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Familie

Warum hat Leo zwei Mamas und zwei Papas?

Marion Mazzaglia ist seit 16 Jahren Pflegemama. In ihrem Bilderbuch erklärt sie die besondere Situation von Pflegekindern.
Von Angelika Lukesch

Marion Klara Mazzaglia mit Pflegekindern Foto: Lukesch

Regensburg.Als Marion Klara Mazzaglia im Jahr 2000 ihre erste Tochter bekam, entschloss sie sich, ein Tageskind aufzunehmen. Diese Entscheidung war wegweisend für ihr weiteres Leben, denn Marion Klara Mazzaglia ist Pflegemutter geblieben und sie macht dies mit der Begeisterung eines Menschen, der Kinder liebt, und der Kompetenz einer Fachfrau, die Sozialpädagogik studiert hat und als Montessori-Erzieherin ausgebildet ist. Im Laufe dieser letzten 16 Jahre hat die Pettendorferin drei eigene Kinder bekommen und neben immer wieder wechselnden Tagespflegekindern auch zwei Vollzeitpflegekinder.

Wer Mazzaglia am Vormittag besucht, gerät mitten hinein in eine fröhliche Gesellschaft mit drei kleinen Kindern, die derzeit bei der Pettendorferin in Tagespflege sind. Zurzeit betreut sie drei Kinder, es gab jedoch auch andere Zeiten, in denen sie fünf Kinder pro Tag hatte. Auch ihr Mann Gaetano Mazzaglia hat die Ausbildung zum Tagespapa gemacht und kann einspringen. Die Tagespflegekinder kommen im Lauf des Tages und werden bis zum Abend wieder abgeholt.

Buch soll die Situation erklären

Anders ist es mit den Vollzeitpflegekindern, die in der Familie wie ein Familienmitglied integriert sind. Derzeit lebt ein Junge in Vollzeitpflege bei den Mazzaglias, der alle neun Jahre seines Lebens in dieser Familie verbracht hat. Er hat aber auch Kontakt zu seinen leiblichen Eltern.

Im Laufe der Jahre sei immer wieder die Frage aufgetaucht, weshalb ein Vollzeitpflegekind eigentlich zwei Mamas und zwei Papas habe und wieso man bei den einen lebe und die anderen besuche, erzählt Marion Klara Mazzaglia. Sie habe deshalb nach einem Buch gesucht, das helfe, den komplizierten Familien-Sachverhalt zu erklären. Doch sie wurde nicht fündig.

Also ergriff sie selbst die Initiative und schrieb ein Buch, das jetzt erschienen ist: „,Ich, Pflegekind Leo‘ ist mein erstes Buch. Geschrieben habe ich es bereits vor sieben Jahren. Lange habe sie einen Verlag gesucht, der ihr Buch auf den Markt bringen wollte.

Sehen Sie hier, wieso Marion Klara Mazzaglia ihr erstes Buch geschrieben hat.

Marion Klara Mazzaglia erzählt, wieso sie das Buch geschrieben hat. Video: Lukesch

Mazzaglia will mit ihrem Buch Pflegefamilien und Pflegekinder unterstützen. „Anhand des Buches haben wir unserem Pflegekind erklärt, dass auch er eine Bauchmama und einen Bauchpapa hat. Warum ein Kind in eine Pflegefamilie kommen kann und was eine Pflegefamilie macht. Was Bauchmama/Bauchpapa und Pflegemama und Pflegepapa bedeutet“, erzählt Mazzaglia.

Klare Worte – aber einfühlsam

Zwar gebe es auch andere gute Bücher zu diesem Thema auf dem Markt – doch viele nähmen die Tierwelt zu Hilfe oder seien nur für ältere Kinder geeignet. „Unser Pflegekind war entwicklungsverzögert und hat diese Tiergeschichten nicht mit sich selbst in Verbindung bringen können. Andere Bücher waren viel zu komplex für ihn.“ Deshalb sei ihr die Idee gekommen, selbst ein Buch zu schreiben. Eines, das klar und verständlich ist und die Dinge beim Namen nennt, in einfachen Worten und verständlich für ein Kind unter sechs Jahren, trotzdem jedoch sensibel unter Einbeziehung der Gefühle aller Beteiligten.

Der Autorin ist es wichtig, dass ihr Werk ein erzählendes Bilderbuch ist, mit Sachbezug und geschrieben aus der Praxis für die Praxis. Der Name Leo wurde sehr bewusst gewählt. „Leo bedeutet Löwe. Ein Löwe ist groß und stark und so soll im übertragenen Sinn auch Leo werden. Die Pflegefamilie hilft ihm dabei“, sagt Mazzaglia.

Kathrin Frank hat die Bilder für das Buch gemalt und einige Symbole verwendet: So hat Pflegekind Leo einen Löwen als Kuscheltier. Eine Katze unterstützt in emotionalen Situationen, kleine Vögel symbolisieren die Freiheit, ein glückliches Kind sein zu dürfen. „Der Pflegepapa trägt eine Schleife, die Ordnung symbolisiert. Eine emotionale Ordnung der Pflegefamilie, die einem Pflegekind ein Leben in geordneten Bahnen schenken kann“, erklärt die Autorin. Leos Trommel stellt die Mittelpunktrolle eines Pflegekindes in der Familie bildlich dar. Mazzaglia freut sich sehr, dass ihr Buchprojekt endlich Realität geworden ist. Die Tantiemen aus der Erstauflage von 1000 Stück spendet sie dem Pfad für Kinder in Regensburg.

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Das Bilderbuch

  • Das Buch:

    Das Bilderbuch „Ich, Pflegekind Leo“ von Marion Klara Mazzaglia ist für Kinder ab drei Jahren, vor allem für Pflegekinder, auch für Adoptivkinder und andere Kinder, die wissen wollen, weshalb ein Kind zwei Mamas und zwei Papas haben kann und was Pflegekind und Pflegefamilie bedeutet. Das Buch ist im Best Off Verlag (14,50 Euro) erschienen.

  • Inhalt:

    Das Buch ist in der dritten Person, in einfachen Worten und leicht verständlichen Sätzen geschrieben. Der Text lässt Interpretationsspielraum für die eigene Situation zu, über die während des Lesens gesprochen werden kann. Das Kinderbuch ersetzt nicht die persönlichen Gespräche mit dem Kind, kann aber unterstützend eine Hilfe sein.

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