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Regensburg
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Freizeit

Das Bürgerfest-Wetter und der Prälat

Der Regensburger Kulturreferent Klemens Unger nutzt seit Jahren die Kontakte des Kirchendiplomaten Dr. Klaus Wyrwoll nach oben. Nie hat es ihm eine Freiluft-Veranstaltung verregnet.
Von helmut Wanner, MZ

Nach dem Gebet in Mariaort: Prälat Nikolaus Wyrwoll, sein Ministrant Klemens Unger (rechts) und die Damen vom Kulturreferat. Links oben: „Mister Bürgerfest“ Peter Ainöder. Foto: Wanner

regensburg. Victor von Hugo, der protestantische Platzbetreiber, ist schon zum fünften Mal dabei, „weil mich das traditionell beruhigt.“ Der 47-jährige Vater von drei Kindern bewirtschaftet mit Haidplatz und Thon-Dittmer-Hof das Herzstück des Regensburger Bürgerfestes. Der Freiberufler braucht den Erfolg der kommenden drei Tage. Er ist der einzige Betreiber, der um gutes Wetter beten geht.

Über 30 Grad hat es im Schatten. Da muss man sich ohne Kraft bewegen. Um 17 Uhr versammeln sich zwei Handvoll Menschen vor dem Prüfeninger Schlossgarten, Start und Endpunkt des Bittgangs um ein gutes Bürgerfest-Wetter. Unger hat zwei Sekretärinnen und einen Volontär aus dem Kulturamt dabei. „Mister Bürgerfest“ Peter Ainöder hat ein wehes Knie und schwingt sich aufs Radl. Von Radio Charivari ist eine Reporterin da. Für sie ist der Termin nicht einfach. Vater katholisch, Mutter Muslima. Die zwei Seelen in ihrer Brust drücken sich in ihren Vornamen aus: Fatma-Maria. Passt zum Jubiläums-Bürgerfest in einer Stadt, die nicht mehr die ist, die sie 1973 war.

Wyrwoll reiste vom Bosporus an

„Auch Muslime kennen die Wallfahrt“, sagt Prälat Dr. Nikolaus Wyrwoll. Der Leiter des ostkirchlichen Instituts, das mal im St. Clara-Kloster in der Ostengasse beheimatet war, baut gleich Brücken. Wyrwoll ist seit Jahrzehnten das lebende Scharnier zwischen Rom und Ostrom. Er ist aus Istanbul angereist, dem alten Zentrum der Ostkirche. Hier will er, wie er sagt, den Rest seiner Zeit leben und hier will er auch sterben. Er lebt jetzt im Kloster des Dominikanerordens in Istanbul, das seit dem Jahr 1242 neben dem Galata-Turm, am südlichen Ende der Flaniermeile Isticlal, liegt. In Regensburg hat er auch Termine beim Zahnarzt.

Sein Gebet hat offenbar Gewicht. Dem Kulturreferenten hat es noch kein Bürgerfest verregnet. Klemens Ungers Bittgang für ein gutes Bürgerfest-Wetter ist traditionell. Er ist den Weg schon an der Hand seiner Großmutter gegangen. Zum Fest der Bayern 2000 hat er das Wetterbitten eingeführt, mit dem Erfolg, dass es am Sonntag von München bis Bad Abbach schüttete und die Regensburger Altstadt bis 22.30 Uhr trocken blieb. Unger erzählt das auf dem heißen Kilometer zwischen Prüfeninger Schloss und Mariaort, als zitiere er aus einem Buch mit Gebetserhörungen.

Doch dieser Bittgang am Mittwochabend wirft eine neue Frage auf. Für welches Wetter soll man beten, wenn einem nach 100 Meter schon das Hemd auf dem Oberkörper klebt? Gute Frage! Der humorvolle Prälat Nikolaus Wyrwoll legt dem Kulturreferenten die alttestamentarische Lesung „Elias Bitte um Regen“ vor. „Die kann man auch für andere Zwecke verwenden, zum Beispiel für ein gutes Bürgerfest-Wetter“, meint er.

Diese Affenhitze wäre nicht gut

Die Wallfahrtskirche ist wohltuend kühl. Wyrwoll und sein Ministrant Unger verschwinden in der Sakristei. Dann kommt der Prälat und bittet die Wallfahrer zu sich in den Altarraum. „Aufsteige unser Gebet wie Weihrauch“, psalmodiert er. Man fühlt sich in eine Ostkirche versetzt. Der schwere Weihrauch steigt schön auf aus dem silbernen Rauchfass. Im Altarraum bildet sich eine dichte Wolke, die über den Bittgängern auf ihren roten Samtstühlen schwebt wie die Frage: Welches ist nun das gute Bürgerfest-Wetter?

Schönes Wetter wie am Tag des Bittgangs wäre tödlich. Dann würden die Leute bis zum Abend zu Hause bleiben oder an den Badeseen liegen - und am Abend würde sich das Volk in der Altstadt auf die Füße treten. „Am besten sind 24 bis 26 Grad, etwas bewölkt, aber überwiegend trocken“, sagt Unger. So wird’s auch werden.

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