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Regensburg
Montag, 20. November 2017 5

Kultur

Stilles Dorfkino unter dem Sternenhimmel

Ab 17. Juli lockt ein außergewöhnliches Open-Air-Kino an das Donauufer beim Grieser Steg in Regensburg. Das Publikum bekommt Kopfhörer aufgesetzt.
Von Mathias Wagner, MZ

  • So wie hier in Bamberg soll auch am Grieser Steg eine Kinoleinwand unter Bäumen aufgebaut werden. . Foto: dpa
  • Medard Kammermeier und Neli Färber wollen den Kinogängern Kopfhörer aufsetzen. Foto: Wagner
  • Auf diesem Gelände soll das „Cinema Paradiso“ stattfinden. Foto: Wagner

Regensburg.Ben Stiller hat in „Das erstaunliche Leben des Walter Mitty“ so einige turbulente Aufgaben zu lösen. Doch während der Hauptdarsteller im diesjährigen Kino-Überraschungserfolg im Eiltempo durch die Welt reist, sich mit Haien, einem betrunkenen Hubschrauberpiloten und seinem arroganten Boss herumschlägt, ist vor der Leinwand nur das Zirpen von Grillen zu hören, und ein paar Studenten, die drüben am anderen Donauufer ihren Grill aufgestellt haben. Willkommen im Cinema Paradiso, dem stummen Kino unter dem Sternenhimmel.

Am südlichen Ende des Grieser Stegs, zwischen Schotterparkplatz und Donauauen, wollen Orphée-Wirt Neli Färber und Kinos-im-Andreasstadel-Impresario Medard Kammermeier ab kommender Woche ein außergewöhnliches Kinoerlebnis schaffen. Wo viele Regensburger sonst mit ihren Hunden spazieren gehen, wird vier Wochen lang Open-Air-Kino geboten – unter Bäumen und bestenfalls unter dem klaren Sternenhimmel. Da ein solches Vorhaben bei den als besonders lärmempfindlich bekannten Regensburgern gerne auf Widerstand stößt, wollen die beiden Veranstalter einen ganz besonderen Trick anwenden: Sie haben bei einer Münchner Firma 250 Kopfhörer gemietet, die an der Kinokasse gegen Pfand an die Besucher verteilt werden. Über die Kopfhörer – und zwar nur über sie – wird der Ton zum Bild übertragen.

„Baggerei“ um Genehmigung

„Open-Air-Kino muss dort möglich sein, wo sich die Leute im Sommer auch aufhalten – nämlich in der Stadt“, fordert Neli Färber. „Und Open-Air-Kino an schönen Plätzen war in Regensburg immer nur schlecht möglich.“ Für Färber und Kammermeier ist die kleine Wiese am Donauufer neben dem Grieser Steg der perfekte Ort für das „Cinema Paradiso“. Und die Stadtverwaltung hat sich von der Idee nach „einiger Baggerei“, so der Orphée-Wirt, auch überzeugen lassen. Der Lärmschutz ist durch die stille Übertragung auf Kopfhörer gewährleistet und damit den Besuchern auch kein Ast auf den Kopf fällt, kontrollierte ein Baumsteiger das umliegende Gehölz.

Mit dem „Cinema Paradiso“ wollen Färber und Kammermeier ein abgespecktes und kleines Open-Air-Kino schaffen – „nicht mit tausenden Gästen, nicht mit Mainstream“, gibt der Orphée-Wirt die Richtung vor. Die Lichtspielwiese soll eher einem kleinen italienischen Dorfkino gleichen. Da würde es ausreichen, ein weißes Laken auf einer Wäscheleine zu bespielen, davor ein paar Stühle aufzustellen und Wein auszuschenken. Doch im „Cinema Paradiso“ wird es komfortabler zugehen. Färbers Orphée- und Bodega-Team wird die Bewirtung übernehmen, Kammermeier hat ein exzellentes Programm ausgewählt – mit Filmklassikern und aktuellen Streifen, mit humorvollen, pompösen, musikalischen, dramatischen und auch mal schaurig-schrägen Inhalten.

Wirt und Kino müssen rausgehen

Beide freuen sich auf das Experiment, das bei einem Erfolg im kommenden Jahr fortgesetzt werden soll. Denn: „Wenn es im Sommer heiß ist, stellt der Wirt seine Stühle raus. Und da soll doch auch der Kinobetreiber nach draußen gehen“, meint Neli Färber.

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