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Regensburg
Donnerstag, 14. Dezember 2017 4

Brunftzeit

Unfall: Hirsch war im Liebeswahn

Das Rotwild ist in der Natur um Regensburg nicht heimisch. Über die A 3 rannte das Tier wohl auf der Suche nach einem Harem.
Von Julia Ried, MZ

Rothirsche meiden Großstädte in der Regel. In Regensburg lief nun einer über die Autobahn. Foto: dpa

Regensburg.Für den 35 Jahre alten Autofahrer, der in der Nacht zum Mittwoch auf der A 3 in Regensburg Richtung Norden unterwegs war, war die Begegnung mit dem stattlichen Rothirschen auf der Durchreise sicher ein Riesenschock. Der Mann und sein Beifahrer (22) hatten großes Glück und wurden nur leicht verletzt. Experten sagen: Begegnungen mit solchen Tieren sind eine absolute Ausnahme in der Region. Freilebendes Rotwild ist in und um Regensburg nicht heimisch und überhaupt scheu. Für plausibel halten die Fachleute, dass es den Hirsch aus dem Gebiet um den Truppenübungsplatz Hohenfels nach Regensburg verschlagen hat – auf der Suche nach Partnerinnen.

Hier ereignete sich der Unfall.

Das Tier verursachte gegen 23 Uhr auf der A 3 in Regensburg, etwa 400 Meter östlich der Kreuzung mit der B 15, einen Verkehrsunfall. Zuerst wurde es von einem Auto erfasst, dann von einem Sattelzug, wie wir bereits berichteten. Die mindestens 150 Kilogramm schwere Leiche des „kapitalen Exemplars“, so bezeichnet Christian Unzner von der Autobahndirektion Südbayern das Tier, brachte die Autobahnmeisterei in die Tierkörperbeseitigungsanlage nach Plattling.

Jäger traute seinen Ohren nicht

Die Verkehrspolizei informierte auch den zuständigen Jagdpächter Johann Neumeyer von dem Wildunfall. „Ich hab es nicht geglaubt, dass es ein Hirsch ist“, erzählt er von seiner ersten Reaktion. Schließlich kommen Rothirsche in der Region in freier Natur nicht vor. Sie gehören – anders als etwa Füchse, Marder und Kaninchen – nicht zu den „Kulturfolgern“, die es zunehmend auch in dicht besiedelte Gebiete zieht, sondern scheuen die Lichter der Großstadt. Nur an einen Fall kann sich der erfahrene Jäger erinnern: Vor 15, 20 Jahren sei auf Höhe Ziegetsdorf schon einmal ein Hirsch über die Autobahn gerannt. „Sehr ungewöhnlich“ nennt er deshalb den Zusammenstoß jetzt.

Der Unfall

  • Der Unfallhergang:

    Ein Hirsch lief am Dienstag gegen 23 Uhr aus südlicher Richtung bei der Ausfahrt Regensburg-Ost über beide Fahrbahnen der A 3.

  • Die Folgen:

    Ein Citroën und ein Sattelzug kollidierten mit dem Tier. Der Autofahrer und sein Beifahrer wurden leicht verletzt. Die beiden Fahrzeuge wurden abgeschleppt. Der Sachschaden liegt bei circa 10 000 Euro.

Der Truppenübungsplatz Hohenfels im Landkreis Neumarkt, wo eine größere Hirschpopulation lebt, ist vom Regensburger Osten etwa 45 Kilometer weit entfernt. Dass ein Tier so weit wandert, lässt sich mit der Mitte September beginnenden Brunftzeit erklären. „Die schwächeren Hirsche werden von den stärkeren vertrieben“, erläutert Neumeyer. Die unterlegenen männlichen Tiere ziehen aus, um woanders Kühe zu finden. „Der Hirsch hat ein Rudel und das hält er zusammen“, sagt Neumeyer.

Mehrere Wildgehege im Landkreis

Für möglich halten Experten auch, dass der Hirsch aus einem Gehege ausgebrochen ist. Ein solcher Vorfall in den vergangenen Tagen ist allerdings weder der in der Sache ermittelnden Verkehrspolizei bekannt, noch Frank Karl von der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt. Karl kennt drei Rotwildhalter im Landkreis; die müssten ihm geflüchtete Hirsche melden. Dass Rotwild im Gehege die zwei Meter hohen Zäune überwindet, kommt immer wieder vor, bestätigt Alois Kienlein von der Erzeugergemeinschaft für landwirtschaftliches Gehegewild in Bayern.

Die in den Unfall verwickelten Fahrer schützte in der Nacht zum Mittwoch kein Zaun. Wildschutzzäune hat die Autobahndirektion in den vergangenen Jahren zwar in der Gegend um das Kreuz der Autobahnen 3 und 93 angebracht, um Rehe abzuhalten, nicht aber im Ostenviertel. Dort sind normalerweise keine Rehe unterwegs, sagt Jäger Neumeyer. Die Polizei hält nach dem gefährlichen, aber außergewöhnlichen Unfall hier keinen mechanischen Schutz für geboten. Sie rät Autofahrern bei Begegnungen mit Wild generell dazu „nicht auszuweichen, aber versuchen zu bremsen“, wie Christian Eichenseher, Sprecher der Verkehrspolizei, sagt. Was Konfrontationen mit Hirschen angeht, relativiert er diese Empfehlung allerdings. „Bei einem so großen Tier muss man immer abwägen. Wie stark kann ich abbremsen, ist vielleicht ein Ausweichvorgang möglich?“

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