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Regensburg
Freitag, 23. Juni 2017 30° 4

Buch

Der Hexenmeister mag auch Sex und Crime

Paul Fenzl, Autor mit Regensburger Wurzeln, liebt Vielfalt. Seine Krimis drehen sich um lokale Promis. Mit Sagen wurde er bekannt.
Von Stephan Grotz, MZ

Paul Fenzl, Autor mit Regensburger Wurzeln Foto: Thalia/Spielberg Verlag

Regensburg.Paul Fenzl ist ein lebendiges Beispiel dafür, dass eine persönliche Katastrophe auch ein Segen sein kann. Nach einer verpfuschten Hüft-OP muss Fenzl sein Hobby, die Zucht von Island-Pferden, an den Nagel hängen. Zuerst fällt er in ein Loch. Dann aber kauft er sich einen Laptop und beginnt im Jahr 2009 zu schreiben – mit einem Resultat, das sich sehen lassen kann: Mittlerweile gibt es von Fenzl ein Buch mit Kurzgeschichten, sechs Bände einer Krimi-Reihe, in der der Regensburger Kommissar Köstlbacher die Hauptrolle spielt, und vor allem die Auswahl bayerischer Sagen „Von Hexen, Heiligen und Halunken“, die ihn überregional bekannt machte.

Auf sein Erfolgsbuch möchte Fenzl jedoch nicht reduziert werden. Denn auch seine Köstlbacher-Krimis liegen ihm am Herzen. Die zählen zwar zum gerade trendigen Genre des Regionalkrimis, doch gefälliger Mainstream sind sie wahrlich nicht. Schuld daran ist vor allem der eigenwillige Sprachstil, den Fenzl speziell für seine Krimis gewählt hat: Der Erzähler spricht den Leser immer direkt in der „Du“-Form an, er redet zwar keinen Dialekt, aber doch so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. „Mein Stil kommt nicht bei allen Lesern an“, weiß Fenzl: „Doch ich habe auch viele treue Fans.“

Wolbergs wird ein Rad geklaut

Und noch eine Besonderheit zeichnet die Köstlbacher-Krimis aus: sie spielen ohne Ausnahme in Regensburg, und es kommen darin sogar Personen aus dem richtigen Leben vor. Zum Beispiel Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, dem im gerade erschienenen, sechsten Köstlbacher-Fall „Weggesperrt“ ein Fahrrad geklaut wird. Was eine Lappalie ist gegenüber dem Mord am Regensburger Polizeichef.

Noch ein letzter, siebter Fall wird im nächsten Jahr erscheinen – mit der Regensburger Dirndl-Designerin Astrid Söll als zentraler Figur. „Danach ist Schluss mit dem Köstlbacher“, sagt Fenzl und eifert darin seinem Vorbild Wolf Haas nach. Schmunzelnd fügt Fenzl hinzu: „Der Haas wollte auch sieben Brenner-Krimis schreiben – und jetzt sind es schon neun.“

Inspiration aus der MZ

Über mangelnde Einfälle braucht Fenzl nicht zu klagen. In der Schublade liegen zwei Romane, die ganz neue Seiten an Fenzl zeigen. In dem einen Buch geht es um einen finanziell erfolgreichen Bauingenieur, der von einer amourösen Geschichte in die nächste stolpert. Und der zweite Roman ist ein Thriller mit einem Protagonisten vom Typ Hannibal Lecter.

Die ungewöhnlichen Stories deuten auf ein bewegtes Leben des Autors Fenzl hin. Doch der sagt nur: „Mich prägt das Alltagsleben. Da ist alles drin.“ Es sind eher die kleinen, persönlichen Schicksale, die Fenzl interessieren, mit denen er sich identifizieren kann und die er dann weiterspinnt zu seinen Romanfiguren. Auf eine Inspirationsquelle möchte Fenzl dabei nicht verzichten: „Der Geistesblitz kommt meistens morgens beim Lesen der MZ.“

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