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Regensburg
Sonntag, 21. Januar 2018 5

Zirkus

Das Timing der Krähen am Reck

Die weißrussischen Artisten „The Crows“ zeigen am Reck waghalsige Kunststücke. Das A und O ist dabei ihre Abstimmung.
Von Angelika Lukesch

Die weißrussische Artistikgruppe „The Crows“ zeigt rasante Kunststücke am Reck. Foto: Lex

Regensburg.Wenn im 3. Regensburger Weihnachtszirkus martialische Musik erklingt, betreten „The Crows“ die Manege. Es sind fünf kräftige und durchtrainierte Männer, die sich nun vor den sieben Recks, die parallel und im rechten Winkel zueinander aufgestellt sind, postieren.

Als „richtige Mannsbilder“ würde man in Bayern diese Artisten bezeichnen, denn sie zeichnen sich durch Stärke, muskulöse Masse und einen sehr kräftigen Körperbau aus. Was die fünf Artisten dann im Laufe ihrer Nummer einem atemlosen Publikum präsentieren, lässt auch den abgebrühtesten Zirkusfan staunen. Sie springen von allen Seiten auf die Reckstange, fliegen drumherum, nutzen den Schwung aus, um von einer Reckstange an die nächste zu springen, überschlagen sich und landen am Ende dennoch sicher auf dem Boden.

Die Nummer ist sehr gefährlich

Die Gruppe wird von Victor (48) zusammengehalten. Foto: Lex

Das Faszinierende an dieser Zirkusnummer ist die Geschwindigkeit, mit der die Artisten gleichzeitig ihre Kunststücke am Reck und ihr Spiel mit der Fliehkraft zeigen, sowie das genaue Timing des Auftritts. Sie überschlagen sich gemeinsam in aberwitziger Geschwindigkeit, springen aneinander vorbei, ergreifen die nächste Reckstange, um sich im rasenden Wirbel wieder zur anderen Stange zu katapultieren, vorbei an den Anderen, die ihnen dabei um die Ohren fliegen.

„Unsere Nummer ist sehr gefährlich, da wir viele Tricks gemeinsam durchführen. Jeder von uns hängt vom anderen ab. Wenn einer aus dem Rhythmus kommt oder sich vergreift, fallen wir alle und fällt auch die ganze Nummer. Das gefährlichste daran wäre, ineinander zu krachen. Es wurde zwar nie gemessen, aber wir sind sehr schnell. Unsere Nummer lebt von der Geschwindigkeit und der Kraft. Wir wollen die Kraft an das Publikum weitergeben, das Publikum soll die Energie richtig spüren“, sagt Victor, Gruppenchef der Crows.

Die fünf Artisten kommen aus Weißrussland. Sie alle kommen aus dem professionellen Sport, gehören zur Olympia-Reserve des Landes und jeder hat schon viele Meisterschaften gewonnen. Ihr Titel lautet: „Master of Sports of Belarus on sports gymnastics“. Victor, der Chef der Truppe, ist unglaubliche 46 Jahre alt und hat einen durchtrainierten Körper, um den ihn jeder 20-Jährige beneiden würde. Der Rest der Truppe, die sich 2001 in Minsk gründete und seither auf der ganzen Welt auftritt und viele Auszeichnungen erhalten hat, ist zwischen 24 und 38 Jahren alt.

The Crows müssen sehr viel trainieren. Dazu gehen die fünf Weißrussen in ihre früheren Sportklubs, in die sie häufig auch eingeladen werden, um als Vorbild zu dienen. „Es ist gut für den Nachwuchs und für die Jugend zu sehen, was mit gutem Sport aus einem werden kann, wenn man so alt ist wie ich zum Beispiel“, erzählt Victor.

Wenn es weh tut, lebt man

Um jedoch eine Artistiknummer zu zeigen, wie sie The Crows im 3. Regensburger Weihnachtszirkus in zwei Vorstellungen am Tag präsentieren, muss man „17 Jahre lang turnen und dann 20 Jahre beim Zirkus sein“, erklärt Victor grinsend. „Selbst wir Turner brauchen, wenn wir untrainiert sind, mindestens ein halbes Jahr, um wieder in die Manege zu gehen und auftreten zu können. Denn es ist mehr als Turnen, es sind artistische Dinge dabei, die wir zeigen“, erklärt der weißrussische Akrobat. Victor war übrigens schon einmal im Jahr 2002 mit dem russischen Staatszirkus in Regensburg. „Ich kenne Regensburg und mag es sehr gerne. Es gibt eine Menge Brücken!“

Wie lange kann ein Sportler wie Victor diese schwierige Zirkusnummer noch machen? „Das hängt von der Gesundheit ab“, grinst Victor. „Ich weiß es nicht. Die Artistik ist gut für meine Gesundheit, denn ohne sie könnte ich nicht mehr leben. Es ist jetzt in meinem Blut drin, das Artistikfieber. Ich liebe den Zirkus so sehr. Wenn man einmal zum Zirkus gegangen ist, kann man ihn nicht mehr verlassen.“

Ob es schon mal Verletzungen gab? „Natürlich! Ausgerenkte Knie, abgerissene Achillessehnen, die Zähne am Reck ausgeschlagen.“ Hat ein Artist wie Victor irgendwann auch mal Kreuzweh wie normale Menschen? Victor lacht und grinst gutmütig: „Nicht nur im Kreuz! Es tut eigentlich überall weh. Du wachst am Morgen auf und richtest dich wie ein Zombie auf und denkst, auweiah, alles tut weh, aber gut, du bist noch am Leben.“

So bekommt man Karten

  • Der Vorverkauf:

    Die Tickets für den 3. Regensburger Weihnachtszirkus sind in den Geschäftsstellen der Mittelbayerischen Zeitung und an unseren Vorverkaufsstellen erhältlich.

  • Die Tickets

    kosten zwischen 22 bzw. 19 Euro in Rang D und zwischen 52 bzw. 48 Euro in den Logen, Plätze in den nummerierten Premiumlogen kosten 57 bzw. 53 Euro.

  • MZ-Clubcard-Besitzer

    erhalten in den Vorverkaufsstellen des Mittelbayerischen Kartenvorverkaufs 20 Prozent Rabatt.

  • Vorverkaufsstellen

    sind im Regensburger Donaueinkaufszentrum in Weichs, in der Tourist-Info im Alten Rathaus und im Reisebüro der Deutschen Bahn am Regensburger Hauptbahnhof.

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