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Regensburg
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Fest

Bei Abschiedsgala hält der OB Händchen

Im Theater feierten die Regensburger Hans Schaidinger. Der Machtpolitiker kann sensibel sein, musste manche Spitze hinnehmen und verriet seine Pläne.
Von Marion Koller, MZ

  • „Ohne euch wäre ich heute nicht hier“: Bei der Abschiedsgala im Stadttheater dankte Hans Schaidinger seiner Mutter und seiner Gattin Edelgard. Alle Fotos: altrofoto.de
  • Die Schauspieler Martin Hofer und Adele Neuhauser traten als Faust und Mephisto auf – wie in der legendären Inszenierung von Michael Bleiziffer aus dem Jahr 1996, als Schaidinger OB wurde.
  • Das Ballett-Ensemble tanzte „You Fucking Did It“.
  • Schaidinger betonte, er gehe ohne Wehmut und werde sich völlig aus der Politik verabschieden.
  • Moderatorin Ursula Heller vom BR fragte Weggefährten nach dem Menschen Schaidinger.
  • Faszinierende Solisten sangen für den scheidenden OB.
  • Auf einer Wolke schwebte diese Sängerin herein.

Regensburg.Das Programm der Abschiedsgala am Mittwochabend im Stadttheater für den scheidenden OB Hans Schaidinger wurde bis zum Schluss geheim gehalten. Intendant Jens Neundorff von Enzberg hat mit der Tanz-, Musik- und Schauspielrevue einen mitreißenden Abend geschaffen. 450 Regensburger aus dem wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Leben feierten mit Schaidinger. Weitere wünschten – wie Fürstin Gloria und etliche Passanten in der Altstadt – in Videobotschaften Glück.

Es gab viele Höhepunkte bei der Gala, besonders aber drei. Die Stars Adele Neuhauser und Martin Hofer spielten eine Szene aus der legendären „Faust“-Inszenierung von Michael Bleiziffer aus dem Jahr 1996, dem ersten Amtsjahr Schaidingers. Neuhauser hatte dafür eigens die Tatort-Dreharbeiten unterbrochen.

„Dieser Blick hat mich motiviert“

Sehr berührend war es, als Schaidinger, der mehrmals als durchsetzungsstarker Machtmensch charakterisiert wurde, zum Schluss seine Ehefrau Edelgard und seine Mutter auf die Bühne holte. Er hielt beide an der Hand, erzählte, dass ihn der Blick seiner Frau stets motiviert und beruhigt habe. „Immer dann, wenn ich diesen Blick gebraucht habe, habe ich ihn bekommen.“ Seine Eltern hätten sich für den Sohn eine Laufbahn als Sparkasseninspektor gewünscht, was er aber verweigert habe. Die Entscheidung, Volkswirtschaft zu studieren, habe sie zunächst enttäuscht. „Als ich OB wurde, war meine Mutter aber stolz“, schilderte der 65-Jährige. „Ich habe ihr viel zu verdanken.“

Eine schöne Idee von Jens Neundorff von Enzberg: Er lud die „Fantastischen Fünf“ ein, die sich zum Menschen Schaidinger äußern sollten. Mit dabei waren Nürnbergs OB Ulrich Maly, Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Dr. Andreas Wendt, Chef des BMW-Werks Regensburg, und der emeritierte Wirtschaftsprofessor Dr. Wolfgang Wiegard. „Sie haben es mit Seehofer nicht leicht, ist es mit Schaidinger auch so?“, wollte Moderatorin Ursula Heller vom Bayerischen Fernsehen von Spaenle wissen. Dieser meinte: „Wir beide haben einen Dickkopf und gehören dem Verein für klare Aussagen an.“ Maly bestätigte, Schaidinger habe nie Everybody’s Darling sein wollen, sei aber hoch angesehen.

Dr. Wendt bescheinigte dem scheidenden OB, im einst recht provinziellen Regensburg eine bemerkenswerte Mischung aus Kultur und Wirtschaft, Jung und Alt, Ausländern und Einheimischen geschaffen zu haben. Auch besitze er eine ungewöhnliche Fähigkeit, Dinge durchzusetzen. Wendt beschrieb den eindringlichen Blick und die konzentrierte Körperhaltung Schaidingers, wenn dieser Gesprächspartner überzeugen will. Das Gegenüber habe dann keine Wahl.

Der frühere Wirtschaftsweise Wiegard hatte bei Weggefährten Schaidingers recherchiert und kam zu dem Schluss: „Wenn die Leute über mich halb so gut reden wie über ihn, bin ich zufrieden.“ Er riet dem Regensburger, einen Sitz im Kabinett ins Auge zu fassen, doch dieser winkte ab. Hans Schaidinger betonte, wer lange an der Spitze gestanden sei, wolle nicht in München die Nummer vier sein. Er habe seiner Frau versprochen, die Arbeitszeit auf die Hälfte zu reduzieren. Bei Nachfolger Joachim Wolbergs werde er sich nicht einmischen. Bischof Voderholzer empfahl dem „Vollblutpolitiker“, jungen Leuten seinen Enthusiasmus zu vermitteln.

Eingangs hatte Bürgermeister Gerhard Weber angekündigt, die Verabschiedung werde „ganz großes Theater“ – und im doppelten Sinne des Wortes nicht zu viel versprochen. Schaidinger habe sein darstellerisches Talent im Stadtrat bewiesen. Er sei ein großer Mime, sagte Weber augenzwinkernd. Manchmal habe er den unnachsichtigen Gottvater gegeben, zuweilen den guten Petrus aus dem „Brandner Kaspar“. Schaidinger sei ein „Vertreter des harten, ungeschminkten Realismus“.

Ein künstlerisches Feuerwerk

Das wahre Theater, ein künstlerisches Feuerwerk, präsentierte Jens Neundorff von Enzberg: Das Philharmonische Orchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Tetsuro Ban spielte Johann Strauß, Verdi und vieles mehr. Das Ballett-Ensemble tanzte „You Fucking Did It“. Besonders beeindruckten die Cellistin Joanna Sachryn, die Sänger Seymur Karimor, Yinjia Gong, Markus Engelstädter und der Opernchor.

Auf die Frage von Moderatorin Heller, ob er mehr mit der Stadt oder seiner Frau verheiratet sei, räumte Schaidinger ein: „Meine Frau würde sagen, mit der Stadt, und ich glaube, sie hat recht.“ Das werde sich ändern. Vor Ostern habe er „trainiert“, um 18.30 Uhr nach Hause zu kommen. Sein Fazit: „Ich muss das lernen.“ Er habe vor, mit seiner Gattin zu reisen und sich der Familie zu widmen. „Es war heute so schön. Können wir das morgen nochmal machen?“, schloss der Noch-OB sichtlich gerührt, nachdem er auch noch mit dem Spatzen-Quartett gesungen hatte. Schließlich bekannte er, OB zu sein, sei wunderbar gewesen, „wenn ich keine Familie hätte, hätte ich auch Geld dafür bezahlt“. Doch er gehe ohne Wehmut.

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