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Regensburg
Samstag, 20. Januar 2018 10

Kultur

Brundibar-Kinder von 1943 und 2013

Regensburger Cantemus-Darsteller erlebten im Opernhaus Pilsen eine überwältigende Begegnung der mit Überlebenden des KZ Theresienstadt.

  • Ehemalige Kindersänger aus dem KZ Theresienstadt trafen die Cantemus-Sänger.Fotos: Cantemus
  • Am Stadtplatz von Pilsen
  • Bei den Probenarbeiten

Regensburg/Pilsen.Die Aufführung der Kinderoper „Brundibar“ im Opernhaus Pilsen durch den Cantemus-Chor und den Pilsener Kinderchor bekam durch den Besuch ehemaliger Mitwirkender dieses Stückes im Konzentrationslager Theresienstadt einen eindrucksvollen Akzent.

Die Oper „Brundibar“ war ursprünglich als Beitrag für einen Wettbewerb des tschecheslowakischen Ministeriums für Schulwesen und Volksbildung entstanden, der nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten jedoch nicht mehr zu Ende geführt wurde. 1941 wurde die Oper in einem Prager Waisenhaus uraufgeführt, die ersten Deportationen erschwerten bereits die Proben.

Partitur aus dem Gedächtnis

Viele Beteiligte rund um die Kinderoper trafen sich 1943 im Durchgangslager Theresienstadt wieder. Auf dem Dachboden der Dresdner Kaserne begannen erneut die Proben: Hans Krása, bereits seit 1942 in Theresienstadt, schrieb die Partitur aus dem Gedächtnis nieder, Rudolf Freudenfeld übernahm wieder die Regie. Am 23. September 1943 war die Theresienstädter Premiere.

Mit den historischen Vorgängen waren die Chormitglieder zwar von Anfang an vertraut. Aber die unmittelbare persönliche Nähe zu den Überlebenden, mit denen man sich durch das Spiel, den Gesang und die szenische Darstellung von Anfang an verbunden fühlte, war für alle Beteiligten ein aufwühlendes und unvergessliches Erlebnis.

Nach der zweiten Vorstellung kam es auf der Bühne zum einem intensiven und aufgeschlossenen Dialog der Chöre mit den Ehrengästen. Zahlreiche Fragen nach der historischen Situation wurden gestellt, wie man zum Beispiel ohne Eltern im Lager überleben konnte, wie man sich gefühlt hat, wenn Rollen umbesetzt werden mussten, weil Hauptdarsteller deportiert wurden oder unter welchen Schwierigkeiten die Proben zwischen Feldarbeit und Anwesenheitpflicht in den Häusern bzw. Baracken standen.

Gemeinsames Schlusslied

Vieles wollte man noch hören: über die damalige Inszenierung, das Besorgen der Noten und Instrumente, die Anzahl der beteiligten Kinder, den ebenfalls inhaftierten Komponisten Hans Krása und natürlich alles über das persönliche Schicksal jedes Einzelnen. Am Ende des Gesprächs sangen alle gemeinsam mit den Überlebenden das Schlusslied der Oper – eine Situation, die unter die Haut ging. Geprägt waren die drei Besuchstage außerdem von der intensiven Freundschaft der Pilsener und Regensburger Jugendlichen. Fast alle der sechzig Regensburger Beteiligten konnten bei Freunden in deren Familien wohnen, die Gastgeber hatten ein umfangreiches Programm vorbereitet.

Neben der notwendigen Probenarbeit gab es eine Wiedersehensparty, Ausflüge der Familien mit ihren Gästen und einen Empfang im Rathaus.

Begonnen hat all dies mit einer einwöchigen Ferienfreizeit im Feriendorf Regen-Raithmühle, die Aufführungen im Regensburger Velodrom mit über 120 Teilnehmern vertieften die Kontakte. Beim Besuch in der Partnerstadt Pilsen konnten die zahlreichen Freundschaften ausgebaut und intensiviert werden.

Wiedersehen wird man sich bei „Cantemus rockt“ im Dezember, beim Katholikentag im Mai und einem Konzert des Cantemus-Chores beim internationalen Chorfestival im Rahmen des Kulturprogramms „Pilsen - Kulturhauptstadt Europas 2015“.

Neben der Aufführung des „Weihnachtsoratorium“ von Johann Sebastian Bach am Samstag, den 7. Dezember, stehen in dieser Saison noch „Cantemus rockt“, die „Psalmensinfonie“ von Igor Strawinski, die „9. Symphonie“ von Ludwig van Beethoven sowie das Musical „Cats“ von Andrew Lloyd Webber auf dem Programm.

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