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Regensburg
Mittwoch, 26. Juli 2017 16° 7

Musik

Das Weiße Haus des Rock and Roll


Von Stefan Josef, MZ

  • „Let it roll“: Anton „Judy“ Seutter, Blondie Chaplin und Cristi Minculescu (v.l.n.r.) live im Roadhouse. Foto: Schweinar
  • The House On The RockFoto: Neuner

Man fährt die B8 stadteinwärts und wirft kurz vor der Pfaffensteiner Brücke einen Blick nach links. Sofort fällt eine Villa auf, die majestätisch auf einem Felsen thront. Dort befindet sich die Musikschule „The House On The Rock“. Der Sound, der aus den alten Gemäuern ertönt – Blues, Soul und Rock‘n‘Roll – hinterlässt den Eindruck, man befinde sich nicht an der Donau, sondern direkt am Ufer des Mississippi in New Orleans. Die Musikschule wurde 2004 von Anton „Judy“ Seutter gegründet.

Der Regensburger Gitarrist ist Musiker durch und durch: Mitte der 80er studierte er klassische Gitarre und Cello in Augsburg und brachte gleichzeitig mit seiner Band „Tango Pervers“ den Punk nach Regensburg. „Es waren wilde Zeiten damals“, erinnert sich Seutter und fährt fort: „In Regensburg gab es damals genau vier Punks – den „Dule“, den Christoph, den Punker-Mike und mich.“ Damit sie wenigstens ein paar mehr waren, beschlossen die Punks aus Regensburg, Straubing, Landshut und Deggendorf eine Art Städtepartnerschaft und trafen sich jedes Wochenende in einer anderen der vier Städte. Später war Seutter Gitarrist der Münchner Mundart-Rockband „Sparifankal“: Die erste Band, die Rockmusik mit Texten auf Bairisch verband. Der Gitarrist ist auf dem bisher letzten Album der Band, „Dahoam is woanders“, zu hören.

Lernen bei Meistern der Popmusik

Der erste prominente Gast, der die Treppen zur Villa erklomm war Blondie Chaplin. Der Gitarrist und Sänger, der in Südafrika aufwuchs und dort die Band The Flames gründete, war Anfang der Siebziger Mitglied der Beach Boys. Chaplin spielt seit den Neunziger Jahren als Studio- und Livemusiker mit niemand geringeren als den Rolling Stones. Der Kumpel von Keith Richards stand schon mit so ziemlich allen Giganten der Rock- und Popgeschichte auf einer Bühne, unter anderem auch mit Bob Dylan und Elton John. Seit der Gitarrist 2008 das erste mal für einen Gitarrenworkshop und ein Konzert in Regensburg war, kam er jedes Jahr mindestens einmal zurück. Derzeit arbeitet Chaplin an einem Album mit Beach Boys-Gründer Brian Wilson und ist seit letzter Woche mit den beiden Beach Boys Wilson und Al Jardine als auch mit Jeff Beck auf US-Tour. Doch auch dieses Jahr spielte Chaplin in seiner „zweiten Heimat“ Regensburg. „Let it roll“ war der Name des Auftritts von Chaplin und Seutters Band Lotus im Roadhouse.

Der Sänger der neu formierten Truppe Lotus ist der rumänische Hardrock-Star Cristi Minculescu. Obwohl hierzulande weitgehend unbekannt, ist Minculescu in seiner Heimat einer der größten Stars des Landes. Seine langjährige Band Iris nahm eine neue Version von „Lady in black“ auf Englisch und Rumänisch zusammen mit Uriah Heep auf. Über die Hardrock-Pioniere und Bernd Schweinar, den Bayerischen Rockintendanten, kam dann auch der Kontakt zwischen Seutter und Minculescu zustande. Der rumänische Sänger, der 2009 wegen einer Lebertransplantation nach Regensburg kam und seitdem auch hier wohnt, erkundigte sich, welche Hardrock-Musiker es in Regensburg gebe. Schweinar, der von den guten Kontakten Seutters zu Uriah Heep wusste, sagte ihm, er solle sich an „Judy“ wenden. Sie trafen sich und kurz darauf wurde die Band Lotus ins Leben gerufen. Die Gruppe spielt sowohl eigene Songs als auch Klassiker des Hard- und Bluesrock von Led Zeppelin über die Stones bis Uriah Heep.

Auf Tournee in Rumänien

Ende Dezember flog die Regensburger Band nach Rumänien und spielte dort an Silvester auf dem Revolutionsplatz in Bukarest. „Das war der Wahnsinn. Wir spielten dort vor geschätzten 30 000 Zuschauern“, erzählt Seutter von dem Auftritt. Im April ging er dann zusammen mit Minculescu auf Rumänien-Tournee – nur mit Akustikgitarre und Gesang.

Am 21. November spielt Lotus ein Konzert im Hinterhaus in Regensburg. „Da wird es wieder richtig krass, hart und laut. Wir haben mit Andu einen jungen, 28-jährigen Schlagzeuger. Er bringt mich zu meinen Wurzeln zurück: Classic Hardrock und Stoner-Rock, aber auch gefühlvolle Balladen“, erzählt Seutter, der im Januar 53 wird. „Gerade in der Rockmusik ist das Quellenstudium wichtig. Und die wichtigsten Quellen sind Musiker, die an der Entwicklung dieses Genres beteiligt waren oder auch noch sind“, sagt der Regensburger Gitarrenlehrer. So bat das „House On The Rock“ auch David Evans, Gitarrist und Professor für Blues und Folk an der University of Memphis um einen Besuch. Evans kam 2011 für einen Workshop und ein Konzert nach Regensburg.

Mit Chaplin, Minculescu und obendrein dem aktuellen Uriah Heep-Schlagzeuger Russel Gilbrook, der auch schon mit Tony Iommi von Black Sabbath und Van Morrison spielte, plant Seutter nun weitere Workshops in Kooperation mit Schweinar und der Musikakademie Alteglofsheim. Der Workshop mit Gilbrook ist für März 2014 geplant.

Ein großer Wunsch Seutters ist es, eines Tages auch noch Mick Box, Gitarrenlegende und einzig verbliebenes Gründungsmitglied von Uriah Heep für einen Workshop nach Regensburg zu holen. Einmal scheiterte es an einer Handverletzung der Rocklegende, dann wieder an terminlichen Schwierigkeiten. Zum Trost signierte Box das neu erschienene Lehrheft „Learn To Play Guitar with Lady In Black“ mit einem Geleitwort für seinen „friend Anton Seutter“.

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