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Regensburg
Samstag, 16. Dezember 2017 10

MZ-Serie

Der OB wirft das Geld zum Fenster raus

Heimatverbundene Menschen aus der Region lüften 50 Geheimnisse aus der Oberpfalz. Jetzt erscheint das Buch zur neuen Serie.

Regensburgs Oberbürgermeister Joachim Wolbergs wirft, wie einst die Vertreter der Fürsten auf dem Immerwährenden Reichstag, Geld zum Fenster raus. Aber keine Sorge: Es sind Schokotaler. Bild: Stefan Effenhauser

Regensburg.Wer hat in Regensburg das sprichwörtliche Geld aus dem Fenster geworfen oder Entscheidungen auf die lange Bank geschoben? Wo ist ein Mühlespiel aus dem Mittelalter hoch oben in einen Turm eingeritzt? Warum erinnert in Neumarkt eine unbeachtete Stele an die grausame Ermordung des Räubers Eppelein von Gailingen? Und was hat der Schriftzug „Schärtel“ an einer Hauswand in Weiden mit dem berühmtesten Sohn der Stadt, dem Komponisten Max Reger, zu tun? Das sind nur einige von insgesamt 50 Fragen, denen die Journalistinnen Eva-Maria Bast und Heike Thissen im Buch „Regensburger Geheimnisse und andere spannende Geschichten aus der Oberpfalz“ in Zusammenarbeit mit der Mittelbayerischen Zeitung und vielen Oberpfälzern auf den Grund gegangen sind. Ab kommenden Samstag können Interessierte die Stadt Regensburg und den Regierungsbezirk Oberpfalz mit dem Buch noch besser kennenlernen. Die MZ wird einige Geschichten in einer Serie auf der Seite „Mitten in Bayern“ vorstellen.

Heimatkenner als Geheimnispaten

Eva-Maria Bast (l.) und Heike Thissen haben in der Oberpfalz geheimnisvolle Geschichten aufgespürt. Foto: Sabine Tesche

„Wir waren begeistert von der tollen Zusammenarbeit mit unseren Geheimnispaten“, erklärt Eva-Maria Bast. Denn zum Konzept der „Geheimnisse“ gehört, dass heimatverbundene Regensburger und Oberpfälzer mit ihrem Expertenwissen zu Wort kommen und helfen, die Rätsel zu lösen, die hinter kaum beachteten Relikten stecken. Der Regensburger Oberbürgermeister Joachim Wolbergs kommt neben vielen weiteren bekannten und unbekannten Heimatkennern aus der Donaumetropole genauso zu Wort wie Menschen aus Amberg, Cham, Weiden und anderen Orten in der Oberpfalz.

„Es sind Leute dabei, die als echte Regensburg- und Oberpfalz-Insider bekannt sind, aber auch viele andere, die geheimnisvolle Geschichten kennen und damit bislang nicht in Erscheinung getreten sind“, sagt Heike Thissen. Genau das macht den Reiz des Buches aus: dass bekannte und weniger bekannte Regensburger und Oberpfälzer – darunter auch Amberger, Chamer, Neumarkter, Weidener oder Regenstaufer und Lappersdorfer – allesamt miteinander verbunden durch die Liebe zu ihrer Heimat ihre Geschichten erzählen. „Wir waren vor allem begeistert davon, wie offen und interessiert sie die Idee aufgenommen haben“, berichtet Eva-Maria Bast.

Neue Einblicke für Einheimische

Was die Regensburger und Oberpfälzer zu den Relikten, die heute noch über den ganzen Regierungsbezirk verteilt zu sehen sind, zu erzählen hatten, war manchmal lustig, manchmal traurig und manchmal einfach nur unglaublich. Die Geschichten handeln von verfolgten Juden, unbeugsamen Aufständischen, spendierfreudigen Adligen, verurteilten „Hexen“ und Hofmarksherren, die sich lieber sitzend als liegend beerdigen ließen. Entstanden ist dabei ein Buch mit 50 Geschichten, die sowohl Einheimischen als auch Touristen die Stadt und den Regierungsbezirk aus einem teilweise völlig neuen Blickwinkel näher bringen.

Krebsspuren auf der Domtreppe

So dürften die wenigsten Regensburger wissen, dass sie auf den Seitenstufen des Doms auf die Jahrtausende alten Spuren von Panzerkrebsen treten. Wer aber weiß, wo er hinsehen muss, kann sie deutlich auf den Stufen erkennen. Das erklärt im Buch einer, der es wissen muss: Dr. Hansjörg Wunderer, Leiter des Regensburger Naturkundemuseums, hat sich ausführlich mit den schlingenartigen Erhebungen beschäftigt und ihr Rätsel gelöst.

Die Krebse gruben sich ihre Gänge durch den Meeresboden, der später zu Stein wurde, und hinterließen Hohlräume, in die das Meer dann Sand und andere Ablagerungen hineinspülte. „Diese Verfüllungen waren härter als der Stein, der sie umgab“, erklärt Wunderer. „Und weil der Kalkstein auf Abnutzung und Verwitterung und besonders auf sauren Regen empfindlich reagiert, traten sie über die Jahrhunderte immer deutlicher hervor.“

Damit jeder Leser die Spuren der Panzerkrebse und alle anderen 49 Relikte auch wirklich findet, ist jede Geschichte mit einer detaillierten Wegbeschreibung versehen. Im Anhang des Buches befinden sich außerdem Stadtpläne und Landkarten, auf denen die Relikte verzeichnet sind.

Der Titel „Regensburger Geheimnisse und andere spannende Geschichten aus der Oberpfalz“ ist Teil einer inzwischen 22-teiligen Reihe, die im Herbst 2011 von Eva-Maria Bast erfunden wurde. Die ersten Bände brachte sie zusammen mit Heike Thissen in ihrer Heimat am Bodensee heraus, mit der Lokalzeitung Südkurier, die dafür mit dem Deutschen Lokaljournalistenpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Kategorie Geschichte, ausgezeichnet wurde. Seither haben die beiden viele Städte in ganz Deutschland nach ihren Geheimnissen durchsucht.

„Jede Stadt hat ihre ganz eigene Geschichte und damit auch ihre ganz eigenen Geschichten“, sagt Heike Thissen. Genau deshalb sei es jedes Mal aufs Neue so interessant, sich zusammen mit den Menschen vor Ort auf die Suche nach dem zu machen, was jede Stadt und Region für sich einzigartig und unverwechselbar macht.

Die Schönheit im Kleinsten

Eva-Maria Bast fügt hinzu: „Natürlich lässt sich in 50 Geschichten nicht die komplette Historie eines Ortes vollständig abbilden. Aber wir geben einen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Einblick in die Seele der Städte und versuchen, auch Alteingesessene mit dem, was wir herausfinden, zu überraschen.“ Das höchste Lob, da sind sich die beiden Autorinnen einig, komme von Einheimischen, die ihre Stadt gut zu kennen glaubten und mit einem „Das habe ich noch gar nicht gewusst“ auf das Buch reagierten. Den Lesern ihre eigene Heimat aus neuen Blickwinkeln zu präsentieren, ihnen Neues zu scheinbar Altbekanntem zu vermitteln und den Blick zu öffnen für die Schönheit, die sich oft im Kleinsten verbirgt – das ist es, was die Journalistinnen antreibt. „Die Arbeit in der Oberpfalz hat uns dabei ganz besonders viel Spaß gemacht.“

Informationen zum Buch:

Das Buch „Regensburger Geheimnisse und andere spannende Geschichten aus der Oberpfalz“ von Eva-Maria Bast und Heike Thissen hat knapp 200 Seiten und kostet 14,90 Euro. Erhältlich ist das Buch ab November in allen Geschäftsstellen der Mittelbayerischen Zeitung, im Buchhandel, unter Tel. (07551) 6 33 20 oder über die Homepage der Autorinnen www.buero-bast.de (portofreier Versand). ISBN: 978-3-9816796-4-9.

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