mz_logo

Regensburg
Freitag, 20. Oktober 2017 19° 1

Gareis-Insel

„Das ist ein Anschlag auf das Stadtbild“

Der ehemalige Generalkonservator verurteilt die angekündigte Aktion des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Regensburg.
Von Helmut Wanner, MZ

Diese grüne Oase am nördlichen Donauufer an der Wöhrdstraße soll entfernt werden. Archiv-Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die Entscheidung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes, die Mühlinsel am Wöhrd plattzumachen (unsere Redaktion berichtete), ist in der Regensburger Öffentlichkeit auf breites Unverständnis gestoßen. Nun hat sich zu diesem Thema auch Dr. Egon Greipl zu Wort gemeldet. Egon Johannes Greipl war bis 2013 Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, sitzt seit 2014 für die ÖDP im Stadtrat von Passau und ist als Vortragsredner in Süddeutschland unterwegs.
Nachdem die West-Trasse, als Ersatz für die Steinerne Brücke in der westlichen Altstadt, wohl endlich vom Tisch sei, komme man nun mit diesem Hammer, meint der gebürtige Passauer, der mit den Verhältnissen in Regensburg vertraut ist. „Tatsächlich habe ich viele Jahre direkt an der Donau gewohnt, am Weichser Damm und im Weißgerbergraben –- am Wöhrd jedoch (leider) nie. Man muss aber nicht dort gewohnt haben, um über den jetzt angekündigten Anschlag auf die Gareis-Insel und das Stadtbild – nichts anderes ist es – entsetzt zu sein.“

„Wenn einer Kopfweh hat, schneidet man ihm auch nicht gleich den Kopf ab, obwohl dann mit dem Kopfweh ein für alle Mal Ruhe wäre!“

Dr. Egon Greipl

Der 69-Jährige Historiker und Denkmalschützer kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass die Mauern in einem derart desolaten und akut gefährlichen Zustand sind, dass es nicht die Möglichkeiten gäbe, die Schäden mit Methoden zu beheben, die auf die einzigartige Situation Rücksicht nehmen. Greipl wählt einen drastischen Vergleich: „Wenn einer Kopfweh hat, schneidet man ihm auch nicht gleich den Kopf ab, obwohl dann mit dem Kopfweh ein für alle Mal Ruhe wäre!“

Das WSA hätte zuallererst von den städtischen und staatlichen Denkmalschützern eine Stellungnahme erbitten sollen, „bevor es die Unterspülung des südlichen Donauufers als Horrorvision an die Wand malt“.

Viele Menschen äußerten sich entsetzt auf Facebook:

Die Gareis- Insel liege im geschützten Ensemble „Altstadt von Regensburg mit Stadtamhof“, sei ein herausragender Denkmalwert dieses Ensembles und gehöre zusätzlich zum Welterbe-Bereich. Wie berichtet, hat die Stadt das Landesamt für Denkmalpflege über den Fall informiert. Von dort wurde bislang noch keine Stellungnahme veröffentlicht.

Dr. Egon Greipl mahnt das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt zur einem denkmalgerechten Vorgehen. Foto: dpa

Gegenüber unserer Redaktion räumt Dr. Greipl ein, dass alle Wasserbauwerke einer ständigen Beobachtung und Wartung bedürften. Aber: „Bei der Gareis-Insel müssen die Ingenieure mit höchster Sensibilität zu Werke gehen. Sie sollen jene Standards, die nur für Neubauten gelten, vergessen und den Bagger, den Presslufthammer und den Beton bitte zunächst einmal zu Hause lassen.“

Stattdessen sollten sie eine sorgfältige, denkmalgerechte und transparente Analyse und Bewertung der Situation vornehmen „und dann, wenn wirklich Eingriffe nötig sind, Methoden anwenden, welche die Denkmalwerte, die städtebaulichen Werte und die ökologischen Werten achten und schützen“, so der Vorschlag des einstigen Generalkonservators.

Standsicherheit gefährdet

Christa Renner bangt um ihren Garten. Foto: altrofoto.de

Wie berichtet, hat die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, Dienststelle Regensburg, zum 31. Dezember die Nutzungsverträge für die Gareis-Insel für die Eigentümer Wöhrdstraße 2 (Familie Gareis), 6 (Familie Fehle) und 8 (Familie Renner) gekündigt. Das Amt sei laut Bundeswasserstraßengesetz (WaStrG) § 7 und 8 für einen ordnungsgemäßen Wasserabfluss verantwortlich. Sie könne die Standsicherheit der Quadermauer im Mühlenkanal nicht mehr gewährleisten. Der stellvertretende WSA-Chef, Baudirektor Paul Marcus Schäfer, hatte gegenüber der Redaktion bestätigt, dass „Masse und Höhe“ der Insel reduziert werden, um Druck von der Mauer zu nehmen. Bepflanzung und Bebauung müssten weichen. Die Redaktion wird das Thema weiterverfolgen.

Mehr Nachrichten aus Regensburg lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht