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Verkehr

20 Minuten darf der Schiffsmotor laufen

Für Schiffe in Regensburg gibt es Regeln gegen Lärm. Der Strom muss fix per Kabel kommen – es sei denn, es ist Hochwasser.
von Mario Geisenhanslueke, MZ

  • Mehr als 1000 Kreuzfahrtschiffe legen in einem Jahr in Regensburg an. Ihre Kapitäne sind verpflichtet, an die Anwohner zu denken. Foto: Geisenhanslüke
  • Bis zu 110 Meter lang dürfen die Schiffe sein, die in Regensburg vor Anker gehen. Foto: Geisenhanslüke

Regensburg.Es ist ein monotones Geräusch. Als Brummen, Surren oder Summen ist wohl am besten beschrieben, was zu hören ist, wenn der Dieselmotor eines großen Kreuzfahrtschiffs im Stand läuft. Es ist kein Lärm, der eine Unterhaltung unmöglich machen würde. Es ist aber eine jener Lärmquellen, die schnell so richtig störend und nervenzehrend werden können. Und deshalb gibt es für die großen Schiffe, die in Regensburg anlegen, auch ganz klare Regeln.

1100 Kreuzfahrtschiffe werden bis Ende des Jahres in Regensburg angekommen sein. Davon geht die Lagerhaus- und Schifffahrtsgesellschaft Regensburg (LSR) aus. Die LSR ist eine Tochter der Stadtwerke und betreibt die Lände zwischen Eisener Brücke und Nibelungbrücke, wo Schiffe anlegen können. Bis zu 110 Meter lang dürfen Passagierschiffe sein, die hier Halt machen. Güterschiffen ist ein Stopp hier untersagt.

Regensburg ist eine prosperierende Stadt – auch zu Wasser. Doch dort, wo viele große Schiffe anlegen wollen und gleichzeitig viele Regensburger – vor allem in der Werftstraße – wohnen, sind Meinungsverschiedenheiten vorprogrammiert. Die beiden größten Probleme der Anwohner dabei sind: der Gestank und der Lärm. Eben jenes Surren, Brummen oder Summen der großen Dieselaggregate. Jenes Geräusch, das bei offenem Fenster ganz schnell an den Nerven zehrt.

Regeln für das Zusammenleben

Ein Schiff wird mit Strom versorgt. Foto: Geisenhanslüke

Damit das Zusammenleben klappt, gibt es für die Kapitäne klare Regeln. „Benutzungsbedingungen für die öffentliche Personenschifffahrtslände der Stadt Regensburg“ – Diesen offiziellen Titel trägt das Regelwerk, das zuletzt 2015 aktualisiert wurde und sieben Seiten mit 17 Paragrafen umfasst – inklusive diverser Unterpunkte. Der wichtigste aus Anwohnersicht dürfte Nummer sieben sein: Immissionsschutz. Dieser sagt deutlich: „Während der Liegezeit ist es verboten, abgaserzeugende Motoren zu betreiben.“ Auch das Betreiben anderer Aggregate ist verboten, die bestimmte Grenzwerte überschreiten. Punkt.

Moderne Anlegestellen

  • Strom

    Nach der großen Modernisierung rund um die Wasser- und Stromversorgung im Jahr 2011 sagt Stadtwerke-Pressesprecher Martin Gottschalk auch heute noch: „Aktuell sind wir an der Donaulände auf dem modernsten Stand.“ Größere Maßnahmen seien in absehbarer Zeit nicht geplant.

  • Aussehen

    Eine Änderung wird es laut Gottschalk im kommenden Jahr allerdings geben – und diese, so verspricht er, werde „das optische Erscheinungsbild wesentlich verbessern“.

  • Müll

    Gottschalk sagt: „Die bis dato aufgestellten Müllcontainer werden verschwinden.“ Hintergrund ist: Ab 2018 wird die Entsorgung direkt über die Schiffe an kurzzeitig, nur für den Vorgang, haltenden Müllfahrzeuge geschehen.

Möglich wurden diese Verbote im Jahr 2011. An den März in diesem Jahr werden viele Anwohner der Donaulände mit Erleichterung zurückdenken. Denn seitdem sind die Liegeplätze mit einer Trinkwasser- und vor allem einer Stromversorgung ausgestattet, weshalb die Schiffe nicht mehr die lauten und dreckigen Motoren laufen lassen müssen, um Strom zu erzeugen. Lediglich in einem Zeitraum von 20 Minuten nach dem Anlegen oder vor dem Ablegen sind aktivierte Antriebe gestattet.

Aber halten sich daran alle? Eine Regensburgerin, die nahe einem Liegeplatz arbeitet und auch regelmäßig dort spazieren geht, sagt: „Nein!“ Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, berichtet aber, dass manche Schiffe teils richtig lange ihre Motoren einfach laufen lassen würden – und damit nicht nur lärmen, sondern auch dreckigen Diesel in die Regensburger Luft pusten. Denn der Treibstoff eines Schiffe ist alles andere als sauber.

„Selbstverständlich achten wir hier auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Zeiten.“

Martin Gottschalk, Pressesprecher Stadtwerke

Ignorieren also vielleicht manche Schiffskapitäne Paragraf sieben? Martin Gottschalk, Pressesprecher der Stadtwerke, sagt: „Selbstverständlich achten wir hier auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Zeiten. Wir sind ständig im Dialog mit den Anwohnern und nehmen die Anliegen selbstverständlich ernst.“ In der letzten Zeit habe es aus dem Kreis der Anwohner allerdings keine Beschwerden gegeben. Sollte sich ein Kapitän trotzdem nicht an die Regeln halten, sind Vertragsstrafen vorgesehen – bis hin zum Ausschluss eines Schiffes von der Nutzung der Lände.

Kein Strom bei Hochwasser

Der Blick aus dem Fenster eines Anwohners Foto: Geisenhanslüke

Doch noch ein Thema spielt hier eine Rolle: das Hochwasser. Steigt nämlich der Pegel der Donau, ist die LSR ab einem gewissen Zeitpunkt gezwungen, den Strom an den Liegeplätzen abzustellen. Ein Starkstrom-Anschluss, der plötzlich unter Wasser steht, wäre viel zu gefährlich. Und dann müssen – und dürfen – die Schiffe natürlich ihre Motoren laufen lassen, um den nötigen Strom zu erzeugen. Zuletzt war das vor ein paar Wochen nötig, erinnert sich Juliane von Roenne-Styra, die Pressesprecherin der Stadt. Da habe die LSR die Stadt über die Abschaltung informiert, falls es Beschwerden über lärmende Schiffe geben sollte.

Wie für die Passagierschiffe gelten diese Regeln auch für Ausflugsschiffe – und werden eingehalten. Das sagt zumindest Franziska Wurm-Lallinger, dafür lege sie ihre „Hand ins Feuer“. Sie ist Geschäftsführerin des Unternehmens „Donauschifffahrt Wurm und Köck“ – eines der Unternehmen, das in Regensburg Fahrten anbietet. Ihre Kapitäne seien sogar angewiesen, innerhalb von 15 Minuten den Strom anzuschließen. Sie sagt: „Seit alle Anlegestellen mit Strom ausgestattet sind, gibt es eigentlich keine Probleme mehr.“ Und wenn es etwas gebe, könnten die Anwohner jederzeit anrufen.

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