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Regensburg
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Kirche

1400 Kinder singen an Regensburgs Dom

Beim Kinder- und Jugendchortag der Diözese boten Dutzende Chöre aus ganz Bayern ein Konzert im XXL-Format.
Von Daniel Pfeifer, MZ

Aus der gesamten Diözese waren die jungen Sänger nach Regensburg gekommen. Fotos: altrofoto.de

Regensburg. Paul sitzt im weiß-blau karierten Hemd auf einem Steinsockel an der Südseite des Regensburger Doms und beißt genüsslich in einen Apfel. Die Sonne scheint vom weiß-blauen Himmel herab und lässt das bunte Treiben zu Pauls Füßen noch viel bunter erscheinen, als es sowieso schon ist. Eine starke Windböe pfeift am Dom entlang und bläst eine blaue Kappe vorbei, mit der Aufschrift „Singen macht Spaß“. Auch Paul hat eine solche Kappe auf dem Kopf. Genauso wie die anderen rund 1400 Kinder, die den Platz um den Dom füllen.

Zum Kinder- und Jugendchortag der Diözese Regensburg mit dem neugegründeten Diözesanverband „Pueri Cantores“ kamen am Samstagvormittag Dutzende Chöre aus ganz Bayern zusammen, um gemeinsam mit Bischof Rudolf Voderholzer zur abendlichen Messe im Dom zu singen. Ein Chorkonzert im XXL-Format. Unter den Sängern ist auch der neunjährige Paul Oppitz. Mit seinem Vater ist er aus dem eine gute Stunde entfernten Erbendorf (Landkreis Tirschenreuth) angefahren, als Teil eines achtköpfigen Kinderchores. „Ich war geschockt, wie viele Kinder hier sind. Jetzt hab’ ich mich schon dran gewöhnt, aber es ist wirklich toll“, erzählt er begeistert.

1400 Kinder singen vor dem Dom

Einen Sockel weiter sitzt eine ganze Mannschaft in knallig türkisblauen Poloshirts, die sich bereitmachen zur öffentlichen Probe vor den Toren des Doms. Auf einer kleinen Bühne singen nebenbei zur Einstimmung die Domspatzen. „Wir sind echt stolz darauf, dabei zu sein“, schwärmt Tanja Schmidkranz, die junge Leiterin der quietschblauen Truppe aus Plößberg (Landkreis Tirschenreuth), „unser Pfarrer hat uns gefragt, ob wir hierher mitwollen. Wir haben niemals 1400 Kinder erwartet!“ Für den großen Tag haben sie aber auch fleißig geübt, wirft die zehnjährige Magdalena Müller ein. Als das Chorheft mit der Post kam, waren alle erst mal geschockt vom hohen Niveau der Stücke. Lateinische Klassiker wie Sanctus und Kyrie, auch ein englischer Text war dabei, den sich Magdalena von der Mama hat übersetzen lassen, um zumindest zu wissen, was sie da so von sich gibt.

Die Domspatzen als Vorband

Inzwischen haben die Domspatzen die Bühne wieder verlassen und eine Gruppe in neon-pinken Shirts nimmt ihren Platz ein, inklusive Querflöte und Klavierbegleitung. Die Sänger aus Vilsbiburg (Landkreis Landshut) haben die große Herausforderung, als letzte vor dem gemeinsamen Einsingen aufzutreten. Aufregung pur, erzählen sie später. „Aber immerhin können wir jetzt sagen, wir hatten mal die Regensburger Domspatzen als Vorband“, scherzt Chorleiterin Stephanie Hocholzer.

Eineinhalb Stunden sind die 35 Kinder und Jugendlichen aus Vilsbiburg angereist. Angekommen in der Domstadt, nutzten sie die freie Zeit und probten einfach schon mal in der Altstadt. Den Passanten an der Wurstkuchl hat es ganz gut gefallen, ist sich die 15-jährige Amelie Straßburger sicher. Und der Spaß an der Sache sei doch am Ende das Beste am gemeinsamen Musizieren im Chor.

Direkt nach ihnen beginnt pünktlich das große gemeinsame Einsingen, und gibt den vielen Passanten und Touristen einen kleinen Vorgeschmack auf die Messe am Abend. „Singen macht Spaß, Singen macht Mut, Singen tut gut“, schallt es aus dem bunten Kindermeer, das bereits den kompletten Vorplatz und Teile der Straße überschwemmt hat. Nur noch ein paar Lockerungsübungen, dann schiebt sich die Masse durch den winzigen Seiteneingang in den Dom hinein zur Generalprobe. Die Leute auf der Straße sehen dem Schauspiel beeindruckt zu. „Faszinierend, dass sich so viele Kinder dafür begeistern“, staunt Schwester Kathrin von den Armen Schulschwestern, „was man immer liest von der Kirche, die Kirchenaustritte, das ist alles so deprimierend. Wirklich toll, das sich hier auch einmal die schöne Seite zeigt.“

Majestätischer Orgelklang

Auch für Paul geht es langsam los. Noch einmal sieht er zu den Domspatzen hinüber und lächelt. Egal, wie der Auftritt am Abend abläuft, allein die Domspatzen gehört zu haben, war für ihn beeindruckend genug. Pauls Traum ist es, irgendwann mal selbst bei den Domspatzen mitzusingen. So nah dran wie jetzt war er noch nie. Im Dom nimmt er unter den hunderten Sängerkollegen Platz, während die Orgel majestätisch donnert und der Hall den Gesang von 1400 Stimmen durch die Kirche trägt.

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