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Gesundheit

Sucht im Alter ist kein Tabuthema mehr

Ein dreijähriges Pilotprojekt des Diözesan-Caritasverbands Regensburg schmiedete Ärzte, Pflegekräfte und Angehörige zusammen.

Übermedikation und Alkohol bergen gerade im Alter ein hohes Suchtpotenzial. Die Caritas kämpft dagegen an. Foto: dpa

Regensburg.Das Suchtpotenzial im Alter ist hoch, alleine wegen der höheren Krankheitslast des Alters. Deshalb führte der Diözesan-Caritasverband Regensburg ein dreijähriges Projekt „Lebensqualität im Alter“ durch. Angesiedelt wurde es an seiner Fachambulanz für Suchtprobleme in Regensburg. Die Projektleitung wurde Sozialpädagogin und Suchtexpertin Monika Gerhardinger übertragen.

Bier gehört für viele zum Alltag

An der Pilotphase nahmen zwei Alten- und Pflegeheime und zwei ambulante Pflegedienste teil. Hauptverantwortlich für die Umsetzung vor Ort waren die Pflegedienstleitungen, die durch die Referentinnen für Qualitätsmanagement in der ambulanten bzw. stationären Pflege, Anita Kerscher und Roswitha Maria Straßer, begleitet wurden.

Die Problematik von Alkoholsucht und Übermedikation im Alter anzugehen, ist vor allem aus zwei Gründen komplex: Erstens: Das Thema Sucht ist ein Tabuthema. Gleichzeitig gehört der regelmäßige Bierkonsum gerade in Bayern für viele zum Alltag und wird nicht als Suchtmittel gesehen. Zweitens: Verantwortlich für die Medikation ist der verschreibende Arzt. Mit diesem gilt es, ein von Kompetenz und Vertrauen geprägtes Verhältnis aufzubauen. In der Umsetzung des Projekts spielten Schulungen in der Einrichtung eine zentrale Rolle. Neben Wissensvermittlung stand dabei vor allem eines im Vordergrund: die Sensibilisierung für den Umgang mit betroffenen Pflegebedürftigen, deren Angehörigen und die Kooperation mit den behandelnden Ärzten. Es galt, ältere Menschen mit Sucht- und Abhängigkeitsproblemen sowie mit Übermedikation stärker in den Blick zu nehmen. Die durch die Medikamentengabe verursachten Neben- und Wechselwirkungen werden zudem bei zusätzlichem Alkoholkonsum unkontrollierbar verstärkt.

Fazit: Es gibt nur Gewinner

Es zeigte sich, dass die Thematik im häuslichen Bereich mindestens so relevant ist wie im stationären Umfeld. Petra Pöpel-Gajeck, Leiterin des ambulanten Pflegedienstes in Sinzing, hat dazu ein Beispiel: „Wir betreuten einen Mann, der sehr unruhig war. In seinen eigenen vier Wänden konnte er seine Ruhelosigkeit nicht ausleben, er belastete damit sich und seine Angehörigen. Auf den ersten Blick halfen Beruhigungsmittel. Diese führten aber zu einem apathischen Zustand. Das wollte niemand, am wenigsten er selbst. So kam er ins Marienheim, ein Regensburger Caritas-Alten- und Pflegeheim. Dort kann er nun mit einer bedarfsgerechten Medikation fast ohne Beruhigungsmittel seinen Bewegungsdrang ausleben. Er ist wieder ein glücklicher Mensch.“

Drei Jahre lang wurde das Modellprojekt vom Bezirk Oberpfalz finanziert. Das Fazit nach der Projektlaufzeit: Es gibt nur Gewinner. Das Thema wird weiter an Bedeutung gewinnen. Deshalb hat der Bezirk auch die dauerhafte Finanzierung dieses Angebots zugesagt. Ein positiver Nebeneffekt ist die stärkere interne Vernetzung der beiden Caritas-Bereiche Sucht- und Altenhilfe.

Pilotprojekt

  • Das Team:

    Sie waren die Vorreiter (v.l.n.r.): Maria Weidinger (Pflegedienstleitung, St. Konrad und St. Georg Schwabelweis), Monika Finken (Pflegedienstleitung, Friedheim), Roswitha Maria Straßer (Qualitätsbeauftragte stationär), Monika Gerhardinger (Projektleiterin), Klaus Schwer (ehrenamtlicher Helfer) und Petra Pöpel-Gajeck (Ambulante Krankenpflege Sinzing). (Foto: Kutz/Burcom Regensburg)

  • Beratung:

    Seit mehr als 85 Jahren ist die Suchthilfe der Caritas in der Diözese Regensburg tätig. Mittlerweile gibt es ein flächendeckendes Beratungs- und Behandlungsangebot. Die Beratung ist für alle offen, unabhängig von Herkunft, Konfession oder Problemlage – für Betroffene wie für Angehörige.

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