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Regensburg
Mittwoch, 22. November 2017 10° 3

Mordprozess

Zeugin: „Ihr Gesicht war grün und blau“

Vor einem Jahr wurde eine Frau in Regensburg getötet. Ein 42-Jähriger ist angeklagt. Gab es schon vor der Tat Gewaltszenen?
Von Marion von Boeselager, MZ

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Maximilian Richter (rechts) Foto: Boeselager

Regensburg.Das Martyrium einer 43-jährigen Regensburgerin begann offenbar schon lange vor ihrer Todesnacht: Am Morgen des 9. Oktober letzen Jahres war die Frau in ihrem Bungalow im Stadtosten an den Folgen schwerer Kopfverletzungen gestorben. Davor soll sie ihr Lebensgefährte aus Eifersucht stundenlang geprügelt und gestiefelt haben. Der 42-Jährige steht seit Montag wegen Mordes vor dem Schwurgericht.

Während der Angeklagte zu den Vorwürfen schweigt, sagte am Dienstag die Freundin der Getöteten aus. Die 30-Jährige war deren Nachbarin. Sie erzählte von häufigen Attacken des Mannes gegen seine Partnerin. „Drei bis vier Mal die Woche gab‘s Krawall. Oft sah man ihr an, dass er sie geschlagen hatte“, so die Zeugin. Ihre Freundin habe „Veilchen“ und blaue Flecken im Gesicht gehabt.

„Drei bis vier Mal die Woche gab‘s Krawall. Oft sah man ihr an, dass er sie geschlagen hatte.“

Eine Freundin der Getöteten

Daran sei aber auch sie nicht unschuldig gewesen: „Sie konnte biestig sein, wenn sie viel getrunken hat. Dann schrie sie rum. Teller flogen. Sie hat ihn provoziert.“ Oft sei sie dann heulend vor ihrer Tür gestanden und habe gesagt: „Jetzt ist er wieder ausgeflippt.“ Am Abend vor dem mutmaßlichen Mord machte sich die Zeugin Sorgen, da sie die Freundin am Handy nicht erreichte. Sie suchte sie auf. „Sie sah übel aus. Ihr Gesicht war grün und blau.“ Die Freundin habe gesagt: „Er hat mich so geschlagen, dass meine Tochter dazwischen gehen musste.“

Im Haus sprachen die Frauen über den Grund der neuen Attacke: Weil die 43-Jährige Textnachrichten an den Freund ihres Sohnes (19) geschrieben habe, sei der Angeklagte eifersüchtig gewesen – grundlos, wie sie versicherte. Da kam der Angeklagte dazu. „Er trat ihr mit dem Fuß so gegen die Hüfte, dass sie umfiel.“

„Sie konnte biestig sein, wenn sie viel getrunken hat. Dann schrie sie rum. Teller flogen. Sie hat ihn provoziert.“

Eine Freundin der Getöteten

Er habe sie bezichtigt, fremd zu gehen, so die Zeugin. Später stand die Geschädigte „mit den Händen voll Blut und einer Wunde am Hinterkopf“ vor ihrer Tür. „Sie sagte, er habe sie mit etwas Hartem geschlagen.“ Per WhatsApp schrieb der Angeklagte der Zeugin kurz darauf: „Die Schlampe hat den Tod verdient.“ Er wolle sich mit dem angeblichen Lover prügeln. Erst habe die Freundin bei ihr übernachten wollen. Später sei sie doch nach Hause zurück gekehrt, wo sie den Tod fand.

Die Zeugin sagte aber auch, die Verstorbene sei oft so betrunken gewesen, dass sie einfach umfiel. Der angebliche Liebhaber (19) verweigerte im Zeugenstand die Aussage. Denn ihm steht selbst nächste Woche ein Prozess bevor: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unterlassene Hilfeleistung vor: Er habe der 43-Jährigen in ihrer Not nicht beigestanden.

Der Prozess dauert an.

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