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Regensburg
Dienstag, 21. November 2017 7

Kriminalität

Trickanrufer ärgern die Kripo

Innerhalb weniger Tage meldeten sich vier Regensburger bei der Polizei, weil sie Betrügern Geld übergeben sollten.
Von Heike Haala, MZ

Derzeit mehren sich Anrufe von Trickbetrügern im Regensburger Stadtgebiet. Die Polizei warnt vor dieser Masche. Foto: dpa

Regensburg.Regensburger, die in diesen Tagen Anrufe von angeblichen Verwandten erhalten und diesen Geld übergeben sollen, tun gut daran, misstrauisch zu werden. Denn innerhalb einer Woche meldeten sich kürzlich vier Personen bei der Polizei, die eine solche Aufforderung am Telefon ereilte. Die warnt jetzt: Es könnte sich dabei um Trickbetrüger handeln, die nur darauf aus sind, dass ihnen vertrauensselige Menschen ihr Geld und ihre Wertsachen übergeben.

Das Perfide an der Masche: Die Anrufer sind gewieft und machen großen Druck. So melden sie sich nicht mit ihrem Namen am Telefon, sondern fragen etwa: „Hallo, weißt du wer dran ist?“. Wenn der Angerufene dann einen Namen nennt, schlüpfen die Betrüger in die Rolle des genannten Verwandten und verwickeln ihre Opfer in ein Gespräch, während dem sie schnell auch auf eine finanzielle Notlage zu sprechen kommen. Die Opfer sollen Geld oder Wertsachen an einen Boten übergeben. Um glaubwürdig zu erscheinen, fingieren die Täter auch Anrufe von vermeintlichen Notaren oder Anwälten.

Bankangestellter roch den Braten

Brück ist heilfroh, dass es während der aktuellen Welle noch zu keiner Geldübergabe gekommen ist. In einem Fall warnte ein aufmerksamer Bankangestellter das Opfer eines solchen Anrufs, das gerade den Geldbetrag abheben wollte und konnte die Übergabe auf diese Weise verhindern.

Die Mitarbeiter von Banken werden inzwischen für dieses Thema sensibilisiert. Elke Pitzl, Pressesprecherin der Regensburger Sparkasse, bestätigt: Die Mitarbeiter am Schalter werden geschult, um solchen Betrugsmaschen vorzubeugen.

Zudem gibt die Sparkasse Warnmeldungen von Bankenverbänden oder der Polizei an ihre Kunden weiter. Zugute kommt den Mitarbeitern der Kundenkontakt. Sie kennen die Kunden schon seit langem und auch die Art und Weise, wie sie Bankgeschäfte abwickeln. Wenn ihnen ungewöhnliches Verhalten auffällt – etwa mehrere hohe Beträge, die innerhalb kurzer Zeit abgehoben werden – fragen die Mitarbeiter am Schalter nach und weisen die Kunden darauf hin, dass es so etwas wie den Enkeltrick gibt. So geht auch die Hypo-Vereinsbank vor.

Die VArianten der Trickanrufe

  • Enkeltrick:

    Aktuell kommt es im Regensburger Stadtgebiet vermehrt zu Anrufen von Betrügern, die in die Rollen von Verwandten schlüpfen. Im Laufe des Gesprächs erwähnen sie eine finanzielle Notlage. Die Angerufenen sollen ihnen Geld übergeben. (Fotos: dpa)

  • Schockanruf:

    Es gibt auch noch eine schärfere Variante des Enkeltricks. In diesen Fällen geben sich die Anrufer als Verwandte aus, die um Geld für eine Kaution bitten, weil sie etwa nach einem Unfall in Vorwürfe verstrickt sind und sich selbst nicht helfen können.

  • Gewinnbenachrichtigung:

    Andere Betrüger geben vor, der Angerufene hat einen hohen Geldbetrag gewonnen. Für den Transport des Bargelds werde aber eine Gebühr fällig, die die vermeintlichen Gewinner möglichst schnell an einen Mittelmann übergeben sollen.

  • Gutscheincodes:

    In einer Variante des Gewinnanrufs verlangen die Anrufer von ihren Opfern, dass sie Gutscheine etwa von Versandhäusern kaufen und den Code dafür telefonisch übermitteln. Auf diese Weise könnten sie die Transfergebühr für das Geld bezahlen.

  • Falsche Polizeibeamte:

    Andere Betrüger lassen die Nummer 110 beim angerufenen Anzeigen und geben sich als Polizisten aus, die über Einbrüche in der Nachbarschaft berichten. Die Angerufenen sollen den vermeintlichen Helfern ihre Wertsachen übergeben. (la)

Trotz all dieses Engagements geht Brück davon aus, dass es noch mehr Fälle in Regensburg gibt, als gerade bekannt sind. So könnten sich nicht alle Betroffenen bei der Polizei gemeldet haben. Auch könnte es sein, dass sich Opfer nicht bei der Polizei melden, weil sie sich zu sehr dafür schämen, Gaunern ihr Bares überlassen zu haben. All diese Menschen sollen sich aber dringend bei der Polizei melden.

Die geht im Moment davon aus, dass es sich bei diesen Fällen um organisierte Kriminalität handelt. Die Anrufe werden von regelrechten Call-Centern, etwas aus der Türkei, getätigt, gibt die Kriminalpolizei Auskunft. Die Anrufer wälzen Telefonbücher und suchen dabei gezielt nach älter klingenden Namen. Ihre Hoffnung: So geraten sie an Senioren, die sie schneller überreden können. Die Betrüger können auch falsche Telefonnummern am Display des Angerufenen erzeugen, um glaubwürdiger zu erscheinen. Auf diese Weise fingieren sie auch Anrufe von der „110“. Dann melden sich vermeintliche Polizisten, die Bargeld und Wertsachen an sich nehmen wollen, um das Opfer vor angeblichen Einbrüchen in der näheren Umgebung zu schützen. Neben dem Anrufer selbst sind bei solchen Anrufer-Maschen stets weitere Personen zugange. Sie sind vor Ort. Die Betrüger brauchen neben dem Anrufer einen Fahrer, einen Boten und einen weiteren Anrufer, der das Opfer zurückruft und in verschiedenen Rollen – etwa der des Anwalts oder des Notars – Druck macht.

Polizei setzt auf Prävention

Die Ermittlungen der Polizei laufen derzeit auf Hochtouren, sie hat aber noch keine heiße Spur. In diesen Fällen kommt erschwerend hinzu, dass die Beamten im Ausland ermitteln müssen. Dazu ist die Rechtshilfe der Staatsanwaltschaft nötig.

Deswegen bittet Brück alle Personen, die ein solcher Anruf erreicht, schnellstmöglich die Polizei zu verständigen. Auch unter der 110. Auf keinen Fall sollen sich die Angerufenen unter Druck setzen lassen und Geld oder Wertsachen übergeben. Da laut Kripo jährlich bundesweit Beträge im drei bis vierstelligen Millionenbereich auf diese Weise ergaunert werden setzt die Polizei zudem auf Prävention. Neben der Zusammenarbeit in Geldinstituten, informieren die Beamten auch gezielt Bewohner von Seniorenheimen.

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