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Regensburg
Montag, 26. Juni 2017 30° 3

Kundgebung

150 Menschen gedachten der NS-Opfer

Sie trafen sich, um symbolisch den Weg der 65 Regensburger KZ-Toten zu beschreiten. Christa Meier wünscht sich eine geeinte Gedenk-Veranstaltung.
Von Daniel Steffen, MZ

150 Teilnehmer reihten sich am Mittwochnachmittag in den Gedenkmarsch für die Opfer des Nationalsozialismus’ ein. Foto: Steffen

Regensburg.Es brauchte fast 50 Jahre, bis in Regensburg ein Gedenkstein für die getöteten und gequälten Gefangenen des ehemaligen KZ-Außenlagers Colosseum errichtet wurde. Wiederum 20 Jahre später – nach der „mühseligen Errichtung am falschen Ort“ – setzt Hans-Simon Pelanda, der Vorsitzende der „Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg“, all seine Hoffnungen in den neuen Stadtrat, dass den Opfern künftig an einem würdigen Ort gedacht wird.

Das machte er am Mittwochnachmittag vor 150 Teilnehmern deutlich, die sich in Stadtamhof trafen, um symbolisch den Weg der damaligen KZ-Insassen zu beschreiten. Auf einem Transparent, das die Kundgebungsteilnehmer mit sich führten, waren die Namen all der 65 Regensburger KZ-Toten, die zwischen 23. März und 25. April 1945 ums Leben kamen, gelistet. Auf dem Weg zum Dachauplatz machte der Kundgebungszug mehrfach Station, um an die NS-Gräueltaten jener Tage zu erinnern. Organisatorin Luise Gutmann von der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ gab das Wort an die jeweiligen Sprecher weiter.

Ferner wurde Kritik an der städtischen Erinnerungskultur laut: Es sei kein Ruhmesblatt für Regensburg, dass erst 1982 eine Berufsschulklasse die Geschichte des Außenlagers Colosseum ausgraben musste, betonte Altoberbürgermeisterin Christa Meier. Und es sei auch kein Ruhmesblatt für die Stadt, dass es heute zwei Gedenkveranstaltungen zu den Ereignissen jenes 23. Aprils 1945 gebe: Damals forderten Hunderte vor dem Neuen Rathaus die kampflose Übergabe der Stadt.

Meier hoffe darauf, dass beide Veranstaltungen „endlich zusammenfinden“, um gemeinsam die Stimme gegen Faschismus und Rassismus zu erheben. In ihren Augen sei es – gerade in Anbetracht der NSU-Morde und der Zunahme von rechter Gewalt – weiterhin sehr wichtig, Verantwortung dafür zu übernehmen, was im Namen des deutschen Volks geschehen ist, argumentierte Meier.

Auf dem Neupfarrplatz, wo die Kundgebung ihren ersten Halt machte, riefen Gewerkschaftler die Erinnerungen an die „Neupfarrplatzgruppe“ ins Leben. Damals rührte sich von Anarchisten bis hin zu Monarchisten Widerstand, der vom NS-Regime brutalst bekämpft wurde. Mehrere Tote gab es zu beklagen – darunter auch Josef Haas, der sich nie davon abbringen ließ, seine kritischen Ansichten auf dem Neupfarrplatz zu verbreiten. Der bein- und armamputierte Haas wurde zur Zuchthausstrafe verdonnert und später, am 18. August 1944, im KZ Flossenbürg erschossen.

Auch an der Jüdischen Gemeinde am Brixener Hof machte die Kundgebung Halt: Rabbiner Josef Chaim Bloch unterstützte die Altbürgermeisterin in ihrer Forderung nach einer Zusammenführung der zwei Gedenkveranstaltungen. Am Minoritenweg wurde den verfolgten Zeugen Jehovas gedacht. Rund 11 000 seien damals in den Konzentrationslagern inhaftiert worden, hieß es. An einen von ihnen, Wolfgang Waller, erinnert heute eine Gedenktafel. Wegen seiner christlichen Weltanschauung habe Waller Führergruß und Militärdienst stets verweigert – ebenso, sich an der Rüstungsproduktion zu beteiligen. Zum Abschluss stimmten die Teilnehmer auf dem Dachauplatz in das – von den „Falken“ vorgetragene – Moorsoldaten-Lied ein.

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