mz_logo

Regensburg
Sonntag, 19. November 2017 7

Gesundheit

Acht Raucher mussten in die Druckkammer

Das Krankenhaus St. Josef meldet mehr Fälle von Kohlenmonoxid-Vergiftungen. Junge Leute unterschätzen das Risiko von Shishas.
Von Micha Matthes, MZ

Eine junge Frau raucht in einer Bar Shisha. Regensburger Mediziner warnen: Seit zwei Jahren kommt es beim Shisha-Rauchen gehäuft zu Unfällen. Foto: Soeren Stache/dpa

Regensburg.Ob Schokolade oder tropische Früchte: Wer eine Shisha-Bar besucht, wird sofort von einer wohlriechenden Duftwolke eingehüllt. Die Zahl der Menschen, die in diesem aromatischen Rauch aus blubbernden Wasserpfeifen Entspannung suchen, nimmt zu. Nicht nur in Cafés - auch im heimischen Wohnzimmer finden immer mehr Freude an der Shisha. Mediziner sehen mit Sorge, dass vor allem Jugendliche bedenkenlos zur Wasserpfeife greifen. Krebsexperten warnen vor Gesundheitsgefahren durch den Rauch und im Caritas-Krankenhaus St. Josef schlagen Ärzte wegen der Zunahme der Behandlungsfälle von Kohlenmonoxid-Vergiftungen Alarm.

Zwar rauchen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt immer weniger Menschen Zigaretten. Im Jahr 2007 wurden noch 251 Millionen versteuerte Zigaretten verkauft, 2016 waren es nur noch 205 Millionen. Im gleichen Zeitraum stieg der Konsum von Pfeifentabak aber deutlich an. Vor allem das Rauchen mit Wasserpfeife boomt. „Der Trend scheint ungebrochen“, sagt Privatdozent Dr. med. Michael T. Pawlik, Direktor der Klinik für Anästhesiologie am Krankenhaus St. Josef. Doch die wenigsten Nutzer wüssten um die Gefahr, die in den harmlos wirkenden Wasserpfeifen steckt: Kohlenmonoxid (CO). Der Rauch der Wasserpfeife enthält große Mengen dieses farb- und geruchlosen Gases.

Junge Menschen in Gefahr

Atmet der Mensch Luft mit erhöhtem Kohlenmonoxidgehalt ein, bindet sich das CO direkt an die Transportstelle für Sauerstoff in den roten Blutkörperchen. Über den Blutkreislauf wird es dann im ganzen Körper verteilt und kann so in alle Zellen wandern. „Besonders empfindlich reagieren hierauf Organe, die viel Energie in Form von Sauerstoff, verbrauchen“, sagt Pawlik. „Schon geringe Mengen des eingeatmeten Kohlenmonoxids können zu Schäden an Herz und Gehirn führen, größere Mengen sind sogar tödlich.“

Chefarzt Dr. Pawlik (vorne Mitte) und Dr. Meyringer (rechts) versorgen zusammen mit Harald Schramm eine Patientin. Foto: Caritas-Krankenhaus

In jüngster Zeit mussten in der Druckkammer des Krankenhauses St. Josef acht junge Patienten infolge des Shisha-Konsums behandelt werden. Die Patienten stammten vornehmlich aus Regensburg und seien zwischen 16 und 30 Jahren alt, sagt Pawlik. „Es ist sehr gefährlich, wenn so junge Menschen kollabieren und bewusstlos werden. Aufgrund von Sauerstoffmangel schaltet sich das Gehirn kurz aus. Man kann neurologische Schäden davontragen. Die Folgen können von leichten Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen über Persönlichkeitsveränderungen oder Parkinson-ähnlichem Zittern bis hin zu Schlaganfällen reichen.“ Bundesweit werden laut Pawlik pro Jahr rund 6000 Kohlenmonoxid-Vergiftungen gemeldet, ungefähr 600 Menschen sterben pro Jahr daran.

Mehr Rauch mit mehr Schadstoffen

Das tückische Gas ist zwar auch in Zigarettenrauch enthalten. „Im Normalfall ist der Gehalt an schädigendem CO jedoch in einem Bereich, den der Körper aushält, insbesondere, weil sich über Monate und Jahre hinweg ein Gewöhnungseffekt an das Gift einstellt“, erklärt Pawlik. Beim Shisha-Rauchen komme es seit zwei Jahren allerdings gehäuft zu Unfällen. „Zunehmend mehr Menschen mit CO-Vergiftung kommen nach St. Josef. Einerseits, weil der Rauch der Wasserpfeife eine große Menge an CO enthält“, sagt Pawlik. „Andererseits könnte es auch an schlecht gelüfteten Kneipenräumen, defekten Shisha-Pfeifen oder an übermäßigem Konsum liegen.“ Bereits 20 Prozent CO im Blut seien kritisch, sagt Pawlik. „Seit einiger Zeit haben wir Jugendliche hier, deren CO-Gehalt im Blut 30 Prozent und mehr beträgt. Das ist lebensbedrohlich und muss sofort behandelt werden.“

Die Patienten seien benommen, schläfrig, ihr Sehvermögen und die Motorik seien beeinträchtigt, sie können an starken Kopfschmerzen und Übelkeit leiden, von Schüttelkrämpfen gebeutelt werden. Nicht selten seien sie bereits bewusstlos, sagt Pawlik. Die Ärzte greifen für ihre Therapie auf die „Hyperbare Oxygenation“ (HBO) zurück: In der Druckkammer atmet der Patient dabei reinen Sauerstoff unter erhöhtem Umgebungsdruck ein. Während der HBO-Therapie kommt es zum Austausch des im Körper befindlichen Kohlenmonoxids gegen Sauerstoff.

Tückisches Gas

  • In St. Josef

    kommt die „Hyperbare Oxygenation“ auch nach Unfällen mit brennstoffbetriebenen Geräten, Tauchunfällen oder Suizidversuchen, beispielsweise durch das Einatmen von Autoabgasen, zum Einsatz.

  • CO ist

    an sich farb-, geruch- und geschmacklos. Es kommt überall vor, ist brennbar, giftig und hat dieselbe Dichte wie Luft. Die höchsten CO-Konzentrationen sind in geschlossenen Garagen und in Räumen mit schlecht ziehenden Öfen sowie im Tabakrauch zu finden.

Auch Dr. Katrin Schaller, Mitarbeiterin in der Stabstelle Krebsprävention beim Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, warnt vor den Folgen des Wasserpfeiferauchens. Der Unterschied zum Zigarettenrauchen bestehe darin, dass man bei Wasserpfeifen mit einem Zug ganz andere Rauchmengen aufnehme und damit auch größere Schadstoffmengen, sagt sie. Der Konsum könne zu Lungenkrebs, Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs, zu einer beeinträchtigten Lungenfunktion, zur Vergiftung durch Kohlenmonoxid, Lungenemphysem oder koronaren Herzkrankheiten führen. In der Schwangerschaft führe er dazu, dass Kinder ein geringeres Geburtsgewicht und möglicherweise Lungenkrankheiten haben.

„Es ist schon so, dass es tendenziell eher junge Menschen sind, die Wasserpfeifen verwenden“, sagt Schaller. „Der Unterschied besteht auch darin, dass man das in der Regel in Gesellschaft raucht. Die Zigarette hat man immer griffbereit in der Tasche, für eine Wasserpfeife sitzt man länger zusammen. Der soziale Faktor spielt eine wichtige Rolle.“

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht