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Regensburg
Donnerstag, 25. August 2016 31° 1

Entwicklung

Das sind die wichtigsten Projekte 2015

Regensburgs OB hat turbulente Monate hinter sich. Inzwischen hat Wolbergs sich in seine neuen Aufgaben gut eingearbeitet.
von Claudia Böken, MZ

Unter anderem auf dem Candis-Gelände entsteht neuer Wohnraum. Foto: Lex

Wohnraum: An vielen Stellen wird gebaut

Das Thema Wohnen ist für Wolbergs noch lange nicht vom Tisch: Die schnelle Umsetzung der Planungen auf dem Nibelungenareal, das Baurecht für Candis II, Königswiesen Nord und Dörnberg sind nur Etappenziele. Fest im Blick hat er den Ankauf der Prinz-Leopold- und der Pionierkaserne mit dem Ziel, dort Wohnen, Gewerbe und die klassische Quartiersentwicklung anzusiedeln. Außerdem will er ein Programm zur Nachverdichtung von Baulücken auflegen.

Ende November wurde die Ostumgehung wieder in Betrieb genommen. Foto: Lex

Osttangente bis zur A 93 verlängern

Die Ostumgehung wurde Ende November 2014 in Betrieb genommen. Ein wichtiger Baustein, aber noch lange nicht die Lösung für alle Verkehrsprobleme. Ab Januar will Oberbürgermeister Joachim Wolbergs Gespräche mit den Umlandgemeinden, mit Landrätin Tanja Schweiger , dem Bürgermeister und den Bürgern von Zeitlarn führen. Sein Ziel: Noch im Jahr 12015 soll ein Grundkonsens hergestellt sein über die Verlängerung der Osttangente bis zur A 93 bei Regenstauf. Einen wesentlichen Fortschritt erwartet er sich vom Verkehrsentwicklungsplan, der im Frühjahr auf den Weg gebracht werden soll. Neue Ziele will sich der OB auch beim Modal Split (Verteilung des Transportaufkommens auf verschiedene Verkehrsmittel) erreichen. Wenn die Prozentbereiche definiert sind, schwebt ihm umgehend ein neues ÖPNV-Konzept vor. Dabei geht es ihm besonders um die besserer Anbindung der großen Unternehmen an den öffentlichen Personennahverkehr. Für die Altstadt hat er sich ein Ziel gesetzt: „Noch im Jahr 2015 wird hier der erste Elektrobus fahren.“ Zur verkehrlichen Infrastruktur gehört für ihn auch die fast vollständige Freigabe der Altstadtstraßen und -gassen für den Radverkehr. Ab April soll der Großversuch für ein Jahr starten. Um der Skepsis vieler Fußgänger entgegen zu treten, hat Wolbergs im Vorfeld Aufklärung mittels Flyern und eine Werbung zur gegenseitigen Rücksichtnahme versprochen. Verkehrsrowdys hat er den Kampf angesagt. Dabei will der OB sowohl mit der Polizei kooperieren, als auch den Sicherheitsservice der Stadt verstärkt auf Patrouillen schicken. Bisher ist er allerdings der Überzeugung, dass ein Miteinander von Radfahrern und Fußgängern möglich ist.

Alt-Oberbürgermeister Hans Schaidinger, sein Nachfolger Joachim Wolbergs, Alexander Rupprecht, Manfred Koller, Bernhard Lutter. Thomas Rödl, Bauunternehmer, Gerhard Eckl (Architektenbüro Nickl & Partner) beim symbolischem Hammerschlag auf die Grundsteinplatte des neuen Innovationszentrums auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne. Foto: Lex

„Meilenstein“ Innovations- und Technologiezentrum

Das wichtigste Thema von allen ist für Oberbürgermeister Joachim Wolbergs auch im neuen Jahre das Thema Arbeit und Wirtschaft. Denn der Stadt und ihren Bürgern geht es nur dann gut, wenn möglichst viele Menschen gut bezahlte und stabile Arbeitsplätze haben. Dann fließen auch die Einkommens- und die Gewerbesteuer. Froh ist er darüber, dass in Regensburg fast Vollbeschäftigung herrscht. Dem Jobcenter sei es – fast unbemerkt von der Öffentlichkeit – gelungen, die Zahl der Langzeitarbeitslosen deutlich zu reduzieren: „Das ist ein Ergebnis der Arbeitsmarktreform von Gerhard Schröder“, erinnert der OB. Eine gewisse Sockelarbeitslosigkeit gebe es trotzdem noch, da könnten möglicherweise neue Initiativen noch eine Senkung bringen. Ihm gehe es in der Zukunft darum, Wirtschaft und Wissenschaft noch stärker als bisher zu vernetzen. Drei Schwerpunkte, die Wolbergs schon im Wahlkampf immer wieder angekündigt hatte, sind Elektromobilität, Kultur- und Kreativwirtschaft und Gesundheitswirtschaft. Von ihnen erhofft er sich die Schaffung weiterer qualifizierter Arbeitsplätze in Regensburg. Mit Freude erwartet er die Inbetriebnahme des Innovations- und Technologiezentrums auf dem Gelände der ehemaligen Nibelungenkaserne, für das im April vergangenen Jahres der Grundstein gelegt worden war. Für Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ist schon jetzt klar: „Die Eröffnung wird noch einmal ein Meilenstein für Regensburg werden.“

Rund um den Hauptbahnhof geht es oft eng zu, das will der Oberbürgermeister ändern. Foto: Lex

Wettbewerb für Busbahnhof

In die kommunale Infrastruktur muss die Stadt auch im neuen Jahr investieren: Rund um den Hauptbahnhof, in der Maximilianstraße und in der Albertsstraße geht es mit den Omnibussen eng zu. Autos und Busse müssen sich aneinander vorbeiquetschen, daraus entstehen oft gefährliche Situationen für Fußgänger und Radfahrer. Diesen Missstand will der Oberbürgermeister auf jeden Fall beseitigen – sei mit oder ohne Bau eines Kultur- und Kongresszentrums am Ernst-Reuter-Platz. Zusätzlichen Raum für Bushaltestellen soll unter anderem eine „Zwillingsbrücke“ der Galgenbergbrücke schaffen. Für dieses Jahr kündigt der OB immerhin den Wettbewerb an, der sich mit den Verkehrsbeziehungen rund um den möglichen RKK-Standort befassen soll. Neue Überlegungen verspricht der OB auch für die Gestaltung des Unteren Wöhrds. Den Bürgern hat er zusätzliche Parkmöglichkeiten versprochen, die er notfalls mit einem Parkhaus auf dem Gelände des ehemaligen Eisstadions einlösen möchte. Natürlich werde die Stadt auch den Bau des Hochwasserschutzes als wichtige Infrastrukturmaßnahme konsequent fortsetzen.

Endlich Platz für Museumsschätze

Alte Möbel, kostbare Bilder und Steinfunde, die – über die Stadt verteilt – ein kümmerliches Dasein fristen, sollen endlich ein adäquates Museumsdepot erhalten. Angesiedelt wird es zwischen der Autobahn und der Franz-Josef-Strauß-Allee. In diesem Jahr sollen wenigstens die Detailplanungen auf den Weg gebracht werden, verspricht Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Der Kulturentwicklungsplan, an dem sich auch viele Bürger beteiligt haben, wird in den nächsten Monaten verabschiedet. Und endlich wird auch das Konzept für die Gedenkkultur fertig, das dem OB seit Jahren besonders am Herzen liegt.

Warten auf die Sallerner Regenbrücke: Aktuell verhindert eine Anwohnerklage den Startschuss. Foto: Lex

Sallerner Brücke: Die Stadt wartet

Die Sallerner Regenbrücke (an dieser Stelle soll sie an die Nordgaustraße anschließen) hält Oberbürgermeister Joachim Wolbergs für die verkehrliche Infrastruktur für unerlässlich. Noch allerdings verhindert eine Anwohnerklage gegen den Planfeststellungsbeschluss den Startschuss. „Ich hoffe, dass wir da möglichst bald weiterkommen“, sagt er. Wenn die Klage erledigt sei, werde die Stadt umgehend mit dem Ausbau der Nordgaustraße starten. Die Brücke selbst sei Sache des Bundes.

Regensburg Challenge statt Ironman

Früher war Oberbürgermeister Joachim Wolbergs in sportlicher Hinsicht eher ein Verfechter, dass bei Großveranstaltungen „Eigengewächse“ wie der Marathon, der Arber-Radmarathon und der Regensburger Triathlon Vorrang vor „eingekauften Events“ haben und entsprechend gefördert werden sollen. Seine Meinung hat sich inzwischen ein bisschen geändert. „Das Eine tun und das Andere nicht lassen“, ist jetzt seine Devise. Sportliche Highlights könnten der Welterbestadt Regensburg ja schließlich nicht schaden, findet er. Statt dem Ironman, mit dem die Stadt in den vergangenen Jahren keine all zu guten Erfahrungen gemacht hat, tendiert er allerdings zur „Challenge“, die sich in Roth einen guten Namen gemacht hat. Gemeinsam mit dem Stadtrat wollte er sich im November über die Großveranstaltung vor Ort informieren, die Fahrt war damals am Zeitmangel vieler Stadträte gescheitert. Ende Januar plant er jetzt einen neuen Termin für die Infofahrt. Wenn alles gut geht, könnte die Veranstaltung erstmals im Sommer 2016 in Regensburg stattfinden. Bei den Sport-Investitionen entfällt natürlich der Löwenanteil auf den Bau der neuen Conti-Arena. Aber ein Versprechen will der OB auf jeden Fall einlösen: Regensburg soll eine Leichtathletik-Trainingshalle bekommen. Nicht am Weinweg, wo der Platz sehr beengt wäre, sondern an der Uni. Die Gespräche sind zwar noch nicht abgeschlossen, der OB spricht aber von „ersten Realisierungsschritten“, die unternommen werden.

Migranten sind erwünscht

Flüchtlinge, Asylbewerber, Migranten – die menschenwürdige Behandlung dieser Leute hat sich Oberbürgermeister Joachim Wolbergs auf die Fahnen geschrieben. „Es bleibt bei der Art der Willkommenskultur, wie sie bei der Erstaufnahme der Flüchtlinge praktiziert wurde.“ Ende Oktober hatte die Stadt quasi Hals über Kopf rund 150 Flüchtlinge aufnehmen müssen, da alle Unterkünfte hoffnungslos überfüllt waren. In der Turnhalle der Clermont-Ferrand-Schule hatte man versucht, ihnen trotz allem eine akzeptable Unterkunft zu bieten. Inzwischen ist die provisorische Erstaufnahmeeinrichtung fertig, die die Regierung in der Pionierkaserne einrichten ließ. Der OB freut sich besonders darüber, dass sein Appell an die Bevölkerung, Patenschaften für Flüchtlinge zu übernehmen, gefruchtet hat. Rund 200 Regensburger haben sich inzwischen gemeldet, die Flüchtlinge betreuen möchten, viele weitere Regensburger haben Patenschaften oder Dolmetscherdienste angeboten . Am 8. Januar findet erstmals ein Treffen aller Hilfswilligen statt, war den OB richtig stolz macht.

Bürgerbeteiligung und neues Klima

Die freiwillige Betreuung von Flüchtlingen ist genau das, was Oberbürgermeister Joachim Wolbergs sich zum Ziel gesetzt hat: Bürgerbeteiligung und ein neues Klima in der Stadt, wie es viele seit seinem Amtsantritt bereits zu spüren glauben, was aber nicht einfach zu konservieren sein wird. Er will das Seine dazu beitragen: „Ich werde konsequent ausbauen, was ich begonnen habe und die Bürger zu anstehenden Themen rechtzeitig beteiligen“, verspricht er. Er will sogar die ganz jungen Regensburger einbinden. Eine Befragung aller Kinder und Jugendlichen über ihre Lebenssituation ist in Vorbereitung. Außerdem wird in diesem Jahr auch ein Jugendbeirat gegründet, dessen Wünsche und Anregungen in die Politik einfließen werden. „Die Menschen, die hier wohnen, sollen Regensburg als ihre Stadt begreifen, für die es sich lohnt, sich zu engagieren.“ Daraus könnte sich das Klima entwickeln, von dem Wolbergs träumt: Bürger, die nicht zuerst nach der Politik schreien und auf ihr vermeintliches Recht pochen, sondern sich überlegen, wie sie selbst an der Verbesserung der Lebensumstände mitarbeiten können.

Mit Beginn des kommenden Schuljahrs sollen die ersten Schüler der BOS bereits in das neue Gebäude einziehen. Foto: Lex

BOS: Ein Traum geht in Erfüllung

Auf dem Nibelungen-Gelände wachsen und gedeihen inzwischen schon viele Bauten. Wenige werden so sehnsüchtig erwartet worden sein wie die neue berufliche Oberschule. Mit Beginn des kommenden Schuljahrs sollen die ersten Schüler der BOS bereits in das neue Gebäude einziehen. Die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts ist ein Jahr später geplant. Dann ist die mit fast 50 Millionen teuerste Schule, die die Stadt je gebaut hat, fertig, die FOS und die BOS sind dann endlich unter einem Dach vereint. Dass es schließlich doch so schnell geht, hatte lange keiner geglaubt. Schüler, Eltern und Lehrer hatten jahrelang für menschenwürdige Unterrichtsbedingungen gekämpft und waren immer vertröstet worden. Allein im vergangenen Schuljahr haben 147 junge Leute an dieser Schule ihr Abitur gemacht, was Oberbürgermeister Joachim Wolbergs besonders bemerkenswert fand. Auf demselben Gelände will er auch eine weitere Bildungseinrichtung etablieren: Das „Haus der kleinen Forscher“ liegt dem OB besonders am Herzen. Weil es dazu beitragen soll, Kinder und Jugendliche für Forschung und Technik zu begeistern wird es in unmittelbarer Nähe des Innovationszentrums gebaut werden.

Schulsanierungen stehen auch im neuen Jahr auf der Tagesordnung und der Spatenstich für einen Neubau: Auf dem Gelände des jetzigen Jahnplatzes baut die Stadt nach dem Umzug des SSV Jahn eine inklusive Grundschule.

Soziales und Finanzen

Gute Finanzen sind für eine Kommune wichtig, um nicht nur große Investitionen tätigen, sondern sich auch sozial engagieren zu können. Die Regierung hat den Haushalt 2015 bereits genehmigt und der Stadt eine geordnete, solide und verlässliche Haushaltswirtschaft bescheinigt. Die komfortable finanzielle Lage erlaubt Regensburg zum 1. Juli 2015 die Einführung eines Stadtpasses: Damit sollen Sozialhilfeempfänger, Flüchtlinge und von Altersarmut betroffene Senioren – insgesamt wird die Zahl der potenziellen Berechtigten auf 13 500 geschätzt – verbilligte RVV-Monatstickets und Vergünstigungen in Bädern, Museen, Büchereien und anderen städtischen Einrichtungen in Anspruch nehmen können. Für dieses Projekt ist im Haushalt 2015 rund eine halbe Million Euro berücksichtigt.

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs will in diesem Jahr auch die Jugendsozialarbeit an Schulen ausbauen und die ersten Maßnahmen von „Regensburg inklusiv“ umsetzen. Die Planungen für die Barrierefreiheit des Reichssaals sind bereits fertig.

Das Stadion im Regensburger Stadtsüden wächst und gedeiht. Foto: Herbert Stolz

Ein „Plan B“ für das Stadion

Die neue Fußballarena an der Franz-Josef-Strauß-Allee wächst und gedeiht. Einer Fertigstellung zum Beginn der nächsten Saison steht nichts im Weg. Für OB Joachim Wolbergs bleibt sie eine wichtige Infrastrukturmaßnahme, auch wenn derzeit sehr fraglich ist, ob der SSV Jahn dann noch in der dritten Bundesliga spielen wird. Als Fan des Vereins mag der OB die Hoffnung noch nicht begraben. Als Politiker muss er sich aber auch Gedanken darüber machen, wie die millionenteure Investition im schlimmsten Fall genutzt werden kann. Als „Plan B“ gibt es für ihn nur die Möglichkeit, den Tagungsbereich so gut wie möglich auszulasten und hochklassige Spiele anderer Vereine in die Stadt zu holen, um das Betriebskostendefizit möglichst gering zu halten. „Und danach muss der Verein möglichst schnell wieder aufsteigen.“

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