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Regensburg
Sonntag, 17. Dezember 2017 5

Tradition

Das Schaulaufen der mobilen Oldies

Die Classic Rallye ist am Sonntag gestartet. Am Samstag präsentierten die Teilnehmer stolz ihre Schätze in Regensburg.
Von Gabi Hueber-Lutz, MZ

  • Die Damen des Automobilclubs Deuerling empfingen die Fahrer charmant mit einer Rose. Foto: Hueber-Lutz
  • Auf dem Neupfarrplatz starteten die Teilnehmer am Sonntag zur Rallye. Foto: altrofoto.de
  • Das Wetter scheint mitzuspielen, das Dach bleibt unten. Foto: altrofoto.de
  • Zahlreiche Zuschauer verfolgten den Start. Foto: altrofoto.de
  • Auch sehr betagte Oldtimer machten sich auf die Tour. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Für Oldtimer-Freunde war der Domplatz am Samstag der Nabel der Welt. Bevor um die 150 Teilnehmer der 14. Regensburger Classic Rallye am Sonntag auf Tour gehen, gab es am Samstagnachmittag erst einmal ein Schaulaufen der schönen Alten am Domplatz. Veranstaltet wird die Rallye vom Automobilclub Deuerling (AMC).

Auch für Regen gerüstet

Paula und Maria vom AMC bereiteten den eintrudelnden Fahrern einen charmanten Empfang und überreichten jedem eine gelbe Rose. Die beiden Damen hatten es noch einfach, denn sie waren nicht fürs Einweisen der prächtigen Karossen zuständig. Das war die Aufgabe von Vorsitzendem Max Schneider und seinem Team. Und diese Aufgabe war heuer ob der Baustellen schwierig. „Ich weiß zwar nicht wie, aber wir bringen die unter!“, sagte er kämpferisch.

Stoßstange an Stoßstange wurden die Schätzchen dann eingeparkt. Am Himmel drohten ein paar Wolken. Aber die meisten der betagten Cabrios haben ein Dach, relativierte Heinz-Jürgen Ipfling vom AMC die Probleme, die ein kräftiger Guss bringen könnte. Es gibt jedoch auch welche, die kommen oben ohne daher. Kaum zu glauben: Die haben dann an der tiefsten Stelle eine eingebaute Abflussmöglichkeit für das Wasser. Besonders bei den alten Engländern sei das so, erzählte Ipfling.

„Mit so einem hat sich der James Dean darennt.“

Ein Porsche bretterte über das Pflaster und der Kenner wusste Bescheid: „Mit so einem hat sich der James Dean darennt.“ Die meisten der Fahrzeuge habe freundlichere Geschichten. Wie der Rolls-Royce Habicht von Adolf Tahedl. Er hatte eine sehr berühmte Vorbesitzerin: Margaret Rutherford, die Schauspielerin, die so unnachahmlich Miss Marple verkörperte. Er habe einen „richtigen Oldtimer“, sagte Tahedl augenzwinkernd. Denn in seiner persönlichen Rechnung beginnen die echten Oldtimer erst bei den Vorkriegsfahrzeugen. Sein Habicht ist Baujahr 1935. Nach der allgemein gültigen Rechnung dürfen sich alle Fahrzeuge mit mehr als 30 Jahren auf dem Buckel so nennen, wenn sie noch weitgehend im Originalzustand sind. Für die Rallye erhöhten die Veranstalter jedoch das Zugangsalter. Erst ab Baujahr 1979 und älter waren die Fahrzeuge heuer zugelassen.

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Das Schaulaufen der Oldies

Ein Unikat hatten auch Jiri und Heike Langer dabei: ein Cisitalia 202 Coupé Vignale, Baujahr 1948. „Davon wurden nur fünf gebaut!“, erzählte der stolze Besitzer. Rot lackiert mit hellbraunen Ledersitzen zog das Fahrzeug die Blicke vieler Bewunderer auf sich. Eine Männerrunde blieb am Domplatz stehen, begutachtet einen um den andern der Boliden. Sie kämen aus Hessen und veranstalteten ein „Männer-Kulturwochende“ in Regensburg. In der Walhalla und im Kneitinger waren sie schon, jetzt nahmen sie erfreut die „altertümliche Technik“ mit in ihre kulturellen Erkundungen auf.

Ein amerikanischer Straßenkreuzermit original Patina

Neben ihnen hantierten Thomas und Barbara Distler mit einer Sprühflasche. Ihr Plymouth Satellite, Baujahr 1968, sollte die Startnummer bekommen. Mit einer Mischung aus Wasser und ein bisschen Fensterputzmittel wurde sie an der klebrigen Seite eingesprüht, auf die Wagentür gedrückt und dann mithilfe einer Gummilippe glatt gestreift. Die Nummer saß perfekt. Und sie wird sich nach dem Rennen kinderleicht entfernen lassen, so dass das Herz des Oldtimerfreundes nicht bluten muss beim Abziehen. Distlers sind sehr stolz auf ihren amerikanischen Straßenkreuzer mit original Patina. Für 4600 Doller haben sie ihn bei Ebay ersteigert. Und ja, es war schon spannend, ob das klappt. Aber alles ist gut gegangen.

Helmut Kraft und sein Co-Pilot Dr. Manfred Egner setzen mehr auf die Kraft des doppelseitigen Klebebands, um die zweite benötigte Startnummer an der Motorhaube ihres Porsche Targa anzubringen. Und beim Entfernen? „Dazu haben wir die Frauen“, feixen sie, nicht ganz ernst gemeint. Mittlerweile war fast Partystimmung am Domplatz. Die Band Chicken Swings hatte angefangen zu spielen. Rund um die Fahrzeuge tummelten sich jede Menge Fotografen. Nicht nur die einzelnen Modelle wollten sie festhalten, auch die Details wurden gern abgelichtet.

Ein kleiner weißer Fiat 500 Abarth gewährte ihnen Einblicke in sein Innenleben mit den geradezu putzigen Stauräumen. Aber für einen Kurzurlaub in Italien reicht der Platz, versicherte Petra Becker. Sie ist Perfektionistin und hat lange gesucht, bis sie weiße Gepäcktaschen gefunden hat, die genau zu ihrem Oldtimer passen. Liebe liegt auch im Detail.

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Mille Miglia in Ostbayern

  • AMC Deuerling:

    Er ist die größte Vereinigung von Sportfahrern im Landkreis Regensburg mit derzeit 202 Mitgliedern.

  • Mille Miglia:

    Übersetzt bedeutet das „Tausend Meilen“. Gemeint ist damit ein berühmtes Autorennen in Italien.

  • Ostbayerische Variante:

    2004 erblickte die „Mille Miglia“ der Region das Licht der Welt. Damals gewannen der heutige Rallye-Chef Max Schneider und sein Mitstreiter Christian Dünnes den früheren Oberbürgermeister Hans Schaidinger für ihre Idee einer Klassik-Veranstaltung. (lhl).

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