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Gesundheit

Auch Wirte loben rauchfreie Kneipen

Nach vier Jahren tendiert die Kritik am Nikotinverbot in den Lokalen gegen Null. „Das hat sich eingespielt“, sagen die Gastronomen in Regensburg.
Von Gertrud Baumgartl, MZ

Langte ist es her, das in Kneipen noch geraucht werden durfte. Doch nach vier Jahren trauern die wenigsten den alten Raucher-Zeiten hinterher. Foto: dpa

Regensburg.Die Befürchtungen waren groß, als das Land Bayern eines der strengsten Nichtraucherschutzgesetze in der ganzen Republik erließ: Jetzt, vier Jahre später, ist es um das einstige Reizthema sehr still geworden. „Mir ist kein einziger Fall bekannt, wo ein Lokal wegen des Rauchverbots schließen musste“, sagt Ulrich Korb für den Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband. Im Gegenteil: In den nikotinfreien Räumen werde mehr und lieber gespeist als je zuvor. Allerdings habe es zu Anfang in kleinen Bars und Kneipen ohne Speiseangebote Umsatzeinbußen gegeben. Betroffene Wirte würden das kompensieren, so gut es geht. Wenig gelitten sind seiner Erfahrung nach nikotinfreie E-Zigaretten in Lokalen: Sie würden Raucher nur unnötigerweise dazu animieren, die echten Zigaretten aus der Tasche zu ziehen und so den Wirt zum Eingreifen zwingen.

„Einstellung hat sich geändert“

In Traditionswirtshäusern wie Kneitinger und Hofbräuhaus stellten sich die Stammtische ohne Widerworte um. Wer zu der immer kleineren Zahl von Rauchern gehört, geht in den Garten wie im Hofbräuhaus oder stellt sich vor dem Kneitinger auf den Arnulfsplatz. Nichtrauchende Stammgäste sind begeistert, weiß der Chef des Ordnungsamts, Rudolf Gruber. Die geringe Zahl der Bußgeldverfahren wegen eines Verstoßes gegen das Rauchverbot kommentiert er so: „Da hat sich die Einstellung geändert.“ 19 Mal gab es im Jahr 2013 ein Verfahren gegen einen Wirt oder einen Gast, drei davon wurden eingestellt. Während ein Kneipier, der schon öfters aufgefallen war, 600 Euro in die Staatskasse zahlen musste, kam der angezeigte Gast mit 25 Euro davon. Eine Ausnahme, so der Chef des Rechtsamts: Meistens würden nur Wirte zur Rechenschaft gezogen.

Auch private Feiern „ohne“

Dort, wo das Gesetz ausnahmsweise Rauchen toleriert, nämlich bei geschlossenen Gesellschaften, wird davon kein Gebrauch gemacht, erzählt Kneitinger-Wirtin Gabriele Reichinger: „Anfangs wurde bei mir bei Betriebsfeiern noch geraucht. Das hat aber von ganz alleine aufgehört. Offenbar haben die Nichtraucher Druck gemacht und gedroht, die Feier zu bestreiken, sollte geraucht werden.“ Letztlich habe ihr das Rauchverbot mehr Geschäft gebracht: „Jetzt kommen Leute zum Essen, die früher weggeblieben sind. Das heißt, der Umsatz bei Speisen hat sich erhöht, während der Getränkeumsatz gleichgeblieben ist.“

Gerti Schafbauer, Seniorwirtin im Hofbräuhaus, kann das nicht ganz so unterschreiben. „Früher sind die Leute bei einem Bier und einer Zigarette länger sitzen geblieben. Das hat sich geändert. Aber ein Grund zum Jammern ist es nicht.“ Michael Scharff, Wirt in der Hubertushöhe, freut sich aus dem selben Grund darüber, dass abends früher Schluss ist. Trotzdem findet er: „Das Geschäft bei uns ist besser geworden.“ Nur hin und wieder höre er noch Gäste schimpfen. Feiern bei ihm geschlossene Gesellschaften, erlebt er Ähnliches wie Gabriele Reichinger: „Die Leute rauchen von sich aus nicht, weil sie nicht schief angeschaut werden wollen.“

„Alles wunderbar“

Ein weiterer Fan des Rauchverbots ist Winfried Freisleben vom Leeren Beutel. „Im Unterschied zu einfachen Eckkneipen ist es für mich einfach nur wunderbar, wenn nicht geraucht wird“, sagt er. Auch bei geschlossenen Gesellschaften werde verzichtet: „Da hatte ich von Anfang an kein Problem.“ Für das Personal sei die Nikotin-Freiheit ein Segen: „Früher bekamen wir wegen der Klimaanlage an der Theke ständig Rauch ins Gesicht. Jetzt ist es viel angenehmer und die Kleidung stinkt nicht mehr. Der einzige negative Aspekt für ihn: Wenn die Gäste vor die Tür gehen, landen die Kippen auf der Straße, zumindest im Winter. Wenn nämlich der Freisitz nicht in Betrieb ist, verbiete die Stadt sogar ein Tischchen mit einem Aschenbecher vor der Tür.

Karin Griesbeck, die mit der neuen Filmbühne eher das studentische Publikum bedient, hat sich wie alle anderen mit dem Rauchverbot arrangiert. Mit einem kleinen Seufzer: „Jetzt ist ein ständiges Raus und Rein, wenn ganze Tische aufbrechen, um vor die Tür zu gehen. Früher war das gemütlicher.“ Das findet auch Ronny, früher dort Stammgast. Er hat Konsequenzen daraus gezogen, wie er erzählt: Als eingefleischter Raucher geht er nach einem Bier heim.

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