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Regensburg
Samstag, 18. November 2017 5

Justiz

Wurde eine 22-Jährige vergewaltigt?

Eine Regensburgerin hätte sich wegen falscher Verdächtigung vor Gericht verantworten sollen. Das Verfahren wurde eingestellt.
Von Marion von Boeselager, MZ

Ein Richter hält das Strafgesetzbuch in den Händen. Eine 22-Jährige sollte am Montag in Regensburg vor Gericht stehen. Doch die Angeklagte erschien nicht. Symbolfoto: dpa

Regensburg.Eine junge Frau erhob im Oktober 2015 schwere Vorwürfe gegen ihren damaligen Bekannten: Die 22-jährige Regensburgerin erschien auf dem Polizeirevier am Minoritenweg und erklärte gegenüber den Beamten, sie sei von dem Mann im Februar vor zwei Jahren unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Deutschland gelockt worden. Die Frau stammt aus Rumänien. Hier in Regensburg habe sie ihr Begleiter in der Folgezeit immer wieder geschlagen und vergewaltigt. Dessen Ziel sei es gewesen, sie zur Prostitution zu zwingen. Einen Tag später wiederholte die Frau ihre Anschuldigungen auch bei der Kriminalpolizei in der Bajuwarenstraße.

Aus Eifersucht gelogen?

Während der Ermittlungen vernahm die Polizei mehrere von der jungen Frau genannte Zeugen. Doch die Leute bestätigten deren Angaben nicht. Da ruderte auch die 22-Jährige zurück. Sie korrigierte ihre ursprüngliche Aussage und nahm die Anschuldigungen wieder zurück. Stattdessen versicherte sie nun, sie habe gelogen. Die Vorwürfe seien allesamt nicht wahr. Sie habe die ganze Geschichte nur aus Eifersucht erfunden.

Das Verfahren gegen den angeblichen Vergewaltiger oder Zuhälter wurde daraufhin mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Dafür wurden Ermittlungen gegen die junge Rumänin wegen falscher Verdächtigung eingeleitet.

Am Montag sollte der Prozess gegen die 22-Jährige vor dem Amtsgericht Regensburg stattfinden. Doch ihr Platz auf der Anklagebank blieb leer. Richter Wolfgang Schirmbeck erklärte gegenüber den übrigen Prozessbeteiligten: „Die Angeklagte ist zu 99 Prozent inzwischen wieder in Rumänien.“ Auch die Zustellungsbevollmächtigte der jungen Frau wusste nichts von deren Verbleib. Die Ladung konnte der 22-Jährigen nicht zugestellt werden.

„Der Nachweis ist nicht erbracht, dass die Zeugin gelogen hat. Vielleicht wurde sie in Wirklichkeit unter Druck gesetzt und musste deshalb zurückrudern.“

Der zuständige Richter

Doch nach einem Gespräch mit der Staatsanwältin entschied das Gericht: Auch das Verfahren gegen die junge Rumänin wird eingestellt. „Der Tatnachweis kann nicht geführt werden“, sagte die Staatsanwältin. „Denn es lässt sich nicht klären, ob die Zeugin zur Rücknahme ihrer Anzeige gezwungen wurde, oder ob sie nur ihre falschen Angaben berichtigen wollte.“ Richter Schirmbeck formulierte seine Entscheidung so: „Der Nachweis ist nicht erbracht, dass die Zeugin gelogen hat. Vielleicht wurde sie in Wirklichkeit unter Druck gesetzt und musste deshalb zurückrudern.“

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