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Verkehr

A3: Der Ausbau bis Nittendorf kommt doch

Das Nachtarocken der Landkreis-Politik hat sich gelohnt. Der Bund will nun auch in Richtung Westen sechs Spuren realisieren.
Von Christof Seidl, MZ

Die Autobahn A3 soll nun doch bis Nittendorf sechsspurig ausgebaut werden. Der Neubau der Sinzinger Autobahnbrücke in diesem Bereich stand ohnehin an. Foto: Lex

Regensburg.Für die Region ist es vielleicht die beste Nachricht des Jahres: Die Regensburger CSU-Bundestagsabgeordnete Dr. Astrid Freudenstein gab am Freitagnachmittag bekannt, dass die Autobahn A3 auch auf den 13 Kilometern zwischen Nittendorf und Regensburg sechsstreifig ausgebaut wird. Konkret wird das Teilstück im Entwurf für den neuen Bundesverkehrswegeplan in die oberste Kategorie „Vordringlicher Bedarf – Engpassbeseitigung“ aufgenommen. Bisher hatte das Bundesverkehrsministerium den Ausbau dieses Autobahnabschnitts als unwirtschaftlich abgelehnt.

„Wir haben uns in Berlin mit allen Kräften dafür eingesetzt. Die Arbeit hat sich gelohnt, das Ergebnis ist für die Region Regensburg perfekt“

MdB Dr. Astrid Freudenstein

„Wir haben uns in Berlin mit allen Kräften dafür eingesetzt. Die Arbeit hat sich gelohnt, das Ergebnis ist für die Region Regensburg perfekt“, sagte Freudenstein, die nach eigenen Worten „hochzufrieden und richtig glücklich“ ist. In einer Pressemitteilung nennt die Abgeordnete konkrete Zahlen und Fakten aus dem aktuellen Papier: So soll nun die gesamte Strecke zwischen Nittendorf und Rosenhof, also insgesamt 27,1 Kilometer, sechsstreifig werden. Der Bund investiert dafür insgesamt 371,2 Millionen Euro in die Region Regensburg – gut 257 Millionen Euro davon gehen in den Erhalt, fast 114 Millionen Euro in den Ausbau.

Erster Entwurf war nur ein halber Sieg

Das Teilstück, das nun zusätzlich für den sechsspurigen Ausbau vorgesehen ist, ist 13 Kilometer lang. Repro: MZ

Anfang des Jahres hatte die Veröffentlichung des ersten Entwurfs des Bundesverkehrswegeplans in der Region noch gemischte Gefühle hinterlassen. Zwar war der Ausbau der A3 zwischen dem Kreuz Regensburg und Rosenhof in die oberste Kategorie aufgenommen worden, doch das war für viele Vertreter aus Politik und Wirtschaft nur ein halber Sieg. Denn ohne den Ausbau in der anderen Richtung, also zwischen Kreuz Regensburg und Nittendorf, würde die Maßnahme die staugeplagten Autofahrer auf der A3 nur zum Teil entlasten.

Möglicherweise hat die Region von einem neuen Instrument bei der Erstellung des Bundesverkehrswegeplans profitiert. Im Frühjahr gab es in dem Verfahren erstmals eine sechswöchige Öffentlichkeitsbeteiligung. Nach deren Abschluss wurde der Entwurf nochmals überarbeitet.

Die Möglichkeit, sich zu äußern, hatten viele Politiker in der Region genutzt. Die Bürgermeister der Gemeinden Sinzing, Nittendorf, Beratzhausen, Brunn und Hemau machten sich in einer gemeinsamen Stellungnahme für den Ausbau stark und lieferten zahlreiche Argumente von veralteten Verkehrszahlen über den geplanten Neubau der Sinzinger Autobahnbrücke bis zur Abstufung der Bundesstraße in Hemau.

Gerade die marode Sinzinger Brücke könnte ein Umdenken in Berlin verursacht haben. Sie muss in den nächsten zehn bis 15 Jahren ohnehin neu gebaut werden, weil eine Generalsanierung unwirtschaftlich wäre. Angesichts der Belastung des Autobahnteilstücks hätte ein „kleiner“ vierspuriger Neubau vermutlich bald eine Nachbesserung erforderlich gemacht. Sinzings Bürgermeister Patrick Grossmann brachte es seinerzeit auf den Punkt: „Es wäre den Bürgern wohl kaum zu erklären, dass die neue Autobahnbrücke nicht sechsspurig erstellt werden soll.“

Zweite Ausfahrt für Nittendorf?

Der Nittendorfer Bürgermeister Helmut Sammüller bezeichnete die Aufnahme des Teilstücks als „unerwartete, erfreuliche Neuigkeit“. Er hofft nun, dass sich der Bund auch noch dazu durchringt, das sechsspurige Teilstück bis hinter Nittendorf zu verlängern und dort einen weitere Ausfahrt zu schaffen. Das würde die Verkehrssituation im Marktbereich, insbesondere in Pollenried, sehr verbessern.

Auch Landrätin Tanja Schweiger hatte sich mit einem Bündel an Argumenten in München und Berlin für den Ausbau starkgemacht. „Es ist schön, dass der Bund endlich die Notwendigkeit des Ausbaus bis Nittendorf anerkennt“, sagte sie am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung. Das Umdenken in Berlin zeige auch, dass es sich lohnt, wenn sich eine Region gemeinsam für eine Sache einsetzt. Schweiger hofft ebenso wie Sammüller, dass sich der Bund beim Ausbau in Nittendorf für die große Lösung mit einer weiteren Ausfahrt einsetzt.

Auch die Landkreis-CSU hatte sich in einer Resolution an Bayerns Ministerpräsident Seehofer für den Ausbau bis Nittendorf eingesetzt. In der jüngsten Kreistagssitzung kam auf ihre Initiative außerdem eine Resolution des Kreistags an die Bundesregierung zustande. Freudenstein selbst setzte in Berlin alle Hebel in Bewegung. So kam der verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU, MdB Ulrich Lange aus Nördlingen, auf ihre Einladung nach Sinzing, um sich mit den Bürgermeistern auszutauschen.

Die nächsten Schritte

  • Beschluss:

    Der Entwurf für den Bundesverkehrswegeplan geht jetzt in einer neuen Version in die Ressortabstimmung zwischen den Ministerien. Bis zum Jahresende will der Bundestag die Ausbaugesetze beschließen.

  • Größe:

    Die gesamte Ausbaustrecke zwischen Nittendorf und Rosenhof ist 27,1 Kilometer lang.

  • Kosten:

    Der Bund investiert 371,2 Millionen Euro in die Region – davon fast 114 Millionen Euro in den Ausbau.

  • Planung:

    Für die A3 zwischen Nittendorf und Regensburg muss zunächst ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Der Ausbau wird sich über Jahre hinziehen, auch weil die Sinzinger Autobahnbrücke neu gebaut wird.

Die IHK Regensburg spricht von einer notwendigen Entscheidung. Andernfalls hätte sich das Nadelöhr zwischen Kreuz Regensburg und Rosenhof nur in Richtung Westen verlagert, erklärt Manuel Lorenz, verkehrspolitischer Sprecher der IHK. Die Strecke sei zwischen Regensburg und dem westlichen Landkreis die wichtigste Verkehrsachse und wegen der Autobahnbrücke bei Sinzing für viele donauquerende Verkehre alternativlos.

Für die A3 zwischen Regensburg und Rosenhof könnte es laut Freudenstein noch in diesem Jahr Baurecht geben, vorausgesetzt das Projekt wird nicht beklagt. Für den neu hinzugekommenen Abschnitt zwischen Nittendorf und Regensburg muss zunächst ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Der Ausbau der A3 wird sich also über Jahre hinziehen. Freudenstein betont, dass mit dem Ausbau nicht alle Verkehrsprobleme der Region gelöst sein werden: „Stadt und Landkreis bleiben in der Pflicht, ihre Hausaufgaben zu machen und die Infrastruktur für unsere wachsende Region zukunftsfest zu gestalten.“

Auch in Richtung Niederbayern wird der Bund nachbessern: Bei Hengersberg soll die Autobahn ebenfalls ausgebaut werden. Kein Thema ist dagegen eine Erweiterun auf sechs Spuren zwischen Rosenhof und Straubing.

Mehr zum Themenbereich Verkehr in der Region Regensburg finden Sie hier: http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg/verkehr/

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  • FH
    Franz Huber
    16.07.2016 12:35

    Die Nachricht, dass der sechsspurige Ausbau der A3 zwischen Nittendorf und Autobahnkreuz Regensburg auf Grund der Initiativen regionaler Politiker im Beteiligungsverfahren zum Bundesverkehrswegeplan nun doch nachträglich in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wird, ist erfreulich und ist sicher zukünftig eine Verbesserung für die Gesamtverkehrssituation. Leider fehlte bei vielen verantwortlichen Politikern in der Vergangenheit, trotz veränderter Realität der vorausschauende Weitblick für die Gesamtregion. Für den lokalen und regionalen Verkehr, weiterhin ausschließlich auf die Fernverkehrsstraßen, A3 und A93 spätestens nach der deutschen Wiedervereinigung und der EU-Osterweiterung zu setzen - war und ist falsch, das zeigt sich jetzt deutlich. Das „Nadelöhr“ Pfaffensteiner Tunnel und die Stadtautobahn (A93) bleibt weiterhin bestehen. Die Errichtung von regionalen Verbindungen (Brücken) über die Donau halte ich mit Blick auf zukünftige E-Mobilität, Carsharingmodelle und verändertes Mobilitätserfordernisse im Großraum Regensburg (durch gestiegene Besiedelung) zusätzlich für geboten. Der erfreuliche zukünftige sechsspurige Ausbau der A3 von Nittendorf bis Rosenhof für den Fernverkehr löst nicht alle spezifischen Verkehrsinfrastrukturbedürfnisse der Gesamtregion. Die Zeithorizonte mit allen Unwägbarkeiten (Behinderungen während der gesamten Realisierungsphase, das ausstehende Planfeststellungsverfahren, Einspruchs, Klagewegmöglichkeit für unterschiedlichste Beteiligte und Initiativen) rückt die endgültige Realisierung in unrealistische Ferne. Übertriebene Euphorie ist deshalb nicht angebracht, sondern realistische, nüchterne Einschätzung. Das beklagte Verkehrsinfrastrukturprojekt der R30 (Südspange) im Landkreis und die derzeitigen Kontroversen zur Sallerner Regenbrücke sind negative Beispiele für endlose Verfahren.

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