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Regensburg
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Gestaltung

Brunnendeckel erlebt den letzten Sommer

Der Bretterverschlag, der seit 2003 die Brunnenstube des geplanten Europabrunnens am Ernst-Reuter-Platz verdeckt, könnte im Frühjahr endgültig ausgedient haben. Frühestens ab diesem Zeitpunkt kann mit dem Bau einer Bodensprenkelanlage begonnen werden, das sagt Dagmar Obermeier-Kundel, Pressesprecherin der Stadt Regensburg. Nach elf Jahren hätte der Bretterdeckel seine Schuldigkeit damit endgültig getan.

Diese Pläne der Stadt ermöglicht das Ende Juli beschlossene Gesamtkonzept für das Umfeld des Keplerareals. Damit erteilte der Stadtrat gleichzeitig der „Esplanade“ entlang der Maximilianstraße und am Ernst-Reuter-Platz eine Absage. Auch das Highlight – der Europabrunnen – wurde mit der Entscheidung des Gremiums hinfällig. 1997 hatte der Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger dem ehemaligen Bundestagsabgeordneten Benno Zierer versprochen, mit dem Brunnen eine Würdigung für die Auszeichnung der Stadt mit dem Europapreis zu schaffen. Der Europapreis ist die höchste Auszeichnung, die der Europarat zu vergeben hat. Die Stadt hatte 714 000 Euro für einen Plan und 300 000 Euro für die Brunnenanlage investiert. Der Bau wurde vor zehn Jahren eingestellt, weil nicht klar war, ob der Platz wegen des Kongresszentrums auf dem Keplerareal gebraucht wird.

Ein Wettbewerb wird gefordert

Aktuell ist die Stadt mit einer Machbarkeitsstudie für die Brunnenanlage beschäftigt. So soll festgestellt werden, wie viel so eine Anlage kosten könnte. Fest steht, dass die bereits vorhandenen unterirdischen Anschlüsse etwa für die Wasserver- und -entsorgung in das neue Konzept integriert werden. „Die Machbarkeitsstudie wird voraussichtlich in den nächsten Wochen vorliegen“, so viel verriet Obermeier-Kundel schon einmal. Mit dem Ergebnis wird sich der Stadtplanungsausschuss beschäftigen – möglicher Weise am 24. September, stellt Obermeier-Kundel in Aussicht.

Als Schaidingers Brunnen-Pläne im Mai bekannt wurden, war von einem Provisorium die Rede, inzwischen spricht Obermeier-Kundel von einer „dauerhaften Lösung“. Kritik erntete Schaidinger aus den Reihen der Fraktionen der SPD und der Grünen dafür, dass die Gestaltung der Anlage verwaltungsintern und nicht mit einem Wettbewerb geklärt werden sollte. „Fest steht jedoch schon heute: Es wird keinen Wettbewerb geben“, hieß es damals aus der Pressestelle der Stadt.

Der Grünen-Stadtrat Jürgen Huber initiierte deswegen Ende Juli einen Antrag, der am 24. September im Planungsausschuss am verhandelt wird. Er ist für eine ganz andere Art der Gestaltung am Ernst-Reuter-Platz: Huber sieht an dieser Stelle einen Ort, an dem ein ständiger Kunstwettbewerb ausgetragen werden könnte. Er würde sich den Berufsverband Bildender Künstler in Niederbayern und der Oberpfalz ins Boot holen, der das Geschehen am Ernst-Reuter-Platz über fünf Jahre hinweg organisiert. So könnten jährlich andere Künstler auf diese Bühne eingeladen werden. Huber sieht an diesem Ort Platz für einen erweiterten Kunstbegriff: Performation, urbane oder soziale Kunst könnten hier wirken. Dieser Ansatz würde den gestalterischen Ideen von Jakob Friedl Rechnung tragen. Seit 2009 startete der Künstler unterschiedliche Kunst-Aktionen auf dem Brunnendeckel. „Ihm ist es zu verdanken, dass der Ort wieder Aufmerksamkeit bekam“, sagt Huber.

Urbane Kunst in stetem Wandel

Friedl indessen schrieb im Juli an die Stadt, dass er sich schweren Herzens damit abgefunden hätte, den Brunnenschacht räumen zu müssen. Laut Obermeier-Kundel soll er das zum nächstmöglichen Zeitpunkt erledigen, spätestens jedoch bis zum Baubeginn. Noch einen letzten Wunsch formuliert Friedl in seinem Brief an die Stadt: Bereits im Mai wollte er die Kunst-Aktion „Public Crossfader“ auf dem Brunnendeckel starten. Damals untersagte ihm die Stadt, den Verschlag als Veranstaltungsort zu nutzen. In die Räumung des Brunnendeckels möchte er mit dem „Public Crossfader“ starten. Ob Friedl dieser Wunsch gewährt werden kann, liegt am 24. September ebenfalls in den Händen des Planungsausschusses. (la)

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