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Wetter

Blühende Kirschbäume vor Weihnachten

Das Wetter schlägt Kapriolen und das hat Folgen. In Regensburg stehen Kirschbäume in Blüte. Und es bleibt weiter warm.
Von Heinz Klein, MZ

Der Kirschblaum im Innenhof des Stadtgartenamts hat an zwei Zweigen Blüten angesetzt. Foto: Klein

Regensburg.Wer mit wachem Blick in der Luitpoldstraße unterwegs ist, der dürfte sich verwundert die Äuglein reiben: Blüten vor einem Geldinstitut! Ein Schelm, wer da an Falschgeld denken würde. Am Stobäusplatz blühen tatsächlich die Kirschbäume – und das kurz vor Weihnachten! Ist es jetzt schon so weit mit dem Klimawandel?, denkt man sich unwillkürlich und erinnert sich vielleicht an die Geschichte mit den Barbarazweigen. Diese Obstbaumzweige werden am 4. Dezember geschnitten, im Warmen gehalten und erblühen dann zu Weihnachten. Doch heuer braucht man sie offensichtlich nicht mehr abschneiden und ins gut geheizte Wohnzimmer stellen – sie blühen ja nun schon im Freien.

Vor dem Bankgebäude am Stobäusplatz steht eine Reihe von Kirschbäumen in voller Blüte. Foto: Lex

„Das sind Anlässe zum Wundern, aber keine Wunder“ schmunzelt Dietrich Krätschell. Es sei selten, aber in außergewöhnlich warmen Perioden könne es im Winter durchaus einmal vorkommen, dass Kirschbäume zu blühen beginnen, weiß der Leiter des Stadtgartenamts. Diese Laune der Natur erlaubt sich auch einer der Kirschbäume im Innenhof des Gartenamts, allerdings probehalber nur an zwei Zweigen.

Die Kirschbäume vor dem Gebäude der ehemaligen PSD-Bank, die sich nun in „meine Bank“ umbenannt hat, sind da schon vorwitziger und stehen bereits in nahezu voller Blüte da. Auch die Zaubernuss im Gartenamt hat übrigens schon winzige Blütenknospen angesetzt. Sie gehört aber zu den allerersten Frühblühern im Jahr. Unter den Obstbäumen gilt die Kirsche als früher Blüher. Japanische Kirschbaumarten sind dabei besonders früh dran.

Erst nach Erreichen einer Kältesumme beginnen Pflanzen zu blühen, sagt der Botaniker Volker Debus.

Volker Debus, der Leiter des Botanischen Gartens der Universität Regensburg, liefert uns Hintergründe zu diesem Phänomen. Pflanzen schützen sich mit einem Hormon davor, zu früh im Jahr zu blühen und dann beim Einbruch der nächsten Kälteperiode durch das Erfrieren der Blüten bestraft zu werden. Dieses den Blühvorgang unterdrückende Hormon (Abscisinsäure) wird durch Kälte abgebaut, erklärt Debus. So kann eine Pflanze erst nach einer gewissen Anzahl von kalten Tagen, in denen das Hormon abgebaut wurde, mit dem Blühen beginnen. Das Erreichen der sogenannten Kältesumme sei von Pflanzenart zu Pflanzenart unterschiedlich, erzählt der Botaniker.

Im Botanischen Garten der Universität Regensburg wächst beispielsweise der sibirische Hundszahn, der eine so hohe Kältesumme braucht, dass er im milden Holland überhaupt nicht blühen würde. Und wenn es bei uns mit dem unwinterlichen Winter so weiter geht, wird sich der sibirische Hundszahn möglicherweise auch bei uns das Blühen verkneifen.

Weitere Faktoren, die das Blühen von Pflanzen beeinflussen, sind Licht und Tageslänge. Richtig kritisch würde es für die Pflanzen allerdings erst, wenn die Blattknospen austreiben und die nährstoffleitende Kambiumschicht unter der Borke bereits aktiviert ist und dann von Frost in Mitleidenschaft gezogen wird, sagt Volker Debus.

Temperaturen bis 13 Grad

Nach den derzeitigen Wetterprognosen dürften die Kirschen wohl auch in der Weihnachtswoche weiterblühen. Über die Feiertage erwarten die Meteorologen Temperaturen bis 13 Grad. Das Jahr 2015 wird sich dann demnach im Grünen verabschieden.

Die Wetteraussichten für die Region gibt es hier.

Regensburger Greenpeace-Aktivisten mischten sich in Badebekleidung auf den Weihnachtsmärkten unters Publikum und machten auf den Klimawandel aufmerksam. Foto: Greenpeace

Die viel zu hohen Temperaturen riefen auch Regensburger Greenpeace Aktivisten auf den Plan, die sich in Badegarnitur auf den Weihnachtsmärkten unters Volk mischten und auf den Klimawandel aufmerksam amchten. „Der neue Klimavertrag von Paris sollte sehr ernst genommen werden und konkrete Taten müssen endlich folgen.“ sagt Monika Feneis von Greenpeace Regensburg. „Wir brauchen einen zügigen Wechsel zu erneuerbaren Energien und den Ausstieg Deutschlands aus der Kohleindustrie!“

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Keine Aussicht auf weiße Weihnachten

Tradition und Biochemie

  • Die Tradition der Barbarazweige

    Barbarazweige sind Obstbaumzweige, die nach alter Tradition am 4. Dezember, dem Gedenktag der heiligen Barbara (Barbaratag), geschnitten und in einer Vase im Warmen aufgestellt werden. Je nach Gegend und Brauchtum werden Kirsch-, Apfel-, Birken-, Haselnuss-, Rosskastanien-, Pflaumen-, Holunder-, Rotdorn- oder Forsythienzweige verwendet. Sie sollen bis zum Heiligen Abend blühen und in der kalten und düsteren Winterzeit zum Weihnachtsfest Schmuck in die Wohnung bringen. Es gibt zudem mancherorts den Brauch, dass die jungen Mädchen jedem einzelnen Zweig den Namen eines Verehrers zuweisen. Der Zweig, der zuerst blüht, soll auf den zukünftigen Bräutigam hinweisen.

  • Ein Hormon steuert die Blüte und Samenruhe

    Abscisinsäure ist ein Pflanzenhormon, das für die Steuerung von Wachstum und die Samenruhe verantwortlich ist. Zudem hemmt Abscisinsäure das Blühen und schützt die Pflanze vor frühzeitigem Blühen bei Wärmeperioden in der kalten Jahreszeit.

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