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Regensburg
Sonntag, 22. Oktober 2017 19° 3

Flashmob

300 forderten „Bewegung in Bildung“

Angehende Lehrer machen in Regensburg ihrem Frust über die Perspektivlosigkeit Luft. In Bayern sollen nur 170 von 800 Referendaren übernommen werden.
von Daniel Steffen, MZ

Symbolisch zertrampelten Lehramtsstudenten auf dem Neupfarrplatz bunte Tafelkreide. Ihnen ist bange um ihre Zukunft. Fotos: Steffen

Regensburg.„Referendare aller Schularten werden als billige Arbeitskräfte ausgebeutet und landen dann selbst mit Bestnoten auf der Straße“, hatten die Organisatoren im sozialen Netzwerk Facebook angeprangert. Dass im kommenden Februar bayernweit nur 170 von mehr als 800 Referendaren als Lehrer übernommen werden sollen, ruft in ihnen Wut hervor. So hatten die beiden Regensburger Lehramtsstudenten Patricia Krauß und Johannes K. kurzerhand den Entschluss gefasst, ihrem Frust in aller Öffentlichkeit freien Lauf zu lassen. Unter dem Titel „Bewegung in Bildung“ hatten sie über Facebook zum Flashmob auf dem Neupfarrplatz eingeladen. Von den 366 Teilnehmern, die online zugesagt haben, hatten sich – trotz lausigen Wetters – am Samstag um 15 Uhr ein Großteil dort eingefunden.

Zunächst bildeten betroffene Referendare, aber auch solidarische Lehrer, Studenten und Schüler eine große Menschenschlange. Die verteilte sich, geometrisch angeordnet, quer über dem Platz. Dann trat die Gruppe in Aktion, indem jeder Teilnehmer symbolisch ein Stück Kreide mit den Füßen zertrampelte und anschließend aus Reih und Glied trat: Der Akt sollte – ganz ohne Worte – die drohende Arbeitslosigkeit symbolisieren. Mehrere Dutzend Passanten sahen dem Treiben zu und rieben sich zunächst verdutzt die Augen. Eine vergleichbare Aktion hatte eine Woche zuvor in München stattgefunden.

„Die Schüler bleiben auf der Strecke“

Johannes K. und Patricia Krauß gehören selbst zu den Betroffenen: Beide Studenten haben bereits das erste Staatsexamen abgeschlossen, studieren gerade ein drittes beziehungsweise viertes Fach und stehen vor einer ungewissen Zukunft. „Anstelle dessen, dass Klassen verkleinert werden und der Unterricht individueller gestaltet wird, sollen bis Herbst 2014 bayernweit 371 Lehrerstellen gestrichen werden“, empört sich Johannes K.

Auch ärgert ihn, wie das Kultusministerium mit den Referendaren in der Praxis umgeht: „Bis zum Jahr 2007 war die Maßgabe, dass Referendare elf Stunden unterrichten. Das war auch immer so. Dann aber herrschte Lehrermangel – und man hat damit angefangen, den Referendaren immer mehr Unterricht aufzubrummen.“ 17 Unterrichtsstunden, die ja auch vor- und nachbereitet sein wollen, seien „gang und gäbe“, auch wenn gar kein Lehrermangel mehr herrsche. „Das wurde so beibehalten, weil das den Staat billiger kommt“, mutmaßt Johannes K.

In jedem Fall halte er es für richtig, weiter in Aktion zu treten und nicht nur herumzujammern. „Wo man auch hinschaut: Das ganze Bildungssystem krankt“, sagt Johannes K. mit Nachdruck. „An allen Ecken und Enden fehlen Lehrkräfte – und letztendlich bleiben die Schüler auf der Strecke, wenn die Klassen weiterhin so groß bleiben.“ Und: „Wenn die Referendare weiter so durch ihre Ausbildung gehetzt werden, dann finden sie nie Zeit dafür, mal neue, innovative Lehrmethoden auszuprobieren.“ Aufgrund seiner Erfahrungen könne er nicht nachvollziehen, dass sich der Freistaat mit seiner Bildungspolitik so rühme: „Die Realität sieht doch ganz anders aus!“

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