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Regensburg
Montag, 20. November 2017 7

Hilfe

Beim Donaustrudl wird das Geld knapp

Die soziale Straßenzeitung braucht finanzielle Unterstützung nach dem Umzug aus der Innenstadt in den Osten: Es fehlen rund 15 000 Euro Spenden.
von Bettina Griesbeck, MZ

  • Die Bücherkiste des Donaustrudls bleibt im Herzen der Altstadt auf dem Kornmarkt weiterhin den treuen Kunden erhalten. Fotos: Griesbeck
  • Das Gebäude mit Büro und Laden.
  • Hier findet sich der Donaustrudl.
  • Die Bücherregale füllen sich.

Regensburg.In der Altstadt gibt es nicht nur prägnante Bauwerke, die das Postkartenpanorama unverwechselbar und individuell gestalten. Es sind vor allem besondere Menschen, die täglich beim Schlendern durch die Gassen immer wieder ins Auge stechen. Diese Menschen sind es, die der Domstadt eine unverwechselbare Persönlichkeit einhauchen. Teil dieser persönlichen Note der Stadt sind die Verkäufer des Sozialmagazins Donaustrudl, die bei Wind und Wetter in den Einkaufsmeilen stehen und immer ein nettes Lächeln bereithalten oder für ein Gespräch zu haben sind.

Aufruf: „Jeder braucht mal Hilfe“

Das Büro des Donaustrudls befand sich bis vor wenigen Monaten noch mitten in der Altstadt in der Steckgasse 6. Als sich das Obermünsterviertel zu Beginn des Jahres mehr und mehr in eine Baustelle verwandelte, sah sich der soziale Verein gezwungen, kostengünstig auszuweichen. Der Umzug in die neuen Räume ist mittlerweile geschafft und der Donaustrudl ist in der Dr.-Theobald-Schrems-Straße 4 bereits heimisch geworden. Vereinzelt finden sich noch unaufgeräumte Kisten oder Unterlagen, doch die Arbeit im neuen Bücherverkauf und dem sich auch dort befindendem Büro hat sich eingespielt.

„Wir haben den ganzen Umzug selbst geleistet. Das ging aber nur mit dem tatkräftigen Anpacken von ehrenamtlichen Helfern, Verkäufern und unserem Auto“, erinnert sich der Vorsitzende des Vereins Donaustrudl, Stephan Witzmann, an den Ortswechsel in die neuen Räume im Stadtosten. Damit habe der Verein bereits viel Geld gespart, meinte Witzmann: „Es ist für den Donaustrudl eine Verbesserung von 300 Euro für die monatlich anfallenden Fixkosten.“

Trotz der genutzten Möglichkeiten für einen kostengünstigen Umzug fehlt dem Donaustrudl immer noch ein Betrag von rund 15 000 Euro, um Mietkaution, Provision und nötige Neuanschaffungen zu berappen. „Was uns zusätzlich sehr zugesetzt hat, war das extrem schlechte Wetter im Februar. Wir konnten dadurch nur die Hälfte der Auflage des Sozialmagazins verkaufen und auf dem Rest sind wir sitzengeblieben“, sagt Witzmann.

Doch nicht nur das in Regensburg sehr beliebte Sozialmagazin Donaustrudl ist von der finanziellen Schieflage des Vereins betroffen. Besonders die Arbeit für und mit den bedürftigen Menschen sollte nicht unter dem Umzug leiden, meint Witzmann. Mit Hilfe zur Selbsthilfe, die der Donaustrudl leistet, könnte nur rund 30 bis 40 Prozent der Bedürftigen geholfen werden, führt Witzmann weiter aus. „Allerdings finden gerade junge Leute bei uns den Weg zurück in die Arbeit und auch wieder Wohnraum.“ Stolz sei man im Verein darauf, dass beim Donaustrudl nie jemand, der zu ihnen kommt, länger oblachlos sei: „Das ist unser größter Erfolg und die meisten Verkäufer bleiben bei uns bis zum Schluss“, fügt Witzmann an. Mit „Schluss“ meint Witzmann den Tod: Seit der Gründung des Vereins gab es mittlerweile 22 Verkäufer zu betrauern. Auch hier leistet der Verein noch Arbeit, sagt Witzmann: „Wir besuchen und pflegen die Gräber. Bei uns wird keiner vergessen.“

Verein benötigt dringend Spenden

Um Menschen, die auf irgendeine Art und Weise in eine soziale Schieflage gekommen sind, will sich der Verein weiterhin trotz der Geldsorgen kümmern. „Wenn die Leute bei uns sind, haben sie eine Aufgabe, eine sinnvolle Arbeit und überhaupt jemand, der ihnen zuhört und hilft. Wenn sie heimgehen, sind sie wieder allein“, erzählt Witzmann.

Für den Donaustrudl ist es ein menschliches Anliegen, diesen Leuten etwas Gutes zu tun – aber dafür braucht man auch Geld. „An Weihnachten beispielsweise gibt es bei uns vormittags immer ein gemeinsames Würstelessen und nachmittags gehen wir ins Theater“, erinnert sich Witzmann an diesen speziellen Tag im Jahr, an dem sich das Alleinsein um einiges einsamer anfühlt als sonst. „Irgendwann gehen wir Betreuer abends auch zu unseren Familien, aber mit dem Gefühl, den Menschen noch einen schönen Tag bereitet zu haben.“

Solche Aktionen sind allerdings nur möglich, wenn die finanziellen Mittel dafür ausreichen. Aus diesem Grund stampften zwei Sponsoren, des Vereins, als sie von den Geldsorgen erfuhren, die Spendenaktion „Jeder braucht mal Hilfe“ aus dem Boden. „Die Werbeagentur Janda und Roscher entwarf kostenlos Flyer und Plakate für den Donaustrudel und die Eckert Schulen übernahmen die Ausgaben für den Druck“, freut sich Witzmann über die große Hilfsbereitschaft der Sponsoren.

Inzwischen läuft die Sammelaktion seit einem Monat: „Bisher haben wir rund 200 bis 300 Euro zusammen, was leider bei Weitem noch nicht ausreicht, um alle entstandenen Umzugskosten zu decken. Aus diesem Grund freuen wir uns sehr über jeden, der dem Donaustrudl helfen will“, sagt Witzmann. Neben einer finanziellen Spende freut sich das Donaustrudl- Team auch über Sachspenden oder Unternehmen, die als Sponsor dem Sozialprojekt helfen wollen.

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