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Regensburg
Montag, 11. Dezember 2017 3

Umwelt

BN ruft zur Demo an Biotop im Stadtosten

Vom Vogelbiotop zum Industriegebiet: Diese Entwicklung will der Bund Naturschutz stoppen. Am 25. wird demonstriert.
Von Heinz Klein, MZ

Einer der Schlämmteiche im Morgennebel: Wertvolles Biotop und begehrtes Bauland Foto: Klein

Regensburg. Die ehemaligen Schlämmteiche im Osten Regensburgs, in die die Zuckerfabrik einst täglich bis zu 40 000 Kubikmeter Donauwasser und Rübenschlamm pumpte, trocknen zunehmend aus. Ein Vogelparadies sind sie dennoch, Heimat für Blaukehlchen, Flußregenpeifer und eine Hundertschaft anderer, teils bedrohter Tierarten. Bund-Naturschutz-Vorsitzender Raimund Schoberer spricht gerne von einem ökologischen Hotspot, doch das Land ist auch ein ökonomischer Hotspot. „Es ist die letzte Chance, ein großes, zusammenhängendes Gewerbegebiet im Osten der Stadt zu entwickeln“, sagt Immobilienentwickler Ferdinand Schmack.

BN: Eine Halle ohne Genehmigung

Die zweite Halle im Areal der Schlämmteiche ist fast fertig. Foto: Klein

Die Natur musste schon zusammenrücken, eine erste große Halle für einen BMW-Zulieferer entstand. „Der Bau im Außenbereich hätte nicht genehmigt werden dürfen“, sagte Schoberer nun bei einer gemeinsamen Pressekonferenz von BN, LBV und Donau-Naab-Regen-Allianz. Nun wird gerade eine zweite Halle fertig, gegen deren Bau die Verwaltung große Bedenken hegte, sagte der BN-Vorsitzende. Unterschrieben habe dafür dann OB Joachim Wolbergs, der anregte, für die weitere Entwicklung des Gebietes alle Beteiligten an einen Runden Tisch zu holen, vorerst keine neuen Zusagen für weitere Bauaktivitäten zu machen und ergebnisoffen miteinander zu diskutieren. Daraufhin verzichtete der BN auf eine Klage gegen die zweite Halle. Ein erstes Gespräch fand im Herbst 2016 statt. Ein Termin für ein zweites Gespräch steht aber aus.

Bund Naturschutz droht mit Klage

Unlängst lud die Firma Schmack in Irl zu einer Bürgerinfo ein und stellte ihre weiteren Pläne für den Osten vor: Den Bau einer dritten Halle sowie die künftige Bebauung des weiteren Schlämmteich-Areals, auf dem ein Zuliefererpark für die benachbarten Firmen BMW, Continental Starkstrom und Osram entstehen soll. Die Flächen im nördlichen Teil hat die LAGO Vermögensverwaltung GmbH (Ferdinand Schmack, Alfons Viehbacher, Steffi Giese) inzwischen gekauft.

Einer der Schlämmteiche im Morgennebel: Wertvolles Biotop und begehrtes Bauland Foto: Klein

Jetzt klingeln bei den Naturschutzverbänden die Alarmglocken. „Im Außenbereich kann keine dritte Halle gebaut werden“, sagt der BN-Vorsitzende und kündigt an: „Dann klagen wir sofort. Wir lassen die Stadt nicht mehr gewähren.“ Wertvolle Biotope könnten nicht einfach in einer Art Salamitaktik verfrühstückt werden. „Wir brauchen eine Gesamtkonzeption für den Regensburger Osten“, und so lange dies nicht geschehen ist, ein Moratorium, einen Stopp aller Bauaktivitäten. Dafür laden der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogelschutz und die Donau-Naab-Regen-Allianz am 25. Februar ab 14 Uhr vor Ort zu einer Demonstration ein.

„Wir machen aus unseren Planungen kein Geheimnis“, sagte Ferdinand Schmack, der den südlichen Teil des Schlämmteich-Areals so dicht wie möglich bebauen will, aber auch versichert, dass es eine dritte Halle außerhalb des Bebauungsplans nicht geben werde. Dieser Bebauungsplan ist zur Zeit in Arbeit. Auch den nördlich der Kremser Straße gelegenen Bereich werde die LAGO GmbH zu Gewerbegebiet entwickeln, vielleicht in zehn oder 15 Jahren. „Wir haben bereits alle nötigen Ausgleichsflächen beieinander“, sagt der Immobilienentwickler. Dazu gehören verschiedene Flächen, teils auch im Uferbereich der Donau sowie die ständige Bewässerung einer erhalten bleibenden Schlämmteich-Kasette durch Niederschlagswasser von den Dächern der Hallen. Schmack sorgte auch für eine Kartierung der vorhandenen Biotopflächen und blieb stets im Gespräch mit den Naturschutzverbänden, was diese auch zu schätzen wissen.

„Habe den Immobilienzirkus satt“

Nun stocken allerdings die Gespräche. „Wir haben keinen konkreten Ansprechpartner mehr“, ärgert sich Ferdinand Schmack und spricht von einem „totalen Desaster“. „Ich hab‘ diesen Immobilienzirkus satt“, schimpft sich Schmack den Ärger von der Seele und versichert: „Ich lasse mich nicht mit diesem Immobilienzirkus in die Pfanne hauen.“ „Wir machen alles transparent“, versichert Schmack. Hier werde nichts in Hinterzimmern verhandelt. Er könne nur alle bitten „raus aus den Hinterzimmern“ zu kommen und zur Staatsanwaltschaft zu gehen, wenn es dort etwas zu sagen gebe.

In dem Gebiet zwischen Stadtrand und Irl und entlang der Autobahn A3 und der Straubinger Straße gibt es freilich viel zu planen und zu regeln. Es geht um den möglichen Bau einer Hafenspange, den Ausbau der Autobahnausfahrt Regensburg-Ost und um Lärmgutachten und die Einbettung der Ortschaft Irl in dieses große Gewerbegebiet.

Und es geht um die Erhaltung der Schlämmteiche. Dass wertvolle Biotopflächen zum Industriestandort gemacht werden und daneben ökologisch wertlose Maisäcker zu unbebauten Frischluftschneisen gemacht werden sollen, geht den Naturschutzverbänden nicht in den Kopf. Die Schlämmteiche sollten zu geschützten Landschaftsteilen, einer Art kleinem Naturschutzgebiet, erhoben werden, schlägt der BN vor. Zudem könnte man sie sogar zu einem Industriedenkmal erklären – als Außenstation des künftigen Museums der Bayerischen Geschichte.

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