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Regensburg
Samstag, 22. Juli 2017 30° 8

Hobby

Der Herr Professor hinter dem Mischpult

Dr. Christian Zich lehrt Marketing. Privat legt er gern Techno auf – jetzt trat er als DJ im Schimmerlos auf.
Von Julia Meidinger, MZ

Marketing-Professor Christian Zich am DJ-Pult Foto: Meidinger

Regensburg.Dr. Christian Zich ist nervös, alle paar Minuten wirft er einen prüfenden Blick auf seine Armbanduhr. Es ist Donnerstagabend, 22 Uhr. „Mit dem heutigen Gig geht mein langjähriger Traum in Erfüllung“, verrät er. Dabei ist Zich gewohnt, vor einem großen Publikum aufzutreten. Nur hält er dann meistens Vorträge über Marketing-Strategien und seine Zuhörer sind Studenten oder Firmenmitarbeiter. Der 55-Jährige ist Professor für Internationales Marketing in Deggendorf – und DJ.

Premiere im Schimmerlos

An diesem Abend legt er – ohne Künstlername – als „Professor Dr. Christian Zich“ zum ersten Mal im Regensburger Klub Schimmerlos auf. Zichs Liebe gilt – anders als bei den meisten anderen in seinem Alter – der elektronischen Musik, am liebsten legt er „fluffigen House und Techno“ auf. Einen Widerspruch zwischen seiner Akademiker-Existenz und dem Dasein als Elektro-DJ kann der Vater von zwei Söhnen nicht erkennen. Er sei auch als Professor eher „cool“ und halte seine Seminare auch mal ganz lässig, ohne Krawatte und in Chucks. An diesem Abend trägt er ein weißes Hemd, dazu eine Jeans und Sneakers.

Zich stellt sogar eine Parallele zwischen den beiden Jobs fest: das unmittelbare Feedback. „Man sieht sofort an den Gesichtern der Studierenden, ob der Unterricht interessant ist.“ Genauso gehe es ihm als DJ: „Wenn man Blödsinn auflegt, ist die Tanzfläche leer.“ Das Feedback aus seinem persönlichen Umfeld falle unterschiedlich aus. Manche Kollegen könnten gar nichts mit seinem DJ-Dasein anfangen, andere wiederum fänden es „ganz gut“. Sein älterer Sohn ist inzwischen 16. Seinen Vater hat er bisher noch nicht hinter dem Mischpult erlebt. Elektro sei „nicht sein Ding“.

Den ersten Gig hatte Christian Zich mit 26 in seiner Heimat Schwangau, in einer kleinen „Kuh-Diskothek“. Die DJ-Karriere verfolgte er aber vorerst nicht weiter, er promovierte lieber. Vor vier Jahren besuchte er eine Studentenfete, er war entsetzt von der Musik des DJs – „richtig schlecht“. Daraufhin fragte ihn einer seiner Studenten, selbst DJ, warum er denn nicht wieder auflege – Zich zögerte zunächst. Schließlich wollte er kein DJ-Opa sein.

Seine Meinung änderte er, als ein Manager in seinem Alter auf einem Firmen-Event „richtig geniale“ Elektro-Musik spielte. Sein Debut, oder besser Comeback, hatte der Professor auf einer Studenten-Party. „In meiner ganzen Karriere hab ich mir noch nie so in die Hose gemacht“, erinnert sich Zich. Das Auflegen in Deggendorf wird für den Familienvater bald zum Heimspiel, er will sich auch vor einem größeren Publikum beweisen. Ende 2014 bewarb er sich dann für einen Gig bei einem Regensburger Klub. „Ehrlich gesagt dachte ich, kraft meiner Professur geht das schon“, sagt der 55-Jährige und schmunzelt. Doch es ging nicht, der Hobby-DJ erhielt eine Absage. Er sah es als Ansporn. Zuerst verabschiedete er sich von seinem „Controller“, einer Hilfs-Software, die Aufgaben übernimmt, die ein guter DJ selbst mit den Händen erledigt. Außerdem produzierte er seinen ersten eigenen Track. Die Mühe lohnte sich, dieses Jahr erhielt er die Zusage für den Gig im Schimmerlos.

Der Klub

  • Gründung:

    Das Schimmerlos wurde von Sascha Al-Mahmoud ins Leben gerufen. Es öffnete 2015 im St.-Peters-Weg unter den Räumen der Suite 15 und zog im Januar dieses Jahres in ein nur zehn Meter entferntes Gewölbe um.

  • Musik:

    Im Schimmerlos wird ausschließlich elektronische Musik, vor allem Techno, gespielt.

Um 23 Uhr geht es los

Endlich ist es 23 Uhr, es kann losgehen. Zich zückt seine Brille und begutachtet das Mischpult, er hat nur einen USB-Stick mit den Liedern und seine Kopfhörer mitgebracht.

Vor dem DJ-Pult hat sich ein Pulk aus Techno-Fans versammelt. Einer von ihnen ist Julian Singer, er ist zum ersten Mal im Schimmerlos. Mit halb geschlossenen Augen bewegt er sich zum Takt der Musik – die findet er „sehr gut“. „Dabei ist Elektro-Musik sonst eher nicht so meins.“ Neben ihm tanzt Markus Hiesch, ein regelmäßiger Schimmerlos-Besucher und Liebhaber elektronischer Musik. Er ist zufrieden mit dem DJ-Professor: „Der kann’s. Die Musik ist super, außerdem vermurkst er keine Übergänge.“

Auch Zich ist am Ende des Abends glücklich, auch wenn sein Auftritt von einem abrupten Feueralarm unterbrochen wird. Mit den Veranstaltern habe er schon gesprochen: „Wir haben soeben beschlossen, dass ich auf alle Fälle wiederkomme.“

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