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Regensburg
Donnerstag, 26. Mai 2016 26° 2

MZ-Themenwoche

Auto, Rad, Bus: Wer macht das Rennen?

Mit welchem Verkehrsmittel kommt der Regensburger am schnellsten vom Candis-Viertel zum Westbad? Wir machen den Test.
Von Martin Kellermeier und Norbert Lösch, MZ

Regensburg.Die Aufgabe war klar: Die MZ wollte wissen, mit welchem Verkehrsmittel der Regensburger am schnellsten vom Candis-Viertel bis zum Westbad kommt. Nur wer macht das Rennen? Das Auto? Der Bus? Oder doch das Fahrrad? Um das herauszufinden ist MZ-Reporter Martin Kellermeier mit Auto und Fahrrad die Strecke abgefahren, MZ-Reporter Norbert Lösch ist Bus gefahren. Welches Verkehrsmittel ist ihr Testsieger? Nach ihren drei Erfahrungsberichten verraten sie das im MZ-Video.

Unterwegs mit dem Auto

Startpunkt: Zuckerfabrikstraße. Heizung an, die Scheibenwischer tun ihr übriges. Ich rechne mit dem Schlimmsten, bin richtig pessimistisch eingestellt. Die Ampel schaltet auf grün um. Es geht los. Der Verkehr in der Straubinger Straße fließt. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. So darf es bitte weitergehen! Blinker rechts, Ampel grün: Ich biege in die Nordgaustraße ein. So sagt es mir mein Navi. Nebenbei entdecke ich eine interessante Zahl im Display: Ankunft 17.13 Uhr. Ob das stimmt? Ich kann es nicht glauben.

Schon gar nicht, wo ich jetzt ein rotes Lichtermeer vor mir sehe – und das nach drei Minuten Fahrtzeit! Stoßstange an Stoßstange schiebt sich die Autowalze in Richtung Donau-Einkaufszentrum. Jetzt nur nicht die Konzentration verlieren. Der eine will die Spur von links nach rechts wechseln, der andere genau umgekehrt. Ich muss mich ärgern. Ich will links abbiegen, aber die Ampel bleibt nicht lange grün. Dann warten wir eben.

Auf meiner Spur geht gar nichts mehr.

Die Autos auf der Walhalla-Allee dürfen gerade fahren. Ich stelle fest: Nicht nur Pendler sind um diese Uhrzeit unterwegs. Dazwischen fahren auch immer wieder Lastwagen, die alles noch mehr verstopfen. Nach zwei Minuten Standkonzert auf der Linksabbiegerspur geht’s für mich endlich weiter. Aber nicht lange. Stau in der Frankenstraße. Auf meiner Spur geht gar nichts mehr.

Stau in der Frankenstraße. Leider keine Seltenheit. Foto: Lex

Ein Lkw-Fahrer meint, dass er sich mit seinem Gefährt auf die linke Spur drücken muss und nimmt prompt einem Auto hinter ihm die Vorfahrt. Hätte der Brummi-Fahrer jetzt seine Führerscheinprüfung gehabt, dann hätte die der Mann vom TÜV vorzeitig beendet.

Ich werde zum Kombinierer: Erster Gang, zweiter Gang, erster Gang und so weiter... Ich stehe an der Ampel direkt beim Regina-Kino. Der Vorteil: Ich sehe, was heute so für Filme laufen. Aber dafür habe ich jetzt auch keine Zeit: Der Stop&Go-Modus geht weiter. Trotzdem ist Besserung in Sicht. Das habe ich hier schon ganz anders erlebt. Zehn Minuten Fahrtzeit sind rum: Ich bin an der Kreuzung Frankenstraße/Drehergasse und hab jetzt richtig Glück mit der Ampelschaltung. Aber jetzt kommt gleich die Autobahn. Ein vorsichtiger Blick auf die Autobahnbrücke: Läuft der Verkehr? Gerade ja. Ich darf gleich auf der Abbiegespur der A93 bleiben. Denn in Regensburg-West muss ich schon wieder runter.

Und da treffe ich einen alten Bekannten: den Drängler-Lkw. Er hat’s also trotz sportlicher Fahrweise nicht schneller in den Westen geschafft. Ein letzter Blick aufs Navi: Ankunft am Westbad in einer Minute. Und es hat recht: 60 Sekunden später bin ich mit zwei Minuten Verspätung am Ziel: Es ist jetzt 17.15 Uhr.

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Mit dem Fahrrad entlang der Donau

Mit warmen Handschuhen kann es losgehen, wieder pünktlich um 17 Uhr in der Südzuckerstraße. Das Ziel: Wieder der Westbadparkplatz. Auf einer Karte habe ich im Voraus einen Vorteil herausgelesen: Ich muss deutlich weniger Ampeln passieren, wie mit dem Auto. Ein weiterer Plan: So schnell es geht auf den Radweg direkt neben der Donau kommen. Und das mache ich auch. Über die Babostraße komme ich zur Donaulände.

Direkt entlang der Donau kann man auf einem Radweg in Richtung Westen fahren. Foto: Kellermeier

Auf dem Weg fällt mir auf: Der Split auf den Radwegen ist richtig gefährlich und verlängert den Bremsweg deutlich. Der Radweg ist durch das feuchte Wetter richtig schmierig und matschig. Viele Spaziergänger sind unterwegs, einige auch mit dem Hund. Da muss man aufpassen als Radfahrer. Fünf Minuten Fahrzeit sind vorbei und ich bin direkt vor dem Villa-Park.

Jetzt wirds ein wenig tricki: Ich muss durch die Thundorfer- und Keplerstraße durch und kann erst am Ende der Holzländestraße wieder auf meinen Radweg abbiegen. Die Busse auf der Straße sind aber kein Hindernis. Im Gegenteil: Geduldig bleiben die Fahrer hinter mir und setzen nicht zu einem Überholmanöver an. Das finde ich gut! Was auffällt: Ich bin nicht der einzige mit dem Drahtesel: Um diese Uhrzeit sind wirklich viele Fahrradfahrer unterwegs. Viele von ihnen haben den Aktenkoffer am Gepäckträger gezwickt oder den Arbeitsrucksack umgeschnallt. Ich fahre gerade an der Wurstkuchl vorbei. So ein Bratwurst-Kipferl wär jetzt nicht schlecht. Aber das würde mein Experiment verfälschen...

Mit der richtigen Kleidung macht Fahrrad fahren auch im Winter Spaß.

Und schon klingelt wieder mein Handy. Es erinnert mich, dass ich schon seit zehn Minuten unterwegs bin. Bis zum Eisernen Steg habe ich es jetzt schon geschafft. Zwischenfazit: Wenn man gemütlich dahinfährt, ist das Radfahren nach der Arbeit keine allzu große Belastung. Nein, ich muss sogar zugeben: Die frische Luft tut mir richtig gut.

Endlich wieder am Radweg zurück. Hier gibt es zum einen keine Busse und zum anderen eine super Aussicht gratis mit dazu. Eine Fahrt direkt neben der Donau kann so schnell einfach nichts toppen. Halt, stopp! Mit aller Kraft drücke ich die Bremse. Ein Jugendlicher stürzt direkt vor mir mit seinem Fahrrad. Das war jetzt wirklich knapp, dass da nicht mehr passiert ist. Eine Sekunde später reagiert und ich würde jetzt auch am Boden liegen. Der junge Mann wischt sich den Dreck von den Händen, rückt den Helm zurecht und steigt wieder auf sein Mountainbike. „Nichts passiert“, ruft er mir noch zu und tritt in seine Pedale.

Ich bin gleich am Ziel. Nach 15 Minuten bin ich auf Höhe des Sportplatzes am Weinweg. Über den komme ich in die Messerschmittstraße und da zum Westbad. Um 17.17 Uhr stoppe ich die Zeit. Ich nehme die Handschuhe ab und stelle fest: Mit der richtigen Kleidung macht Fahrrad fahren auch im Winter Spaß.

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Einmal Umsteigen beim Busfahren

Nach einem kurzen Check mit dem Fahrplanrechner des RVV weiß ich: Die schnellste „öffentliche“ Verbindung vom Candis-Viertel zum Westbad ist die Kombination der Linien 10 und 6 mit Umstieg am Dachauplatz. Der Rechner spuckt Fahrzeiten von 34 Minuten hin (zum Westbad) beziehungsweise 37 zurück (zur Bushaltestelle Zuckerfabrikstraße) aus.

Gilt das auch für die Rushhour? Ich mache den Test und fahre die Route gleich zweimal: An einem Wochentag, nachmittags zwischen 15 und 16 Uhr und zwei Stunden später, zwischen 17 und 18 Uhr. Um es vorweg zu nehmen: Die Fahrten dauerten fast auf die Minute exakt so lange wie berechnet. Verblüffend: Im Feierabendverkehr, der angeblich stets die ganze Innenstadt lahmlegt, ging es sogar noch eine Minute schneller. Die zwei Minuten Verspätung, die die Linie 10 bei der Abfahrt vom Candis-Viertel hatte, wurden ab dem Dachauplatz locker wieder reingeholt.

Dafür sorgten unter anderem eine fast durchgehend grüne Welle vom Arnulfsplatz bis zum Westbad und Busspuren, auf denen der Fahrer schnell mal an Autos vorbeizieht. Je näher die Busse dem Zielpunkt kommen, desto schneller sind sie; zeitraubend sind wie immer die Fahrt durch die Altstadt und das Umsteigen.

Nach 20 Minuten erreicht der Bus die Haltestelle beim Eisernen Steg. Foto: Kellermeier

Vom Candis-Viertel aus brauche ich also rund 35 Minuten zum Westbad. Im Fünf-Minuten-Takt passiert die Linie 10 das Ostentor, fährt den Dachauplatz an (Umsteigezeit fünf bis sieben Minuten), dann geht es mit dem 6er weiter über den Eisernen Steg/Keplerstraße, die Ostdeutsche Galerie und die Clermont-Ferrand-Schule (Boessnerstraße) zum Westbad. In umgekehrter Richtung sind die in jeweils fünf Minuten zurückgelegten Strecken nahezu identisch.

Die Pünktlichkeit war vorbildlich.

Mehr als eine halbe Stunde vom Osten in den Westen der Stadt und umgekehrt – das ist nicht rekordverdächtig. Allerdings war die Pünktlichkeit vorbildlich und die Verbindungen waren punktgenau berechnet, ohne beim Umsteigen rennen zu müssen. Ohne den Wechsel von der Linie 10 auf den 6er und umgekehrt könnte die Fahrzeit knapp unter einer halben Stunde liegen. Das ist zwar auch nicht überragend schnell, aber die Busse müssen ja auch an mehr als einem Dutzend Haltestellen stoppen und Fahrgäste aus- und einsteigen lassen.

Die finden dann, wie ich auch, nicht immer einen freien Sitzplatz. Eine Viertelstunde wie in einer aufgestellten Ölsardinendose, eingequetscht zwischen Dauertelefonierern und Großeinkäufern, das macht nicht wirklich gute Laune. Andererseits: Lieber sind die Busse voll als leer, denn nur mit einer ordentlichen Auslastung wird der ÖPNV besser.

Nach ihren Testfahrten haben die MZ-Reporter gemeinsam ihr Fazit gezogen und den Testsieger ermittelt. Wer das ist? Im MZ-Video erfahren Sie es.

Norbert Lösch und Martin Kellermeier sind jeweils um 17 Uhr mit Bus, Auto und Fahrrad vom Candis-Viertel bis zum Westbad gefahren. Im MZ-Video verraten sie ihren Testsieger und ziehen ein Fazit. Video: Ebneth

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