schichten an der Grenze, die sich ganz schön hinziehen. Zum Beispiel manche der Nachtschichten. Dann kann es auch vorkommen, dass lange Zeit kein einziges Auto in die Kontrollschleuse gewunken wird, weil einfach nicht so viele Menschen unterwegs sind oder eben keine, deren Fahrzeuge einen verdächtigen Eindruck machen. Auch dann ist es ein Vorteil, dass die Polizisten bei diesen Arbeitseinsätzen niemals alleine unterwegs sind. So können sie sich die Zeit mit Scherzen oder Gesprächen vertreiben.

Kaindls Gruppenführer erklärt den Alltag bei den Einsätzen an der Grenze. Erfolge, wie die Verhaftung eines gesuchten Waffenhändlers, sind die Ausnahme. Manche der kontrollierten Personen dürfen nach dem Scannen ihrer Ausweise und einer kurzen Inspektion ihrer Fahrzeuge weiterfahren, manchmal beanstanden die Polizeibeamten auch die Sicherung der Ladung oder die Verkehrssicherheit der Fahrzeuge, wenn ihnen auffällt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Sie schauen nach, ob die Reifen passen, die Lichter funktionieren oder ob die Insassen auch angeschnallt sind.

Ohne Mampf kein Kampf

Kaindl mag die Einsätze an der Grenze, obwohl sie den Beamten auch einiges abverlangen. Immerhin sind sie dann nicht zu Hause, sondern für drei Tage in der Bundespolizeikaserne in Rosenheim untergebracht. Wenn so ein Drei-Tages-Block ansteht, sorgt Kaindl vor, dass der Kühlschrank nicht leer ist, wenn er wieder zurück in seine Wohnung kommt. Erwischt er eine Frühschicht, stellt er sich schon darauf ein, dass er seinen Dienst um vier Uhr morgens antreten muss, um rechtzeitig um 6 Uhr an der Grenze sein zu können. Der erste Tag ist für ihn der schlimmste. Am Abend davor legt Kaindl sich um 9 Uhr ins Bett und versucht, so viel wie möglich zu schlafen. Am letzten Tag der Frühschicht ist er dafür umso euphorischer und freut sich schon auf die freie Zeit nach dem Einsatz. Während der Schichten an der Grenze genießt er, dass er viel Zeit mit seinen Kollegen verbringen kann und natürlich das herrliche Alpenpanorama. Um eines braucht der junge Polizist sich dann keine Sorgen zu machen: um seine Verpflegung. Denn nach jeder Schicht gibt es ein warmes Essen in der Kaserne. Außerdem versorgen die Kantinenköche in Rosenheim die Polizisten mit ausgewogenen Lunchpaketen.

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