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Regensburg
Sonntag, 24. September 2017 20° 3

Wettbewerb

Texte im Rekordtempo korrigieren

Regensburger nahmen an Weltmeisterschaft im Stenografieren und Textverarbeiten teil. Echtes „Steno“ spielt kaum mehr Rolle.
Von Gabi Hueber-Lutz, MZ

Das klassische Stenografieren kommt bei der Weltmeisterschaft nur in einer Disziplin vor. Foto: dpa

Regensburg.Weltmeisterschaften gibt es viele. Die meisten finden im sportlichen Bereich statt. Eine Weltmeisterschaft im Stenografieren und Textverarbeiten kennen sicher die Wenigsten. Dieses Jahr hat sie in Berlin stattgefunden, und auch ein Regensburger Team war mit dabei.

Genaugenommen geht es bei diesen Weltmeisterschaften nur mehr in einer Disziplin um die klassische Kurzschrift. Die anderen Disziplinen finden alle am Computer statt. Der Regensburger Stenografenverein um Vorsitzende Sabrina Weitzer punktet immer wieder mit guten Ergebnissen auf bayerischen und deutschen Meisterschaften. Vorderste Plätze gab es für die fünf Regensburger Teilnehmer bei der WM zwar nicht. Aber bei knapp 500 Teilnehmern aus insgesamt 26 Nationen waren Platzierungen unter den besten zehn Prozent ein großer Erfolg.

Ein Foto mit dem verkleideten Teilnehmer aus den USA wollten sich die jungen Regensburger nicht entgehen lassen. Foto: Stenografenverein

Und ganz sportlich galt auch bei diesen Weltmeisterschaften der Satz: „Dabeisein ist alles!“ Denn die Wettbewerbe selbst sind die eine Sache. Eine andere Sache ist das Ambiente. Allesamt waren sie beeindruckt von der Eröffnungsfeier, als sämtliche Fahnen im Delphi-Film-Palast wehten und jede Delegation die Teilnehmer in ihrer Landessprache begrüßte. „Das ist faszinierend, weil man nichts versteht“, schmunzelt Sabrina Weitzer. Auch die jeweiligen Hymnen wurden gespielt. Ein feierlicher Moment. Am besten hat der Vereinsvorsitzenden aber gefallen, wie beeindruckt die jungen Leute von dem ganzen Prozedere waren. „Das war das Schönste an der WM!“

Konzentrierte Arbeit auf engem Raum Foto: Stenografenverein

Sehr oft werden die Regensburger solche Veranstaltungen nicht besuchen können. Zwar muss man sich dafür nicht qualifizieren, aber eine kostspielige Angelegenheit ist so eine Reise natürlich schon, denn die Austragungsorte sind über die halbe Welt verstreut. Auch in Peking fand schon eine WM statt. Im nächsten Jahr geht es nach Sardinien. Etliche Teilnehmer kamen von weit her nach Berlin. Sabrina Weitzer traf eine Frau aus China, und freute sich, mit ihr ein wenig ins Gespräch zu kommen. Mit Englisch kam man immer weiter.

Ein Besuch am Brandenburger Tor gehörte für die Regensburger Delegation selbstverständlich dazu. Foto: Stenografenverein

Selbstverständlich waren die Geräte, die die deutsche und die chinesische Frau nutzten, unterschiedlich. Die Deutschen schrieben auf einer Standard-Tastatur, die Chinesen auf einer Stenografiemaschine, weil sie ja Schriftzeichen eintippen müssen. Da gab es dann auch zwei unterschiedliche Wertungen, denn das ist nicht zu vergleichen.

Ein erhebender Anblick: Die Flaggen sämtlicher Teilnehmer wehten. Foto: Stenografenverein

Weitzer belegte in der Disziplin „Textcorrection“ einen 14. Platz. Sie hatte es geschafft, in einem vorgegebenen Text innerhalb einer bestimmten Zeit 114 Korrekturen anzubringen. „Das geht alles mit Shortcuts oder mit eingespeicherten Makros, die mehrere Arbeitsschritte in einem zusammenfassen.“ Je weniger man dabei auf die Tastatur schauen muss, umso besser.

Die Mannschaft aus Regensburg: Dolores Kirsch, Sara Mertl, Michael Pörner, Walburga Daum und Sabrina Weitzer (von links) Foto: Stenografenverein

Beim Steno-Wettbewerb haben die Regensburger nicht mitgemacht. „Das geht nur, wenn man in der Meisterklasse schreibt“, weiß Sabrina Weitzer. Sie selbst wäre in der Regensburger Mannschaft sowieso die einzige gewesen, die Steno beherrscht. „Die Kids lernen das heute nicht mehr!“ Schade, denn wenn man richtig gut stenografieren kann, stehen viele Türen offen: „Gute Stenografen werden händeringend gesucht, zum Beispiel bei Gericht, im Landtag oder im Bundestag.“

Die Zeiten ändern sich und die jungen Mitglieder des Regensburger Teams erreichten gute Ergebnisse in anderen Disziplinen. So belegte Sara Mertl einen 11. Platz bei der „Text Correction Jugendliche“ und Dolores Kirsch den 17. Platz in der gleichen Disziplin. Michael Pörner wurde 35.

Einige Disziplinen

Professional Word Processing: In 75 Minuten müssen möglichst viele Aufgaben bei der Erstellung eines Serienbriefs erledigt werden.

Text Production: In 30 Minuten müssen so viele Anschläge wie möglich geschrieben werden. Pro Fehler werden 100 Anschläge abgezogen.

Text Correction: Innerhalb von zehn Minuten müssen die Teilnehmer an einem Text mithilfe von Tastenkombinationen und Makros möglichst viele Korrekturen vornehmen.

Note taking and Reporting: Mithilfe einer Audio-Datei wird ein Text per Tastatur oder Stenogramm erfasst.

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