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Regensburg
Samstag, 18. November 2017 5

Pläne

Vom Siegerentwurf zur „Lagerhalle“

Ob Bayernmuseum oder Karmelitenhotel: Bei der Umsetzung von Prestigeprojekten geht Esprit verloren, klagt Architekt Eckert.
Von Heike Haala, MZ

Das Bayernmuseum bekommt eine Keramikoberfläche. Das hat mit dem Wettbewerbsergebnis nicht mehr viel zu tun, findet ein Architekt. Fotos: Haala

Regensburg.Jeden Tag radelt Künstler Stefan Göler bis zu drei Mal am Donaumarkt vorbei. Trotzdem kann er sich einfach nicht an den Anblick des Museums für Bayerische Geschichte gewöhnen. Er findet deutliche Worte für die dunkelgraue Lamellenfassade des Gebäudes: „Grauenhaft, katastrophal, billig“. Ob er von seiner Wohnung in den Andreasstadel, in die Stadt oder wieder zurück fährt – jedes Mal erschrickt er regelrecht vor dem Gebäude. Göler ist nicht der Einzige, dem sich beim Anblick des Museums viele Fragen stellen. Ähnlich geht es Architekt Thomas Eckert. Er wundert sich über die Fassade aus grauem Keramikmaterial. In seinen Augen sieht das Museum jetzt aus „wie eine Lagerhalle mit einer billigen Blechfassade“.

Dabei war nach dem Ende des Architekturwettbewerbs doch von einer Fassade aus Kalkstein die Rede, erinnert sich Eckert. Ein Stein, der seiner Auffassung nach gut zu Regensburg passt. Ist er doch eng mit der Geschichte der Stadt verbunden und findet beispielsweise auch am Dom Verwendung. Zudem hätte der Kalkstein das Gebäude heller wirken lassen.

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Bauamt sieht keine Brüche

Warum jetzt also die dunklere Keramikfassade? „Aufgrund des hohen Gewichts hätte man keinen massiven Naturstein verwenden können, sondern man hätte ihn als ,dünne Tapete’ auf ein Trägermaterial aufbringen müssen“, schreibt Peter Thumann, Leiter des Staatlichen Bauamts. Der für die Fassade gewählte Grauton der Keramik stehe im Dialog mit der Farbigkeit des Natursteins an der Uferpromenade. In mehreren Fassadenworkshops wurden laut der Auskunft Thumanns Gestaltung und Materialwahl auch mit der Stadt Regensburg, Vertretern des Denkmalschutzes sowie Mitgliedern der damaligen Wettbewerbsjury abgestimmt. In seinen Augen gibt es bei der Fassadenplanung keinen Bruch, sondern eine kontinuierliche Weiterentwicklung.

Die Eröffnung des Bayernmuseums verzögert sich.

Eckert aber sieht im jetzigen Erscheinungsbild der Fassade einen massiven Eingriff in den Siegerentwurf. Mit dem hätte das Museum nun nicht mehr viel zu tun. Von Seiten der Stadtverwaltung wünscht er sich deswegen mehr Kontrolle bei der Umsetzung solcher Siegerentwürfe, von Seiten der Bauherren ein deutliches Bekenntnis zum Verfahren des Architekturwettbewerbs selbst und auch zum Ergebnis dieser Wettbewerbe. Er fragt sich, ob der Wettbewerb nur dazu dient, das Gewissen der verantwortlichen Stadtplaner zu beruhigen.

„Naturgemäß verändert sich im Laufe der weiteren Planung der Vorentwurf des Wettbewerbes, um den Zielstellungen der Optimierung auch gerecht zu werden“, Karlheinz Beer, Bund Deutscher Architekten

Muss sich ein Bauherr aber überhaupt sklavisch an einen Siegerentwurf halten? „Nein“, sagt Karlheinz Beer vom Präsidium der Architektenkammer. Der Siegerentwurf eines Wettbewerbs ist für ihn ein erster Vorschlag in einem Entwicklungsprozess mit mehreren Planungsphasen, in denen Wirtschaftlichkeit, Funktion und Gestalt optimiert werden. „Naturgemäß verändert sich im Laufe der weiteren Planung der Vorentwurf des Wettbewerbes, um den Zielstellungen der Optimierung auch gerecht zu werden“, sagt Beer.

Dennoch gibt es seiner Aussage zufolge auch Grenzen: „Wenn ein Siegerentwurf beispielsweise ein drei- bis viergeschossiges Gebäude zur Lösung der Aufgabenstellung vorschlägt, kann es nicht durch ein Hochhaus ersetzt werden.“ Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt, schreibt auf Nachfrage der Mittelbayerischen: „Verpflichtende Vorgaben zu Fassadenmaterialien kann die Stadtverwaltung auf der Basis der Rechtsgrundlagen nicht durchsetzen.“

Eckert nennt weitere Bsiepiele

Das Karmelitenhotel wurde vor einigen Jahren abgerissen und neu gebaut. Vorgesehen war eigentlich, einen historischen Steinsockel in die Fassade zu integrieren. Daraus wurde aber nichts.

Eckert wünscht sich dennoch einen sensibleren Umgang mit diesen Entwürfen. Denn er kennt weitere Regensburger Bauprojekte, bei deren Umsetzung seiner Meinung nach zu wenig Esprit vom Siegerentwurf aus dem Architekturwettbewerb übrigblieb: beim Karmelitenhotel und beim Candis-Viertel.

Schon einmal wurde Kritik an der Gestaltung des Museumsbaus laut.

Beim Neubau des Karmelitenhotels sollte der historische Sockel des alten Gebäudes erhalten und in den Neubau integriert werden. Allerdings wurde er abgerissen. Der Statik wegen, begründet von Roenne-Styra die Entscheidung der Stadt. Im CandisViertel ist es die Begrünung, die Eckert zufolge im Vergleich zum Siegerentwurf zu wünschen übrig lässt. Stattdessen stünden diese Häuser jetzt zwischen Tiefgaragenabfahrten und versiegelten Flächen. „Die Begrünung ist im Bebauungsplan festgesetzt“, gibt die Stadt dagegen Auskunft.

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Die Geschichte des Bayernmuseums

  • Die Regierungserklärung:

    Am 10. Dezember 2008 erklärte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer: „Wir wollen unsere bayerische Geschichte für die Menschen greifbar, erlebbar, unmittelbarer machen. (…) Ich denke auch daran, mittelfristig ein Museum zur bayerischen Geschichte in Bayern zu verwirklichen.“

  • Der Standort:

    In einem bayernweiten Bewerbungsverfahren wählt der Bayerische Ministerrat im Dezember 2011 Regensburg als Standort für das neue Museum aus. Es soll am Donaumarkt entstehen.

  • Der Wettbewerb:

    Die Jury gibt im April 2013 das Büro Woerner und Partner aus Frankfurt am Main als Gewinner des Architektenwettbewerbes bekannt. Insgesamt hatten sich 254 Architektenbüros an dem Wettbewerb beteiligt. Das Büro HG Merz aus Stuttgart übernimmt die Innengestaltung.

  • Die Eröffnung:

    Die Besucher sollen im Juni 2018 erste Einblicke in Teile des Museums der bayerischen Geschichte am Regensburger Donaumarkt bekommen. Die Arbeiten in der Bavariathek sollen aber bis Ende 2018 dauern. Das Museum wird erst 2019 eröffnet.

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