mz_logo

Regensburg
Samstag, 16. Dezember 2017 10

Verkehr

Tram-Fans präsentieren neue Vision

Die Regensburger Interessengemeinschaft, die den Beiwagen restauriert, fordert jetzt: Der Zug soll in der Innenstadt fahren.
Von Julia Ried, MZ

Die Interessengemeinschaft Historische Straßenbahn möchte den Triebwagen auf der Straße sehen. Diese Montage soll zeigen, welche Möglichkeiten sie für eine zukünftige Gestaltung des Bahnhofvorplatzes sieht – inklusive einer Überbauung der Bahnsteige.Gestaltungsverwurf: LTE Heidelberg

Regensburg.Seit diesem Sommer ist die historische Straßenbahn von ihrem Stammplatz auf dem Gelände der Verkehrsbetriebe in der Markomannenstraße verschwunden. Trieb- und Beiwagen wurden in eine Halle an der Dieselstraße geschleppt, wo in diesen Tagen die Sanierung des Triebwagens beginnt – für die Interessengemeinschaft Historische Straßenbahn ein großer Erfolg. Doch sie verfolgt schon neue Pläne: Sie will die Bahn, die zuletzt am 1. August 1964 in der Domstadt unterwegs war, wieder auf den Regensburger Straßen und Plätzen zum Einsatz bringen. Nachdem Ende 2015 der Plan gescheitert ist, den Zug an der Donaulände fahren zu lassen, hat sie nun ein neues Finanzierungs- und Nutzungskonzept erarbeitet.

In drei Jahren engagierter Arbeit ist es dem 2014 gegründeten Verein gelungen, 50 000 Euro Spenden für die Restaurierung des Beiwagens zu sammeln. 50 000 Euro steuert die Stadt bei. Die Sanierung des Triebwagens wäre mit Kosten von 300 000 Euro für die fahrfähige Variante noch teurer und ist deshalb aus Sicht des IG-Vorsitzenden Jan Maschek auf diese Art und Weise kaum zu finanzieren.

IG will Investoren gewinnen

Der Verein schlug deshalb in einem Brief an Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und an die Fraktionen im Stadtrat vor, „den historischen Straßenbahnzug als erlebbares Denkmal zu entwickeln und gewinnbringend als ,Alleinstellungsmerkmal‘ im Sinne des Tourismus der Stadt Regensburg einzusetzen“. Für die Verwirklichung eines in dieser Form bislang bundesweit einzigartigen Projektes ließen sich anstelle von Sponsoren dann Investoren gewinnen.

Für seinen möglichen Einsatz im Stadtverkehr hat das von der IG beauftragte Heidelberger Planungsbüro LTE zwei Szenarien entwickelt. „Sofern es in Regensburg zu einer Wiedereinführung der Straßenbahn kommt, ist es wirtschaftlich naheliegend, auch die Museumsbahn auf denselben Gleisen durch die Innenstadt verkehren zu lassen“, heißt es in dem Konzept. In diesem Szenario würden die Wagen der Museumslinie aus einer Wendeschleife am Hauptbahnhof in die „ÖPNV-Achse“ einschwenken und am Schwanenplatz in einer Umfahrung um das Kolpinghaus umkehren. Alternativ schlägt die IG eine autonome Museumsbahnstrecke vor. „Sofern für Regensburg ein innerstädtisches Schienenverkehrssystem langfristig ausgeschlossen wird, bestünde die reizvolle Möglichkeit, die Nostalgiebahn direkt über die Maximilianstraße zu führen und damit zugleich die Fußgängerachse der Stadt zentral zu erschließen.“

Planungsreferentin ist aufgeschlossen

Eine solche separate Museumsbahn können sich weder Planungsreferentin Christine Schimpfermann noch die Verantwortlichen der Regensburger Verkehrsbetriebe (RVB) vorstellen. Die Verlegung von Gleisen allein dafür sei sehr kostspielig, zusätzlich wäre die Bahn eine Konkurrenz für den Altstadt-Elektrobus, teilt Schimpfermann mit. Doch mit der Idee, dass eine historische Straßenbahn die Trasse einer Stadtbahn – sofern Regensburg eine bekommt – außerhalb des Tagesverkehrs mit seiner dichten Taktung mitnutzt, kann sich die Referentin durchaus anfreunden. „Ich fände es schon ganz schön, wenn die irgendwann mal fahren könnte“, sagt sie über die historische Straßenbahn. RVB-Sprecher Martin Gottschalk teilt mit: „Sofern eine Entscheidung für den Bau einer sogenannten Stadtbahn getroffen wird, wäre es durchaus denkbar, dass die historischen Wägen hier zu besonderen Aktionen eingesetzt werden.“

Über die Frage, ob in Zukunft eine Stadtbahn in Regensburg verkehrt, berät der Stadtrat im Oktober. Dann liegen die Ergebnisse der Studie dazu vor. Eine „Bürgerdiskussion“ soll folgen.

Die historische Straßenbahn

  • In Regensburg:

    Die Regensburger Straßenbahn nahm der Interessengemeinschaft Historische Straßenbahn zufolge 1903 ihren Fahrbetrieb mit zwei Linien auf, die vor allem in der heutigen Innenstadt verliefen. Bis in die 1930er-Jahre wurde das Netz schrittweise erweitert, bis nach Kumpfmühl, Prüfening und in den Regensburger Osten. Am 1. August 1964 verkehrte die Straßenbahn zum bisher letzten Mal in Regensburg, auf der Linie 1 Prüfening-Pürkelgut.

  • In Darmstadt und wieder zurück:

    Die modernsten Regensburger Wagen wurden nach Darmstadt abgegeben, wo sie noch längere Zeit eingesetzt wurden. Von dort kam ein Straßenbahnzug Anfang der 1990er-Jahre zurück nach Regensburg, wo er bis zu diesem Sommer im Busbetriebshof stand.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht