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Mobilität

Verkehrsplaner schlagen Stadtexpress vor

Eine internationale Arbeitsgruppe skizziert drei Linien an den Hauptverkehrs-Trassen. Das Verkehrsmittel lässt sie offen.
Von Julia Ried, MZ

Mit welchen Verkehrsmitteln der Stadtexpress fahren soll, ist noch offen. Eine Möglichkeit: ein Oberleitungsbus, wie hier in Salzburg. Foto: Salzburg AG

Regensburg.Regensburg braucht einen Stadtexpress, mit dem Bürger schneller im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind als bisher und der die bisherigen Angebote verknüpft. Das ist ein erstes, wesentliches Ergebnis der derzeit laufenden „Studie für ein höherwertiges ÖPNV-System“ in Regensburg. Formuliert hat es ein internationales Planungsteam unter der Federführung der Wiener Ingenieurgesellschaft Komobile. Es hatte sich im April in Regensburg mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Interessengruppen getroffen, um Leitlinien zu erarbeiten.

Der erste Netzentwurf eines „RegensburgSTADTexpress“, so wird er in dem Papier genannt, das das Planungsreferat am Dienstag dem zuständigen Ausschuss präsentiert, besteht aus drei Linien auf den „höchstbelasteten Strecken“: Einer Ost-West-Verbindung zwischen der Bahnhaltestelle Burgweinting und der Haltestelle Prüfening, einer Nord-Süd-Linie zwischen Wutzlhofen und dem Universitätsgelände und einer dritten Linie zwischen innerem Stadtwesten und -osten, die in einem Eck um den Regensburger Altstadtkern verläuft.

Verkehrsmittel noch offen

Wie Ute Hick-Weber, Chefin des Stadtplanungsamts, unserer Zeitung auf Anfrage sagte, entwickeln die Planer diese Netz-Ideen gerade weiter und überprüfen sie, etwa mittels Verkehrsmodellen. Es gehe darum, „Routen zu finden, auf denen die Busse eine eigene Trasse bekommen können“, sagt Ute Hick-Weber. Auf Teilstrecken, auf denen das nicht möglich sei, gelte: „Man muss sich überlegen, ob es Trassen gibt, auf denen dann nur noch der Bus fährt.“ So eine Maßnahme könnte etwa am Kolpinghaus nötig sein.

Mit welchen Verkehrsmitteln der Stadtexpress fahren soll, lassen die Planer offen. Klar wurde in den Arbeitstreffen nach Angaben von Beteiligten vor allem, dass sie sich deutlich von den bisherigen Bussen unterscheiden sollten – etwa in Größe, Art oder Antrieb. Das Planungsteam präsentierte diverse Alternativen: Darunter waren ein etwa in Salzburg verkehrender „Obus“, der seinen Strom aus einer Oberleitung bezieht, Spurbusse, die die Fachleute auch als „Straßenbahn auf Gummireifen“ bezeichnen und die in diversen Städten in Frankreich unterwegs sind, und Elektrobusse.

Es spricht sich allerdings gegen einen Regional-Express auf Schienen aus: „Für eine mittel- bis langfristige Einrichtung eines Regional-Stadtbahn-Modells nach Vorbild Karlsruhe ist aus heutiger Sicht die Siedlungsdichte im Stadtumland deutlich zu niedrig, und die vorhandenen (zum Teil nicht elektrifizierten) Schienennetze bieten zu wenig Reserven.“

Wunsch nach einer Stadtbahn

Trotzdem zeigten sich auch Verfechter einer Stadtbahn zufrieden mit dem bisherigen Planungsprozess. So sagte etwa Wolfgang Bogie, Vorsitzender des Kreisverbands Regensburg des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), über den jetzt skizzierten Stadtexpress: „Das ist für mich zweitrangig, was man für ein Verkehrsmittel wählt. Der wichtige Punkt ist, dass es eine eigene Trasse bekommen muss.“ Werde dann ein so ausgestaltetes Expressbus-Netz sehr gut angenommen, sei eventuell ein Umstieg auf eine Bahn möglich. Dr. Klaus Wörle vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) äußert sich ähnlich pragmatisch: „Wenn eine Stadtbahn daran scheitert, dass das nicht finanzierbar ist, muss man eben die zweitbeste Lösung möglichst gut machen.“ Wichtig ist beiden Interessenvertretern eine gute Anbindung an andere Angebote, etwa an den Schienennahverkehr. Das wünscht sich auch der Verein Forum Regensburg, eine Bürgerinitiative für Stadtentwicklung, Denkmalschutz und Umweltplanung, dessen 2. Vorsitzender Helmut Wilhelm nach wie vor vehement eine Stadtbahn für Regensburg fordert.

Die Verkehrsbetriebe, deren Vertreter im Januar in einem Planspiel unserer Zeitung Schnelltrassen in einen Stadtplan zeichneten, äußerten sich nicht konkret zum ersten Ergebnis der Studie. Ihr großes Ziel formulierten sie aber schon damals: Dass die ÖPNV-Nutzer schneller unterwegs sind als sie es mit dem Auto wären. Die bunte Koalition hatte im April eine Schnelllinie vorgeschlagen: Falls eine Kundenbefragung den Bedarf ergebe.

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