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Regensburg
Donnerstag, 18. Januar 2018 7

Bildung

Das Siemens feiert die Naturwissenschaft

Wie funktioniert eine selbst tragende Brücke? Und was ist der Lotuseffekt? Mit Experimenten beantworten Schüler diese Fragen.
Von Marion Koller, MZ

  • Der Natur abgeschaut: Eine selbst tragende Brücke konstruierten diese Schüler. Foto: altrofoto.de
  • Die Zauberlehrlinge aus dem P-Seminar Chemie zeigten eine Experimentalshow nach Harry Potter Foto: altrofoto.de
  • Die Zauberlehrlinge beim biochemischer Abend am Siemens Foto: altrofoto.de

Regensburg.Der Donnerstagabend war heiß und sonnig, trotzdem füllte sich die Aula des Werner-von-Siemens-Gymnasiums schnell. Die Schule feierte heuer ihren 50. Geburtstag. Mehrere hundert Besuchern wollten den Abschluss des Jubiläums miterleben. Diesmal erlaubten die Oberstufenschüler experimentelle Einblicke in die Bionik und die Chemie.

Während in der Aula der renommierte Forscher Prof. Thomas Scheibel aus Bayreuth trotz des sperrigen Themas Spinnenseide glänzend unterhielt, führte im Mehrzweckraum das W-Seminar Bionik mit Experimenten in die gleichnamige Zukunftstechnologie ein. Kleine Besucher probierten alles selbst aus. Oberstudienrätin Kerstin Bauer hatte Materialien aus dem Nürnberger Bionicum besorgt.

Der Lotus wird immer sauber

Professor Thomas Scheibel von der Universität Bayreuth erforscht die Spinnenseide und sprach am Werner-von-Siemens-Gmnasium Foto: altrofoto.de

Die Bionik überträgt Phänomene aus der Natur in die Technik. An der Lotuspflanze mit ihrer wasserabweisenden Oberfläche haben Forscher entdeckt, dass Schmutzpartikel mit den Regentropfen abperlen. Auch bei Kohlrabi- und Tulpenblättern, Frauenmantel und Pflaumen funktioniert das. Am Siemens testeten Kinder den Lotuseffekt. Die W-Seminar-Schüler staubten die Blätter mit Mehl ein, die kleinen Besucher tropften mit der Pipette Wasser darauf. Zurück blieb eine saubere Oberfläche. Der Lotuseffekt wird bei Fassadenfarbe eingesetzt, damit sie Wasser und Schmutz von Hauswänden abperlen lässt.

An der Station „Leicht und stabil“ führte eine 17-Jährige vor, wie stark die Strukturen eines Seerosenblatts vernetzt sind. Deshalb ist es sehr stabil. Bei der Konstruktion des Eiffelturms wurde das Prinzip in die Technik übertragen. Die jungen Gäste bauten mit Zahnstochern und Gummibärchen selbst so einen „Eiffelturm“. An einer weiteren Station demonstrierten Jugendliche, wie man eine Leonardo-Brücke konstruiert, die das Flechtprinzip auf starre Holzteile überträgt und ohne Fixiermittel auskommt. Erfinder ist Leonardo da Vinci, Vorbild die Natur. Die Kinder erlebten, dass es sich beim Klettverschluss um ein bionisches Produkt handelt. Die Große Klette besitzt genau dieselben Häkchen. Die jungen Gäste testeten das unter dem Mikroskop und warfen Kletten an eine Filzzielscheibe.

Butterbier wie bei Harry Potter

Dr. Berthold Freytag, Oberstudiendirektor und Leiter des Werner-von-Siemens-Gymnasiums Foto: altrofoto.de

Schulleiter Dr. Berthold Freytag hatte die Besucher begrüßt und überließ dann den Mitwirkenden die Bühne. Am Rande der Veranstaltung lobte er Schüler und Schulfamilie. Sie organisierten im Jubiläumsjahr spannende Veranstaltungen – vom Mathe-Festabend bis zum Vortrag über „Kulturelles Erbe und Erziehungsstil“. Die Resonanz freute Freytag. „Mindestens 300 Besucher hatten wir immer.“ Sein Lieblingsabend war der Auftakt im Dezember zum 200. Geburtstag des Namenspatrons Werner von Siemens. Die Schulleitung habe die Partnerschaft mit dem Unternehmen gefestigt. Die Siemens AG bietet MINT-Camps für Schüler, einen Technikpreis für Mädchen und Praktika.

Eine Experimental-Show des P-Seminars Chemie entführte in die Welt von Harry Potter – und schloss die Jubiläumsfeier. Die Schüler von Chemielehrer Peter Harrar traten als Zauberlehrlinge auf. Aus Ethanol, Schwefelsäure und mehr brauten sie Butterbier, das auch in dem Roman serviert wird. In der turbulenten Show mit Explosionen und einem aus schwarzer Masse hochwachsenden Basilisken ging es aber um mehr: Die streitenden Zauberlehrlinge beschlossen, dass sie zusammenhalten müssen. Und das Fazit: „Man findet an jeder Schule eine Spur Magie – die Naturwissenschaften.“

146 Anmeldungen

  • Die Wurzeln

    des Siemens-Gymnasiums liegen in der Zeit des Dritten Reichs, heißt es in der Festschrift zur 50-Jahr-Feier. Vorläufer war eine Wirtschaftsschule im Thon-Dittmer-Palais.

  • Die Neugründung

    des Siemens-Gymnasiums fand 1967 statt. Der Bayerische Staat übernahm die Schule. Seit April 1980 werden alle Schüler am Standort Brennesstraße unterrichtet. Zurzeit sind es 1250 Gymnasiasten. Das Siemens ist nach wie vor beliebt: 146 Neuanmeldungen sind für den Herbst eingegangen.

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