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Regensburg
Donnerstag, 29. September 2016 22° 3

Szene

Das Ostentor-Kino muss zusperren

Das Ende einer Regensburger Kultur-Institution ist unwiderruflich: Ab Januar 2016 übernimmt die Italienische Barbetriebs-GmbH das Areal samt Kneipen.
Von Gertrud Baumgartl, MZ

Regensburg.Mit dem Ende des Programmkinos am Ostentor wird die Regensburger Kulturlandschaft um eine ganz wesentliche Institution ärmer. Seit dem Mai 1971 zeigte hier der gelernte Buchhändler Werner Hofbauer den Regensburgern, was das „Neue deutsche Kino“ zu bieten hatte.

Fassbinder, Achternbusch, Werner Herzog und viele andere wuchsen in den in dem ehemaligen Tanzsaal den Besuchern ans Herz. Aus Kinogängern wurden im Lauf der Jahre begeisterte Cineasten. „Der letzte Tango in Paris“ bescherte in den Siebzigern dem Ostentor-Kino wochenlang Besucherrekorde. Aber auch kleine, feine Außenseiter-Filme hatten hier eine Chance.

Nach wochenlangen Gerüchten steht inzwischen fest: Die Italienische Barbetriebs-GmbH mit den Geschäftsführern Florian Schürger und Michael Stark, schon seit ein paar Jahren Eigentümer, will zum 1.1. 2016 den gesamten Gebäudekomplex samt dem Restaurant „Chaplin“ und der „Kinokneipe“ selbst nutzen. Dann läuft nämlich der ursprünglich mit der Brauerei Thurn&Taxis geschlossene Pachtvertrag aus. Was sie daraus machen wollen, ist bis jetzt unklar. Die Rede ist von einer Disco oder einer Event-Location. Gegenüber der MZ wollten sich beide Geschäftsführer aktuell nicht zu den Plänen äußern.

Denkmalgeschütztes Ensemble

Ein Kino soll hier nach dem bisherigen Kenntnisstand nicht mehr Platz finden, wenn der Gebäudekomplex saniert ist. Bisher modernisierte die GmbH, der auch das Goliathhaus und das „Segafredo“ in der Gesandtenstraße gehören, die Stockwerke oberhalb des Lokals „Chaplin“ und machte daraus Studentenapartments.

Nicht ganz so einfach dürfte es mit dem Tanzsaal der früheren Gaststätte Neu St. Niklas werden: Der „traufständiger Mansardenwalmdachbau“ aus dem Jahr 1805 mit Ecksäule von 1903 steht auf der Liste der denkmalgeschützten Gebäude.

Achim Hofbauer, Sohn von Kinomacher Werner Hofbauer und Teilhaber an der GmbH, die nach der Insolvenz des Kinos im Jahr 2010 zusammen mit Richard Kattan und zwei weiteren Beteiligten gegründet wurde, und zwar aus Idealismus, wie er betont, hat sich mit dem Ende einer Kino-Ära im Ostenviertel schon beinahe abgefunden. Auch wenn es so richtig wehtut.

Geboren als echter „68er“ wurde der heute 45-Jährige schon als kleiner Stöpsel vom Vater mit dem Kino vertraut gemacht: „Von Anfang an war ich jeden Tag im Kino.“ Seine allererste Tätigkeit: mit der Mutter Margret nach den Vorstellungen die leeren Flaschen einsammeln. Obwohl Werner Hofbauer dem Sohn erst einmal eine Ausbildung als Drucker nahelegte, stand bei ihm die Kinoleinwand immer an allererster Stelle.

Standbein im „Garbo“ bleibt.

Vielleicht auch, weil das „Ostentor-Kino“ auch bundesweit als etwas Besonderes galt: Während der Großteil der deutschen Kinos auf Kommerz setzte, legte man hier konsequent Wert auf die sogenannten Autorenfilme mit ihrem besonderen künstlerischen Anspruch. Umso besser, wenn sich ein Autorenfilm dann doch plötzlich als Publikums-Magnet erwies, etwa bei Bertoluccis „Letzten Tango“. Und Jahr für Jahr konnte Werner Hofbauer bayern- und bundesweit Auszeichnungen für sein anspruchsvolles Programm entgegennehmen und wichtige Regisseure nach Regensburg bringen. „Auch unter ihnen dürfte das Ende des Ostentor-Kinos zu einem Aufschrei führen“, vermutete Achim Hofbauer. Mit dem „Garbo“ am Weißgerbergraben war schließlich auch er in die Programmkino-Szene eingestiegen. Auch wenn er heute nur einer von vier Betreibern des Kinos am Ostentor ist: Dieses Familienerbe möchte er sich und den Regensburgern bewahren, wenn es irgendwie möglich ist.

Suche nach neuen Räumen

„Vielleicht gibt es ja jemanden, der aus seinen Räumen ein Kino machen will“, hofft er: „Ich habe schließlich alles, was man zur Einrichtung braucht, von der Kinoleinwand bis zur Bestuhlung.“ Erst kürzlich investierte er noch in beiden Kinos in die Digitaltechnik. Dass er nach Möglichkeit fast jeden Film gesehen hat, bevor er ihn ins Programm nimmt, gehört auch zu seinen Ansprüchen. „Das Schönste ist für mich, wenn der Film dann auch den Kinobesuchern gefällt und vielleicht sogar groß herauskommt.“ Oder eben auch nicht: „Ein kurzes Ja oder Nein beim Filmverleih entscheidet, ob man ein gutes Jahr hat oder nicht.

Hans Geldhäuser, der seit 1979 mit viel Herzblut der „Mann für alles“ im Ostentor-Kino ist und auch die „Kinokneipe“ gepachtet hat, trifft das Ende vor allem beruflich. „Nach insgesamt 35 Jahren in Kino und Kneipe bin ich arbeitslos. In meinem Alter noch einen Job zu finden, ist schwierig. Ich habe schon gehofft, dass es noch ein paar Jahre weitergeht.“ Vielleicht hat er deswegen die Hoffnung noch nicht ganz begraben, dass sich die Kino-GmbH doch noch mit der „Italienischen Barbetriebs-GmbH über eine Pachtverlängerung einigen kann.

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