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Regensburg
Dienstag, 12. Dezember 2017 5

Recht

Challenge: Vertrag wirft Fragen auf

Die vielen Pflichten der Stadt Regensburg nennt der Text klar, die des Triathlon-Veranstalters teils nur vage.
Von Julia Ried, MZ

Challenge-Teilnehmer auf der Laufstrecke in der Stadt Foto: altrofoto.de

Regensburg.Der Challenge Regensburg steht auch vier Wochen nach der zweiten Auflage in der Kritik. Jetzt zeigt sich: Im Text des Vertrags zur Ausrichtung des Langdistanz-Triathlons sind die Pflichten der Veranstalter-Firma Purendure Event GmbH & Co. KG von Sonja und Tom Tajsich teils auffällig schwammig formuliert. Das sagt Rechtsanwalt Markus Höss, der mit einer auf Vertrags- und Sportrecht spezialisierten Kanzlei in Stuttgart im Profisport-Bereich tätig ist. Damit kann die Stadt nur schlecht messen und belegen, inwieweit die Leistungen erbracht werden, die sie mit bis zu 275 000 Euro im Jahr und tatkräftiger Unterstützung fördert. Höss betont: „Die Leistungen, die die Stadt erbringen soll, sind sehr ausführlich dargestellt und relativ klar.“

Eine Passage, in der es um Nutzungsrechte des Ausrichters an der Marke Challenge geht und darum, ob er diese der Stadt übertragen darf, kommentiert Höss dagegen so: „Da hat die Stadt komplett geschlafen.“ Der Abschnitt verweist auf einen anderen, der aber einen anderen Sachverhalt regelt. Letztlich lässt der Vertrag damit offen, ob die Kommune Nutzungsrechte bekommen kann und wenn ja, welche. „Das geht komplett in die Leere“, sagt Anwalt Höss.

Der Fünf-Jahres-Vertrag, in den uns die Stadt Einsicht gewährte, datiert vom 28. Mai 2015. Der derzeit suspendierte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, den Tom Tajsich als Freund bezeichnet, holte den Wettbewerb nach seiner Wahl nach Regensburg. Dem Beschluss von damals zufolge verfolgt die Stadt damit unter anderem das Ziel, dass Regensburg sich als Ausdauersport-Region etabliert.

Was das Programm umfasst, ist unklar

Dem Vertrag zufolge soll Purendure neben der Hauptveranstaltung auch ein Programm „Ausdauersport-Region Regensburg“ mit mehreren Events anbieten. Doch im Kontrakt ist nicht konkret festgelegt, was das „Year-around-Programm“, das also ganzjährig laufen müsste, umfassen soll. Im politischen Beschluss findet sich dazu die verwirrende Formulierung, die Anschubfinanzierung von bis zu 75 000 Euro diene „auch der Entwicklung eines sechsmonatigen Rahmenprogramms und der Durchführung dieses ,Year-around-Pogramms‘“. Der Satz legt die Vermutung nahe, es handle sich bei Ganz- und Halbbjahresprogramm um ein- und dasselbe.

Der Vertrag allerdings führt das sechsmonatige Rahmenprogramm – von Mai bis Oktober – separat auf. Als Inhalte aufgelistet werden-Schwimmnächte, geführte Radtouren auf der Rennstrecke, Streckenerkundungs-Lauftreffs, Schaffung eines Perspektive-Teams mit jungen Talenten und ein Showroom „Ausdauersport-Region Regensburg“. Der Kontrakt macht diese Punkte jedoch nicht besonders verbindlich; ihre Auflistung wird mit den Worten „Beispiele wären“ eingeleitet. „Das ist ein bisschen wachsweich formuliert“, sagt Anwalt Höss.

Kommentar

Klartext muss jetzt sein

Der Beschluss der Stadt Regensburg zur Förderung des Langdistanz-Triathlons liest sich an manchen Stellen schwärmerisch und an anderen unpräzise. Dass...

Nach Angaben des Veranstalters, die uns die Stadt zur Verfügung stellte, existieren weder das Perspektive-Team noch der Showroom. Tom und Sonja Tajsich förderten demzufolge 2017 einen jungen Mann und haben eine „Lounge mit Triathlon-Devotionalien“ in ihrem Geschäft eingerichtet. Der städtische Sportreferent Dr. Hermann Hage sieht für Korrekturen dennoch keinen Anlass, „weil das alles in die richtige Richtung geht, was sie da machen“.

Tajsich: Wettbewerbsnachteile

Dabei war dieses Programm, das die Menschen in der Region einbinden soll, den Stadträten besonders wichtig. Im Beschluss wird es an prominenter Stelle genannt. Zu der Kritik, dass diese und weitere Formulierungen im Vertragstext vage sind und zur Frage, ob der Kontrakt vor diesem Hintergrund ungünstig für die Stadt sei, will sich die Stadt nicht äußern. Tom Tajsich teilt dazu mit, er hoffe doch sehr, dass der Vertrag „günstige Pflichten“ für Purendure enthalte, „nachdem wir sowohl terminlich als auch bei weiteren Randbedingungen starke Wettbewerbsnachteile im Vergleich zu den Mitbewerbern haben“. Er weist darauf hin, dass er und seine Frau neben etlichen tausend Stunden Zeit und viel Herzblut auch einen sechsstelligen Betrag in die Veranstaltung stecken, bei der es sich noch um ein „Aufbauprojekt“ handle.

Die Verpflichtungen von Purendure beeinhalten neben dem Rahmenprogramm in der Hauptsache, dass der Triathlon-Wettbewerb jeweils im August ausgetragen wird und der Name der Stadt im Zusammenhang damit präsent ist. Zu den Leistungen der Stadt zählt etwa, dass sie an der Strecke eine Infrastruktur mit Abwasser- und Müllentsorgung, aber auch Internet schafft. Der Vertrag läuft bis 30. September 2020 und kann im Sommer 2019 zum ersten Mal gekündigt werden.

Die CSU fordert den sofortigen Ausstieg: Die Sperrungen am Challenge-Wochenende brächten deutliche Einschränkungen für die Bürger mit sich, aber die Veranstaltung besitze nur geringen Stellenwert, argumentiert sie. Aus Sicht der Stadt liegen bisher „keine Argumente vor, auszusteigen“, sagt Sprecherin Juliane von Roenne-Styra. Allerdings liegen die Hürden dafür hoch, so lange der Challenge selbst stattfindet. „Da müsste es richtig harte Dinge geben“, sagt Höss – dazu würde er etwa zählen, wenn der Veranstalter sich nachweislich nicht bemühen würde, den Triathlon zu bewerben.

Wie stark profitieren Stadt und Landkreis Regensburg wirklich von der Challenge? Wir haben den Check gemacht.

Chronologie

  • Ironman:

    Die Geschichte des Langdistanz-Triathlons in Regensburg begann 2010 mit dem Ironman. Da zahlreiche Landwirte über Behinderungen bei der Ernte klagten, wurde die Veranstaltung von August auf Juni vorverlegt, die Teilnehmerzahl sank. Der Ironman 2013 wurde abgesagt. 2014 kam das endgültige Aus – der Veranstalter machte finanzielle Gründe geltend.

  • Entscheidung:

    Joachim Wolbergs hatte im Wahlkampf die Position vertreten, er wolle lieber Vereine und örtliche Veranstaltungen fördern, anstatt „teure Events einzukaufen“. Aber schon im Herbst 2014 war klar: Wolbergs will den Challenge in die Stadt holen.

  • Beschluss:

    Im Februar 2015 beschloss der Stadtrat, die Firma Purendure solle mit der Unterstützung der Stadt in den Jahren bis 2020 den Challenge veranstalten – gegen die Stimmen von CSU, Linke und von Bernhard Suttner von der ÖDP.

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