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Regensburg
Samstag, 24. Juni 2017 28° 1

Bühne

Zehn Tänzer reifen in der Endlosschleife

Choreograph Guiseppe Spota philosophiert über die Entwicklung von Gefühlen. Sein Stück wird in Regensburg uraufgeführt.
Von Marianne Sperb, MZ

  • Giuseppe Spota Foto: Ramin Morady
  • Eine Szene aus „Loops“, mit Simonefrederick Scacchetti und Louise Poletti Foto: Ramin Morady
  • Choreograph Giuseppe Spota Foto: Ramin Morady

Regensburg.Regensburg. Der Mensch, der zur Welt kommt, ist ohne Erfahrung und ohne Vergangenheit – eine Hardware ohne Software. Über Begegnungen und Eindrücke wird er geprägt und sozialisiert. Im Lauf des Zeit reichert er Gefühle an, speichert sie ab, verwirft oder verwandelt sie. Diesen Stoffwechselprozess macht Giuseppe Spota in seinem Stück „Blank“ sichtbar.

„Blank“ ist Teil eines Doppel-Abends; den anderen Part bestreitet eine Choreographie von Yuki Mori. Unter dem Titel „Loops“ wird die Produktion am Wochenende uraufgeführt.

Spota ist happy: Über die Kooperation mit seinem Freund Yuki und über die Arbeit am Regensburger Theater. Die Leidenschaft, auf die er hier treffe, „die ist wichtig, gerade wenn man von außen kommt“. Der Abend, so viel verrät er beim Gespräch im Theatercafé, werde interessant und herausfordernd für beide, für Tänzer und Publikum.

Zehn Tänzer verkörpern auf der Bühne im Velodrom, wie wir erwachsener und erfahrener werden, wie wir andere Menschen treffen und sich das Leben immer heftiger dreht. „Wir sind so schnelllebig geworden. Der jungen Generation bleibt gar keine Zeit mehr, sich in Ruhe zu entwickeln“, sagt Spota über seinen Grundgedanken. Den Impuls für „Blank“ gab die Musik von John Adams: „Shaker Loops“ startet rasant, fast fanatisch, und bombardiert den Zuhörer mit einer Menge Input. „Alles bleibt unfertig, nichts kann man mehr wirklich zu Ende bringen, zu viele Möglichkeiten tun sich ständig auf“, formuliert Spota seine Eindrücke zu John Adams – bis die Musik dann ruhigere Momente findet und schließlich wieder Tempo aufnimmt: Der Loop, die Schleife, rundet sich.

Giuseppe Spota startet sein Stück mit blassen Farben, die allmählich zu einem intensiven Blau erwachen. Rot, das für Leidenschaft, Liebe oder Wut steht, würde da naheliegen, aber der Choreograph setzt auf Blau: „Blau wie der Himmel und der Ozean, wie Tiefe, Weite und das Morgen.“

Den Prozess der Reifung spiegeln auch die Kostüme. Monika Frenz (Bühne und Kostüme) ließ sich vom Schmetterling inspirieren, der aus einem unscheinbaren Kokon schlüpft, um dann für drei, vier Tage seine volle Pracht zu zeigen. Sechs wandelbare Wände aus vielschichtigem Karton stecken auf der Bühne den Rahmen für die Tänzer ab. Anfangs sind die Wände zweidimensional und flach, wie ein weißes Blatt Papier („Blank“). Später entfalten sie sich zu dreidimensionalen Stapeln, zu multifunktionalen Partnern der Choreographie.

Giuseppe Spota ist beides, Tänzer und Choreograph. Als Tänzer holte er 2011 den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“. Sein Tanzstück entwickelt er jetzt auf Einladung und zusammen mit Yuki Mori. Die beiden kennen sich seit Jahren, sie verbindet auch die Arbeit mit dem berühmten Stephan Thoss. Mit „Loops“ rundet sich vielleicht ein neuer Kreis: Es könnte gut sein, dass der Chef der Regensburger Tanzsparte in diesem Jahr ebenfalls mit dem „Faust“ ausgezeichnet wird. Yuki Mori ist unter den Nominierten. Die Vergabe findet am Samstag (5. November) in Freiburg statt – kurz vor der Uraufführung von „Loops“.

Uraufführung: Sonntag, 6. November, 19.30 Uhr, Velodrom

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