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Regensburg
Montag, 18. Dezember 2017 3

Mordprozess

Zwölfjährige wollte ihre Mutter schützen

Angehörige der getöteten Regensburgerin berichteten im Zeugenstand von den schweren Misshandlungen durch den Angeklagten.
Von Marion von Boeselager, MZ

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger Maximilian Richter (rechts) Foto: Boeselager

Regensburg.Am dritten Tag des Prozesses um den gewaltsamen Tod einer 43-jährigen Regensburgerin mussten sich nahe Angehörige des Opfers den Fragen des Schwurgerichts stellen. Unter Tränen berichtete der Vater (73) der Getöteten von der von Gewalt geprägten Beziehung seiner Tochter mit dem Angeklagten. Der des Mordes angeklagte 42-Jährige soll seine Lebensgefährtin im Oktober letzten Jahres aus Eifersucht über Stunden hinweg so brutal verprügelt und getreten haben, bis sie an ihren schweren Verletzungen starb.

2013 zog „der Neue“ bei der Tochter ein

Der 73-jährige Rentner aus Thüringen berichtete, seine Tochter habe ihm und seiner Frau ihren neuen Freund 2012 vorgestellt – zu einer Zeit, da ihre bisherige Beziehung zum Vater ihrer Tochter (13) kriselte und vor dem Aus stand. „Wir haben das akzeptiert und hofften auf einen positiven Neuanfang.“ 2013 sei der Neue in den Bungalow der Tochter eingezogen. Doch bei ihren häufigen Besuchen erlebten die Eltern bei dem neuen Paar „zunehmend Differenzen und persönlich verletzende Wortgefechte“. Ende Oktober 2014 habe die Tochter ihren Eltern erstmals „starke Hämatome am Körper und an den Armen“ gezeigt. Sie habe erzählt, dies sei ihr Freund gewesen. Der 73-Jährige habe dem Mann ins Gewissen geredet, dies künftig zu unterlassen, aber ohne Erfolg. „Im Mai 2015 schickte uns unsere Tochter zwei WhatsApp-Fotos: Sie hatte darauf eine Platzwunde an der Stirn und ein tiefblaues Auge.“ Dazu habe sie geschrieben: „Er ist wieder mal ausgerastet.“

„Im Mai 2015 schickte uns unsere Tochter zwei WhatsApp-Fotos: Sie hatte darauf eine Platzwunde an der Stirn und ein tiefblaues Auge.“

Der Vater des Opfers

Der Eindruck der Eltern: Der Angeklagte habe „die absolute Kontrolle“ über seine Partnerin ausüben wollen und sie durch ständige Telefonanrufe auf Schritt und Tritt überwacht. Manchmal habe er ihr das Handy abgenommen, so dass sie nicht telefonieren konnte. „Wir legten unserer Tochter nahe, in ihrem und im Interesse ihrer Kinder die Trennung anzustreben. Sie war wohl bereit dazu, aber nicht dazu in der Lage“ – wohl „aus Angst“ vor dem Angeklagten und dessen Drohungen, er werde „die Kinder als Faustpfand nehmen und alles kurz und klein schlagen“, meinte der Zeuge. Von seiner Enkelin wisse er, dass das Mädchen, damals zwölf Jahre alt, sich bei den Tätlichkeiten „öfters schützend vor die Mutter stellte“.

Nach dem Tod der 43-Jährigen fanden er und seine Enkelin im Bungalow, der zahlreiche Spuren mutwilliger Zerstörung aufwies, unter anderem mehrere zertrümmerte Handys und in der Werkstatt des Angeklagten Schlagstöcke, eine Schreckschusspistole und Stichwaffen.

Ex-Partner berichtet vom Alkoholproblem der Getöteten

Von Gewalt gegen seine Ex-Partnerin berichtete im Zeugenstand auch der Vater (47) ihrer gemeinsamen Tochter (13). Die Beziehung sei damals auseinandergegangen, weil die Getötete nach seinen Worten ein Alkoholproblem hatte. Von der gemeinsamen Tochter, die er regelmäßig abholte, habe er immer wieder von Prügeleien durch den neuen Freund erfahren. Einmal habe ihn seine Ex angerufen. Sie bat ihn, sie und ihre Tochter nach einem Exzess des Angeklagten abzuholen. Danach habe ihm der Angeklagte telefonisch angedroht, er werde „alle abknallen.“

„Ich hatte den Eindruck, sie hatte Angst vor ihm. Sie wollte ihn rausschmeißen, schaffte es aber nicht.“

Der Ex-Partner des Opfers

Die Tätlichkeiten hätten sich immer mehr gesteigert. „Ich hatte den Eindruck, sie hatte Angst vor ihm. Sie wollte ihn rausschmeißen, schaffte es aber nicht.“

Am Tag vor der Bluttat holte der Vater die Schülerin wieder einmal ab. Die damals Zwölfjährige öffnete die Tür. Die Mutter könne nicht aufstehen, sagte sie. Sie sei wieder mal verprügelt worden. „Sie zeigte mir Fotos, auf dem Handy, wie ihre Mutter aussieht - grün und blau im Gesicht und alles geschwollen“, so der Zeuge.

Am Tatabend wollte das Kind aus Sorge noch einmal bei der Mama vorbei schauen. „Ich bin erschrocken, als ich sie sah“, berichtete der Zeuge. „Ich sagte ihr, wenn das so weitergeht, müssen wir darüber reden, ob unsere Tochter besser ganz bei mir bleibt.“ Das war das letzte Mal, dass er und die gemeinsame Tochter die Regensburgerin lebend sahen. Wenige Stunden später starb die 43-Jährige auf dem Boden des Hausflurs an ihren schweren Verletzungen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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