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Regensburg
Freitag, 24. November 2017 13° 3

Ökologie

Umweltzone kommt im Winter

Der Plan für bessere Luft beschränkt die Einfahrt in die Regensburger Altstadt. Viel bringt das nicht, sagen Naturschützer.
Von Julia Ried, MZ

Autofahrer dürfen voraussichtlich ab Anfang nächsten Jahres nur mit grüner Plakette in die Innenstadt fahren. Foto: Gruber

Regensburg.Städte wie Augsburg und München setzen schon seit Jahren auf Umweltzonen, um die Luftverschmutzung zu reduzieren. Regensburg entschied sich 2015 dafür, für Herbst 2017 war die Einführung zuletzt angekündigt. Nun ist klar: Die entsprechenden Schilder am Rand der Innenstadt werden voraussichtlich erst Anfang 2018 stehen. Sie werden nur Fahrzeugen mit grüner Plakette die Einfahrt erlauben.

Die Umweltzone ist eine von mehreren Maßnahmen für eine bessere Luft in der Neuauflage des Luftreinhalteplans. Die Bezirksregierung ist verpflichtet, diesen zu aktualisieren. Denn in Regensburg werden regelmäßig Grenzwerte für Schadstoffe überschritten. Der neue Plan werde im Herbst in Kraft treten, hatte es im Frühjahr geheißen. Jetzt teilt Regierungssprecher Markus Roth auf Anfrage unseres Medienhauses mit, „voraussichtlich im November“ werde es soweit sein. Die Stadt benötigt dann mehrere Wochen, um die Umweltzone zu installieren. „Wenn man es realistisch sieht, ist man im neuen Jahr“, erklärt Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra.

Regierungssprecher Markus Roth erläutert: „Aufgrund der zahlreichen und qualitativ hochwertigen Anmerkungen aus der Öffentlichkeitsbeteiligung, die geprüft, bewertet und auch eingearbeitet wurden, ist die Schlussabstimmung mit der Stadt Regensburg erst jetzt möglich.“ Etwa 25 Anregungen seien eingegangen, von Privatpersonen und fünf Verbänden. Sie wünschten sich etwa den weiteren Ausbau des Car-Sharings und zusätzliche Maßnahmen zur Förderung der Elektromobilität und des öffentlichen Nahverkehrs. „Solche Vorschläge sind in diesen Entwurf mit eingearbeitet worden“, sagt Roth.

Beschränkt auf Innenstadt

Die Umweltzone allerdings kommt in der schon bisher geplanten Form. Sie umfasst die Innenstadt ohne Stadtamhof, vom Bahnhof im Süden bis zur Donau im Norden, vom Stadtpark im Westen bis zum Ostentor am östlichen Rand der Altstadt.

Der Bund Naturschutz sagt: Damit werde sie viel zu klein sein. Kreisgruppen-Geschäftsführerin Tina Dorner sagt: „Wir sind schon enttäuscht. Wir hätten erwartet, dass man die Vorschläge vom Bund Naturschutz aufgreift.“ Der BN sei „nach wie vor der Überzeugung, dass man die Umweltzone größer machen muss, um überhaupt spürbare Erfolge zu haben“. Die großen Ausfallstraßen wie die Franken- und die Friedensstraße hätten die Behörden unbedingt einbeziehen müssen, sagt Dorner – gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über manipulierte Abgaswerte von Dieselfahrzeugen und sauberere Luft in Städten. „Die Luftqualität ist nicht nur entscheidend für die Lebensqualität, sondern auch für die Lebensdauer.“ Einem TÜV-Gutachten zufolge werden mit der Einführung Umweltzone in den untersuchten Altstadtstraßen die Stickstoffdioxid-Werte um bis zu 3,2 Prozent sinken und die Feintaubbelastung um bis zu 1,9 Prozent – mögliche Ausnahmegenehmigungen nicht berücksichtigt.

Hier sehen Sie den Umgriff der künftigen Umweltzone

Die große Mehrheit der Fahrzeuge in Regensburg hat nach Angaben der Zulassungsstelle eine grüne Plakette: 4926 Lkw erfüllen die Euronorm 4, 703 tun das nicht. 74 834 Pkw mit grüner Plakette sind in der Stadt zugelassen und 3012 ohne. Unter den Fahrzeugen, die nicht in die Umweltzone einfahren dürfen, sind der Einschätzung von Industrie- und Handelskammer (IHK) und Handwerkskammer (HWK) zufolge viele von Betrieben. Die Kammern stehen der Umweltzone skeptisch gegenüber, trommeln für möglichst weitreichende Ausnahmeregelungen.

Unternehmer Friedrich Riedl, Inhaber und Geschäftsführer eines Sanitär-, Heizungs- und Lüftungsbetriebs in Burgweinting, erzählt: „Es ist für uns extrem schwierig.“ Seine Firma mit 95 Mitarbeitern nutzt 22 Diesel-Busse, nur die Hälfte habe die grüne Plakette. Sie so einzuteilen, dass nur die Fahrzeuge mit Euronorm 4 in die Innenstadt fahren, werde problematisch. „Es wird sich vielleicht auf den Preis niederschlagen und auch auf die Servicequalität, etwa auf die Wartezeit“, kündigt Riedl an.

Fahrzeuge werden lange genutzt

Handwerksbetriebe seien von der Maßnahme besonders betroffen, sagt HWK-Sprecherin Kathrin Steidl. Ihre leichten Nutzfahrzeuge seien „in der Regel dieselbetrieben, häufig nur mit relativ geringer jährlicher Fahrleistung und folglich langer Lebensdauer“. Dr. Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Regensburg, teilt mit, die IHK erwarte, „dass für Lieferfahrzeuge, Dienstleister und Handwerker-Fahrzeuge, die noch keine grüne Plakette haben, begründete Ausnahmegenehmigungen unbürokratisch erteilt werden“.

Dem Beschluss des Stadtrats zufolge sind kostenpflichtige Ausnahmen für Anwohner und Firmen mit Sitz in der Umweltzone sowie für „Fahrten zur Versorgung der Bevölkerung mit lebenswichtigen Gütern und Dienstleistungen oder zur Wahrnehmung überwiegender und unaufschiebbarer Einzelinteressen“ möglich.

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