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Regensburg
Mittwoch, 22. November 2017 10° 3

Richtfest

Synagogenbau von nationaler Bedeutung

Deutschland blickt nach Regensburg. Das neue Gotteshaus feierte Richtfest – als Premium-Projekt der Städtebauförderung.
Von Helmut Wanner, MZ

„Wer dieser Synagoge sein Leben freudig weiht“: Polier Diemo Scheibe bringt auf dem Dach der Synagoge den Richtspruch aus. Fotos: Tino Lex

Regensburg.Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dr. Josef Schuster, Würzburg, war zum Richtfest gekommen, um ein Bouquet an Komplimenten abzulegen: Vor Ilse Danziger und vor Regensburg. Die Donaumetropole verfolge er als Würzburger seit Jahrzehnten aus 200 Kilometer Distanz. Lange sei die Stadt nicht auf der Hauptachse der öffentlichen Wahrnehmung gelegen. Nun habe sie sich gemausert. „Die Bedeutung der Stadt ist herausragend.“ Und da passe die neue Synagoge hinein. „Neidvoll blicke ich auf den Förderverein Regensburger Bürger, der 15 Prozent der Baukosten aus Spenden aufgebracht hat.“ Die gesammelten 750 000 Euro wertete er als herausragendes Bürgerengagement.

Auf eine friedliche Zukunft

Über 300 Spitzen der Gesellschaft drängten sich beim Richtfest der neuen Synagoge. Architekt Volker Staab, Berlin, machte beim Blick auf den übervollen Gemeindesaal die Bemerkung: „Kaum ist der Rohbau fertig, ist das Haus schon zu klein.“ Sein Büro hatte die Aufgabe, auf kleinstem Raum ein Bauvolumen unterzubringen, das Platz schafft für das soziale und geistige Leben einer 1000-köpfigen jüdischen Gemeinde.

Projekt nationaler Bedeutung

Der Bau ist laut Staab „ziemlich im Zeitplan“. So wird man sich im Februar 2019, am 500. Jahrestag der Auflösung des Regensburger Ghettos, zur Eröffnung wiedersehen. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger, begrüßte die Gäste. „Im Vertrauen auf eine friedliche Zukunft der Stadt“, wünschte sie dem Neubau viel Glück.

Architektonisch deutlich sichtbar

MdB Florian Pronold (SPD) hatte noch als Bau-Staatssekretär die Regensburger Synagoge zum nationalen Projekt der Städtebauförderung erklärt. Die 3,3 Millionen Euro des Bundes decken den Hauptteil der Baukosten. „Wir investieren hier nicht in Beton, sondern in das Zusammenleben der Menschen“, stellte Pronold die Bedeutung der Synagoge heraus. Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer sprach angesichts der wechselvollen Geschichte der Juden in Regensburg, mit zwei Pogromen 1519 und 1938, ein „Nie wieder!“ aus. Sie dankte dem Regensburger Stadtrat für die einstimmige Entscheidung, Mittel zum Bau der Synagoge bereitzustellen. Der 25. Oktober 2017 sei ein Tag von historischer Bedeutung: Architektonisch deutlich sichtbar, findet im Herzen der Stadt wieder jüdisches Leben statt.

Regierungspräsident Axel Bartelt nennt die „übervolle Synagoge ein starkes Zeichen“. Es sei überfällig gewesen, diese 80 Jahre schwärende Wunde der Stadt zu schließen. Bayern trägt dazu 1,2 Millionen Euro bei.

Kilian (13) und Konstantin Klin (11), Bundessieger „Jugend musiziert“, umrahmten die Feier mit Variationen über ein jüdisches Volkslied.

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