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Erinnerung

Bücherverbrennung war nur der Auftakt

In ihr steckte viel Symbolisches: Am Freitag wurde in der Neupfarrkirche der Kulturbarbarei vom 12. Mai 1933 gedacht.
Von Daniel Geradtz, MZ

  • Bernhard Lübbers gab einen Überblick über das Geschehen nach der Machtergreifung Hitlers. Foto: Geradtz
  • Einziges Foto von Verbrennung am 12. Mai 1933 Foto: Historisches Museum der Stadt Regensburg

Regensburg.Auf den Tag genau 84 Jahre nach der Bücherverbrennung wurde am Freitag in der Neupfarrkirche unweit des damaligen Schauplatzes an die Aktion der Nationalsozialisten gedacht. Eingeladen hatten die Staatliche Bibliothek, das evangelische Bildungswerk, der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller in Verdi sowie die Stadt Regensburg.

Dr. Bernhard Lübbers, Leiter der Staatlichen Bibliothek, rief die damaligen Umstände noch einmal in Erinnerung. Am 30. Januar 1933 gelangte die NSDAP durch die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler an die Macht. „Schon schnell wurde von den Nationalsozialisten eine Diktatur angestrebt“, erklärte Lübbers. Durch die Reichstagsbrandverordnung und das Ermächtigungsgesetz konzentrierte die Partei die Macht immer weiter auf sich.

Der Bücherverbrennung vom 12. Mai 1933 auf dem Neupfarrplatz ging bereits eine gleiche Aktion in Berlin voran. Lübbers erklärte, dass der Schauplatz sicherlich nicht zufällig ausgewählt worden sei. Der Neupfarrplatz war im Mittelalter das Zentrum der jüdischen Gemeinde.

Die von der Hitlerjugend organisierte Bücherverbrennung traf nicht nur literarische Werke, auch Fahnen und Möbelstücke aus der örtlichen SPD-Zentrale wurden verbrannt. Geplündert wurden neben der Kreisbibliothek auch die Volkswachtbuchhandlung und mindestens eine weitere Buchhandlung. Rund 1000 Schaulustige dürften die Verbrennung der Bücher auf dem Neupfarrplatz verfolgt haben. Von Leiterwagen aus wurden die Bücher in die lodernden Flammen geworfen. „Die Bücherverbrennung war nur der Auftakt vieler Gewalttaten. In ihr steckte viel Symbolisches“, so Lübbers.

Die Mahnfeier mit dem Titel „Verbrannte Bücher – verbannte Dichter“ verband die Geschichte mit der Gegenwart. Es wurden Werke von Schriftstellern der damaligen Zeit vorgetragen. Unter den Lesern war unter anderem Eva Wanninger. Sie ist eine Schülerin des Von-Müller-Gymnasiums.

Bernhard Lübbers bezeichnete die Liste der Autoren, deren Schriften im Mai 1933 verbrannt wurden, als das damalige „Who is Who“. Darunter waren Werke von Bertolt Brecht, Kurt Tucholsky oder Thomas Mann.

Die Gedenkveranstaltung findet seit 2005 jährlich statt. In den ersten zehn Jahren war die Staatliche Bibliothek der Austragungsort. Für die musikalische Begleitung sorgte die Saxofonistin Gaby Wahlbrink.

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  • MS
    Martin Stauder
    17.05.2017 22:27

    Dass in einem Bericht über die Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung ausgerechnet die verbannten Autoren und verbrannten Werke nicht genannt werden, aus denen vorgelesen wurde, macht mich mehr als stutzig. Ein äußerst trostloser Provinzskandal.

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