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Regensburg
Donnerstag, 29. Juni 2017 27° 2

Justiz

Afghane klagt gegen Abschiebung

Ein 18-Jähriger schildert vor Gericht in Regensburg seine Fluchtgründe. BSZ-Lehrer haben sich für ihn eingesetzt.
von Sebastian Schmid, MZ

Der Regensburger Rechtsanwalt Philipp Pruy unterstützte Jussuf Saheb (Mitte), daneben der vom Gericht bestellte Dolmetscher. Foto: Schmid

Regensburg.Ob Jussuf Saheb (Name geändert) nach der Verhandlung am Dienstag vor dem Regensburger Verwaltungsgericht gut Karten hat, weiß er nicht. Denn das Urteil wird der Flüchtling in einigen Tagen schriftlich erhalten.

Der 18-Jährige, der 2015 auf der Balkanroute aus Afghanistan nach Bayern geflüchtet ist, gehört zu der Gruppe von Flüchtlingen, die nach einem im vergangenen Jahr von der EU mit seinem Heimatland geschlossenen Abschiebeabkommen wieder in ihr Herkunftsland zurückgeflogen werden sollen. Gegen den Bescheid, ausgestellt von der Regierung, hat Jussuf Klage beim Regensburger Verwaltungsgericht erhoben. Er will in der Bundesrepublik bleiben.

„Es herrscht die pure Angst“

Für das Anwaltshonorar sammelten die Lehrkräfte des BSZ Regensburger-Land, die dem 18-Jährigen ein allerbestes Zeugnis ausstellten, Geld. Auch der Nittendorfer Bäckermeister Harald Krois, bei dem Saheb seit längerem ein Praktikum absolviert, ist voll des Lobes über den arbeitswilligen Flüchtling, dem die Regierung eine Arbeitserlaubnis seit Monaten verweigerte.

Im Gerichtssaal des Verwaltungsgerichts am Haidplatz herrschte dichtes Gedränge. Viele Lehrkräfte zeigten sich mit Jussuf Saheb solidarisch. Sie hatten für ihn und seine Landsleute, denen die Abschiebung droht, Mitte Dezember eine Demonstration auf dem Kassiansplatz organisiert.

„Vor einem Jahr war noch klar, dass die meisten Afghanen in Deutschland bleiben dürfen“, berichtet Kathrin Brunner, die viele von ihnen an der Berufsschule betreut. „Heute herrscht bei allen die pure Angst.“ Im Falle von Jussuf komme hinzu, dass er praktisch einen Ausbildungsvertrag in der Tasche hat. „Das einzige, was noch im Weg steht, ist die Aufenthaltserlaubnis“, sagt die Pädagogin. Rechtsanwalt Philipp Pruy fragte beim Richter nach, ob es eine Tendenz gebe, wie die Entscheidung ausfallen werde. Dieser verneinte und betonte die Schwierigkeit des zu fällenden Urteils.

Morddrohungen von den Taliban

Jussuf schilderte dem Richter seine Situation. Sein Vater hatte in Afghanistan für die Regierung als Fernmeldetechniker gearbeitet. Als die Taliban ihn aufforderten, seine Posten aufzugeben, kam er der Forderung nicht nach, sagte der Flüchtling. Daraufhin wurde der Vater vor den Augen seiner Familie erschossen und das Haus in Brand gesteckt. Zunächst fand Jussuf, so erzählte er, Zuflucht bei einem Onkel, der ihn mit nach Pakistan nahm. Als er sich entschied, weiter zur Schule zu gehen und ebenfalls in den Staatsdienst einzutreten, erhielt er ebenfalls Morddrohungen.

Sein Onkel finanzierte dem damals 17-Jährigen die Flucht nach Deutschland, um ihn aus der Schusslinie zu bringen. Der Richter, der sich viel Zeit nahm, um die genauen Umstände zu erfragen, wollte wissen, was Jussuf bei einer möglichen Rückkehr nach Afghanistan drohe. „Die Taliban haben überall Spione. Wenn sie mich finden, bringen sie mich um“, antwortete er.

Wir berichten regelmäßig aus den Regensburger Gerichtssälen. Hier geht es zum Spezial.

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